Genetik beim Pferd: Pferde einer Familie sind sich ähnlich

Nachzucht: Warum ähneln sich verwandte Pferde?

Den Kopf der Mutter und so frech wie der Bruder: Warum sind verwandte Pferde sich oft so ähnlich? CAVALLO verrät das Geheimnis der Pferdegene.

Lesen Sie in diesem Artikel:


 

CAVALLO Lipizzaner
Foto: Spanische Hofreitschule – Bundesgestüt Piber Fohlen innerhalb einer Familie sind sich oft ähnlich.

Fohlen kopieren das Verhalten der Mutter: Die Gene prägen jedoch nicht nur Aussehen und Leistungsfähigkeit, sondern auch den Charakter. Sie machen Pferde ängstlich, stur, lernwillig, dominant, mutig oder nervös. „Früher stritt man das oft ab,“ sagt Monika Reißmann. „Heute sind sich Forscher einig, dass auch Verhalten erblich bedingt ist. Unsicher ist aber noch, zu welchem Anteil.“ Denn Fohlen bleiben lange Zeit bei der Mutter und schauen sich deren Verhalten ab. Zusätzlich formt der Mensch durch Erziehung und Training das Pferd. Deshalb ist es schwer zu unterscheiden, was abgeschaut und was angeboren ist.

Bei Menschen beschä€ igt sich die Zwillingsforschung mit diesem Thema. Die gibt es bei Pferden nicht, da Zwillingsgeburten sehr selten sind. Mittlerweile hat der Mensch aber Wege gefunden, Zwillinge künstlich zu erschaffen. Die Möglichkeiten dafür liefert die Gentechnik. Dr. Cesare Galli erschuf in Italien mit der Haflinger-Stute Prometea das erste Klonpferd. Danach erstellten Wissenschafftler im Reagenzglas Kopien von Spitzenpferden wie dem Springpferd ET. Klonpferde sind mit Preisen um die 300.000 Euro aber sehr teuer. Fachleute erkannten außerdem schnell, dass sich Pferde auf diesem Weg nicht verbessern lassen und die Zucht sich nicht weiter entwickeln kann. Deshalb setzen Züchter auf andere Verfahren, um Pferde auf bestimmte Eigenschaften zu selektieren.

Bei Hengsten können sie sich an der Zuchtwertschätzung orientieren. Der Zuchtwert informiert über die Vererberqualitäten eines Hengstes. Er wird per Computer errechnet und setzt sich aus den Dressur- und Springleistungen des Hengstes und seiner Nachkommen zusammen. Die Ergebnisse veröffentlicht die Deutsche Reiterliche Vereinigung(FN) in ihrem Jahrbuch Sport und Zucht. Zum anderen erhöhen Pferdezüchter die Chance auf erwünschte Merkmale über Stutenstämme und Stempelhengste. Die Tiere werden über Generationen hinweg auf bestimmte Eigenschaften gezogen, bis sie diese sicher weiter vererben. Sie drücken ihren Nachkommen dann im wahrsten Sinne des Wortes einen Stempel auf. Die Papiere sagen also bis zu einem gewissen Grad voraus, wie ein Fohlen wird.

Das belegt auch ein früheres Experiment von CAVALLO. Je ein Zuchtexperte der Rassen Haflinger, Holsteiner und Vollblut-Araber sollte Aussehen, Charakter und Begabung eines ausgewählten Pferds bestimmen. Als Grundlage diente lediglich der Stammbaum. Dieser reichte den Experten tatsächlich aus, um ein zutreffendes, präzises Bild des jeweiligen Tiers zu zeichnen.

Info:
Zwillinge sind bei Pferden äußerst selten. Sie kommen bei nur etwa ein bis zwei Prozent aller Pferdegeburten vor. Für Stute und Fohlen sind sie mit einem hohen Risiko verbunden. Die Fohlen sind häufig schwach und anfällig für Infektionskrankheiten. Das Risiko einer Fehlgeburt ist auch noch im fortgeschrittenen Stadium der Trächtigkeit hoch. Das kann für die Stute lebensgefährlich werden. Oft ist auch die Geburt kompliziert. Einige Trächtigkeiten beginnen zwar mit zwei befruchteten Eiern, meist stößt die Stute aber ein Ei schon nach ein paar Tagen oder Wochen ab. Passiert das nicht auf natürlichem Weg, lassen Züchter wegen der Risiken meist einen oder beide Zwillinge abtreiben.

Fotostrecke: Nachtschicht: Bilder aus der Pferdeklinik

9 Bilder
Pferdekliniken Notdienste Medizin Koliken Foto: Kraufmann
Pferdekliniken Notdienste Medizin Koliken Foto: Kraufmann
Pferdekliniken Notdienste Medizin Koliken Foto: Kraufmann

Inhaltsverzeichnis

08.05.2012
Autor: Redaktion CAVALLO / Alena Brandt
© CAVALLO
Ausgabe 08/2011