Genetik beim Pferd: Pferde einer Familie sind sich ähnlich

Pferdezucht: Auch Pferde haben Geschwister

CAVALLO Weide
Foto: Rädlein
Den Kopf der Mutter und so frech wie der Bruder: Warum sind verwandte Pferde sich oft so ähnlich? CAVALLO verrät das Geheimnis der Pferdegene.

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CAVALLO Top Horse of the Year 2012
Foto: Schmid Wie ähnlich sind sich verwandte Pferde?

Wer ist das – Anka oder Tanja? So lautet die Standardfrage der Reitschüler vor dem Laufstall der Rappschwestern. Ahnungsloses Schulterzucken ist zumeist die Antwort. Die beiden Stuten sehen nicht nur gleich aus, sondern besitzen auch noch dasselbe kribbelige Temperament. Doch warum sind sich Pferde-Geschwister oft so ähnlich? Bestimmen die Gene nicht nur das Aussehen, sondern auch den Charakter? Wie beeinflussen Haltung, Erziehung und Ausbildung die Entwicklung?

Um dem Rätsel der Pferdefamilien auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in die Genetik. Forscher fanden heraus, dass die weibliche Eizelle etwas mehr Erbmaterial enthält als die männliche Samenzelle. Genaue Prozentwerte gibt es darüber noch nicht. Sicher ist aber, dass Stuten bei der Vererbung ihre Nasen leicht vorn haben. Geschwister bekommen von ihren Eltern im Durchschnitt zur Hälfte die gleichen Erbanlagen. „Statistisch gesehen stimmen Vollgeschwister in ihren Erbanlagen zu ‘’ Prozent überein“, sagt Dr. Monika Reißmann, Tierzuchtexpertin von der Universität Berlin. Es gibt aber auch Extremfälle, in denen Geschwister die gleichen Anlagen erben und wie eineiige Zwillinge sind. Oder aber die Geschwister haben genau den anderen Teil des Erbguts bekommen und ähneln sich nur wenig. „Die Karten werden jedes Mal neu gemischt,“ sagt Reißmann.

Der Grund: Bei einer Anpaarung werden jeweils von Vater und Mutter Gene auf Chromosomen des Fohlens verteilt. Wie, darüber entscheidet allein der Zufall. Das fand Johann Gregor Mendel, Vater der Vererbungslehre, schon um 1860 heraus.

Verwandte Pferde haben oft ähnliche Köpfe:
Doch was bestimmen die Erbanlagen, und worauf haben Mensch und Umwelt Ein†fluss? Die Genetik prägt das Aussehen eines Pferds, zum Beispiel seine Größe, Fellfarbe und eine volle Mähne. Aber nicht alle Merkmale werden gleich stark vererbt. Das erforschte Dr. Ludwig Christmann vom Hannoveraner Zuchtverband in einer Studie mit 5347 Stuten. Am häufigsten geben Pferdeeltern ihren Fohlen die Form des Kopfs mit. Äußere Einflüsse können an ihr wenig ändern. Kein Wunder, dass sich die Mitglieder so mancher Pferdefamilien wie aus dem Gesicht geschnitten sind. Die Entwicklung der Gliedmaßen hingegen kann der Mensch beeinflussen. Für belastbare, gesunde Beine sind regelmäßige Hufpflege vom Fohlenalter an, artgerechte Haltung, ausreichend Bewegung und ausgewogene Fütterung entscheidend.

Züchter sind außerdem gespannt auf die Gangarten des Pferds. Hat das Fohlen den Traum-Galopp des Vaters und den schwungvollen Trab der Mutter? Trab wird bei Pferden am stärksten vererbt, danach folgt Galopp. Schritt liegt am wenigsten in den Genen. Spring- und Dressurtalent vererben Eltern etwa zu 50 Prozent. Dabei schließt ein Talent das andere keineswegs aus. Bestes Beispiel ist der Hengst Salieri, der zweifaches Vermögen weitergab: Die Vollgeschwister Seven Up und Salinero starteten beide bei den olympischen Spielen. Seven Up im Springen, Salinero in der Dressur.

Fotostrecke: Nachtschicht: Bilder aus der Pferdeklinik

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Pferdekliniken Notdienste Medizin Koliken Foto: Kraufmann
Pferdekliniken Notdienste Medizin Koliken Foto: Kraufmann
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27.06.2014
Autor: Redaktion CAVALLO / Alena Brandt
© CAVALLO
Ausgabe 08/2011