So füttern Sie Ihr Pferd gut durch den Winter

Foto: Rädlein CAVALLO Fütterung
In der Natur haben Pferde die Möglichkeit, sich genau diejenigen Nährstoffe zu besorgen, die sie brauchen: Wasser, Mineralien, Zellulose und andere Pflanzenstoffe. Bei der Pferdehaltung ist deshalb die richtige Fütterung entscheidend.
Foto: life data labs CAVALLO Pferde richtig füttern

Barn Bag von Life Data Labs

Gegen Ende des Winters verschlechtert sich der Gesamtzustand vieler Pferde. Mögliche Gründe dafür sind abnehmender Nährwert des Futters, erhöhter Kalorienbedarf, Mangel an qualitativ hochwertigen Kalorienquellen, verringerte Aktivität, Über- oder Unterversorgung mit Nährstoffen, verminderte Wasseraufnahme oder der Aufenthalt in einem Stall mit verringerter Luftqualität und dadurch erhöhter Anfälligkeit für ansteckende Krankheiten und Husten.

Der hauptsächliche Grund für eine schlechtere Kondition ist meist das Ende der Weidefütterung. Die Nahrungsqualität von Heu ist geringer als die von Weidegras, und sie nimmt mit längerer Lagerung immer weiter ab. Zum Beispiel verringert sich der Gehalt an Carotin (Vitamin A) innerhalb einiger Tage nach der Ernte um mehr als 50 %, bei anderen Vitaminen sind es zwischen 7 und 10 Prozent pro Monat.

Das Pferd hat bei kaltem Wetter einen erhöhten Stoffwechsel, um den Körper warm zu halten. Pferde verbrennen dabei ihre Fettreserven, um den erhöhten Kalorienbedarf zu decken, wodurch sich ihr Allgemeinzustand verschlechtert. Hochwertiges Heu- oder Weidefutter in ausreichender Menge ist die beste Kalorienquelle. Ein Pferd nimmt normalerweise täglich zwei bis zweieinhalb Prozent seines Körpergewichts als trockenes Heu oder Weidefutter auf. Abgedeckt gelagertes Heu trocknet bis zu einem Feuchtigkeitsgehalt von etwa 15 % aus. Damit benötigt ein Pferd von 450 kg Gewicht bis zu 13 kg Heu pro Tag. Im Idealfall sollte dem Pferd immer Heu oder Grünfutter zur Verfügung stehen, damit es ständig knabbern kann.
Wenn das Pferd zusätzliche Kalorien benötigt, ist Hafer eine hervorragende Quelle für zusätzliche Kalorien. Haferstärke ist leicht verdaulich; sie wird im Dünndarm rasch zu Zucker abgebaut und aufgenommen. Die Kohlenhydrate des Getreides sind längst absorbiert, bevor sie den Dünndarm vollständig passiert haben, sofern dem Pferd in einer Fütterung nicht mehr als 0,5 % seines Körpergewichts verabreicht werden. Dies entspricht einer Menge von nicht mehr als 2,25 kg Hafer pro Fütterung für ein 450 kg schweres Pferd. Ein schlechter Futterverwerter, der hart arbeitet, benötigt eine solche Menge bis zu viermal täglich. Mischfutter schlechter Qualität sollte unter diesen Umständen nicht gegeben werden, nicht nur wegen der Überversorgung mit Kalorien. Kohlehydrate, die den hinteren Dünndarm erreichen, können nämlich Koliken oder Hufrehe verursachen.

Eine weitere gute Kalorienquelle sind Rübenschnitzel. Diese werden von Mikroorganismen im Dünndarm zu nützlichen Vitaminen, Aminosäuren und flüchtigen Fettsäuren (VFA) verstoffwechselt. VFAs sind besonders effiziente Kalorienquellen. Rübenschnitzel erhöhen die Kaloriendichte der Nahrung ohne die Bildung von Glukose und sind daher ideal für insulinresistente Pferde, die empfindlich auf Stärke reagieren. Ein Zusatznutzen ist, dass die verdaulichen Fasern von Rübenschnitzeln durch den Fermentationsprozess im Dünndarm Wärme produzieren.

Eingeweichte Rübenschnitzel oder Pflanzenöl erhöhen die Wasseraufnahme des Pferdes und können so den Appetit steigern. Ein Zusatz von Pflanzenöl liefert ebenfalls Kalorien, die von Bakterien im Dünndarm in Form von flüchtigen Fettsäuren produziert werden.

Wasser unterstützt den Verdauungsprozess, daher ist ausreichende Wasseraufnahme unerlässlich. Da die meisten Pferde nicht gerne kaltes Wasser trinken, sollte Sie sie zum Trinken animieren, indem Sie ihnen warmes Wasser anbieten. Auch das Füttern mit Rübenschnitzeln fördert die Wasseraufnahme und damit den Appetit des Pferdes.

Die Menge von Mischfutter zu erhöhen, um einen schlechten Futterverwerter bei der Gewichtszunahme zu unterstützen, ist meist kontraproduktiv, weil da die zusätzlichen Mikronährstoffe in einem festen, unveränderlichen Verhältnis zu den Kalorien stehen. Die Gesamtmenge an Mischfutter zu erhöhen, ist tatsächlich eine Zwangsernährung mit Zusatznährstoffen, die durch eine Überversorgung und zu Nervosität, Stoffwechselproblemen und einem schlechteren Gesamtzustand führen kann. Der tägliche Nährstoffbedarf sollte getrennt vom Kalorienbedarf berücksichtigt werden, um über die tatsächliche täglich benötigte Nährstoffmenge das Gewicht zu regulieren. Dies geschieht durch Fütterung der benötigten Nährstoffe unabhängig von der von Zusatzstoffen freien Kalorienquelle.

Die beste Fütterungsstrategie ist es, Weidefutter oder qualitativ hochwertiges Heu nach Wahl zur Verfügung zu stellen, ergänzend dazu Nährstoffe in ausreichender Menge und der richtigen Relation. Bei Bedarf sollte Hafer zugefüttert werden, um den zur Erhaltung der Kondition benötigten Kalorienbedarf zu decken. Diese Methode bedeutet den Verzicht auf mit zusätzlichen Nährstoffen angereichertes Futter. Hafer ist eine ideale Kalorienquelle, um die über das Grünfutter aufgenommene Menge an Kalorien zu ergänzen. Die Fütterung mit Hafer veranlasst das Pferd, gründlich zu kauen und damit den Speichelfluss anzuregen. Die Pufferwirkung des Speichels fördert die Verdauung und hilft, Magengeschwüren und anderen Störungen des Verdauungstrakts vorzubeugen und eine gute Kondition zu erhalten.

Eine Supplementierung des Winterfutters mit Vitaminen, Mineralstoffen, Fett- und Aminosäuren ist sehr zu empfehlen. Nährstoffe in richtiger Menge und Relation machen die Fütterung effizienter. So hat beispielsweise Lysin eine Schlüsselfunktion unter den Aminosäuren im Weidefutter. Wenn es der Nahrung zugefügt wird, können die anderen Aminosäuren besser genutzt werden, wodurch die gesamte Ernährung effizienter wird. Die ausgewogene Zufuhr konzentrierter Nährstoffe hilft dem Pferd, Winterfutter besser zu verstoffwechseln.

Eine weitere Beeinträchtigung, die häufig während des Winters und im Frühjahr auftritt, ist hartnäckiger Husten. Die Belüftung des Stalls einzuschränken, um ein Entweichen von Wärme einzuschränken, führt zu einer Staunässe, Schimmel sowie einer Ansammlung von Ammoniak aus Kot und Urin. Ammoniak reizt die Schleimhäute des Atmungstraktes und führt zu Entzündungen der Luftwege und Atemnot. Futter mit qualitativ schlechten Eiweißen, wie Mischfutter mit Zusatzstoffen, verursacht ein Ansteigen des Ammoniumgehaltes im Urin. Alfalfa mit seinem hohen Stickstoffgehalt im Vergleich zu Heu aus Gras ist ebenfalls verantwortlich für eine Zunahme. Wenn Sie Ammoniakgeruch im Stall wahrnehmen, ist der zulässige Grenzwert von 10 ppm bereits überschritten! Um den Ammoniakgehalt der Luft zu verringern, sollten Sie die Lüftung verbessern, Heu und anstelle von Mischfutter mit Getreidenebenprodukten eine hochwertige Futterergänzung reichen.

Staubige Umgebung im Stall ist eine verbreitete Ursache für Husten. Um Staubentwicklung im Stall zu verringern, können Sie Stroh durch Holzspäne ersetzen. Nehmen Sie Pferde während des Ausmistens aus dem Stall und halten Sie Nager und Vögel fern, denn diese wirbeln immer den Staub auf. Eine weitere Staubquelle ist Futterheu, vor allem, wenn es von oberhalb des Bodens gefressen wird. Wenn das Pferd den Kopf hebt, um Heu zu rupfen, werden Krümel und Staub über die Nüstern eingeatmet und bringen Reizungen und Entzündungen der Atemwege sowie ein erhöhtes Infektionsrisiko der tieferen Gewebeschichten des Atemtrakts mit sich. Heu sollte daher immer vom Boden aus oder knapp darüber angeboten werden. Es kann auch mit Wasser oder Pflanzenöl besprüht werden, um den Staub zu binden.

Die relative Inaktivität vieler Pferde während der kurzen Tage und niedrigen Temperaturen der Wintermonate kann zu einem Verlust an Muskelmasse führen. Auch sträuben sich die meisten Pferde gegen das kalte Trinkwasser im Winter, wodurch sie weniger Wasser und dann auch weniger Futter zu sich nehmen. Das Wasser zu erwärmen ist ein Weg, die Aufnahme von Wasser und Futter zu unterstützen.

Der Winter ist tatsächlich die beste Jahreszeit, einem übergewichtigen Pferd beim Abnehmen zu helfen, weil der Kaloriengehalt des Grünfutters gering ist und außerdem Kalorien zum Warmhalten verbraucht werden. Wenn Ihr Pferd durch Bewegungsmangel oder Überfütterung zu stark zugenommen hat, dann verringern Sie die Kalorienzufuhr, verschaffen Sie ihm mehr Bewegung und füttern Sie Kalorien getrennt von Nährstoffen. Nutzen Sie eine stärkearme Futterergänzung mit Vitaminen, Mineralstoffen, Fett- und Aminosäuren. Füttern Sie Heu mit geringerem Blatt- und höherem Stängelanteil. Nutzen Sie engmaschige Futterraufen, damit das Pferd zum ständigen Knabbern angeregt wird. Füttern Sie guten Futterverwertern kein Getreide- oder Mischfutter.

Die Wintermonate entscheiden über Erfolg oder Misserfolg der Trainingsaktivitäten im Frühjahr. Das über den Winter länger gewachsene Fell kann Gewichtszu- oder abnahme kaschieren. Eine Gegenmaßnahme ist die regelmäßige Evaluierung des körperlichen Zustands alle ein bis zwei Wochen.

Scott Gravlee, DVM, CNS
Spezialist für Pferdeernährung

Life Data Labs, Inc.
Hersteller von Farrier’s Formula® und Barn Bag®
www.lifedatalabs.de




01.09.2017
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 02/2016