Hufbearbeitung: F-Balance Hufpflege

F-Balance für Pferde in der Praxis

Gutes für Pferdehufe? F-Balance heißt ein neues Konzept zur Hufbearbeitung. Messbar soll es sein und individuell aufs Pferd zugeschnitten. Was nützt es dem Reiter - was ist dran an dieser Art des Hufbeschlags? CAVALLO macht den Test.

Fotostrecke: Fotostrecke: Hufbearbeitung - F-Balance Daniel Anz

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Hufbearbeitung Beschlag Hufeisen F-Balance Foto: Lisa Rädlein
Hufbearbeitung Beschlag Hufeisen F-Balance Foto: Lisa Rädlein
Hufbearbeitung Beschlag Hufeisen F-Balance Foto: Lisa Rädlein

 

Hufbearbeitung Beschlag Hufeisen F-Balance
Foto: Lisa Rädlein Die Tragränder des bearbeiteten Hufs
sind verschieden lang (A). Steht der
Huf auf dem Boden (B), ist kein
Unterschied zu sehen.

„Bei vielen Methoden gehen wir meist von unseren eigenen Vorstellungen aus, wie ein Huf auszusehen hat“, sagt Daniel Anz. „Wir orientieren uns an einem Idealhuf und ästhetischen oder symmetrischen Vorstellungen.“ Reale Pferde haben aber so wenig identisch aussehende Modellhufe wie Menschen orthopädisch korrekte Füße.

Statt den Pferdehuf dem Ideal anzupassen, wählt Anz einen anderen Weg. „Ich korrigiere das Pferd nicht, sondern stabilisiere es und respektiere seine gewachsene Fehlstellung“, behauptet der 41-Jährige. „Der Huf zeigt mir genau, wo ich ansetzen muss.“ Das klingt esoterisch, ist aber überaus handfest.

Anz zufolge zeigen sich biomechanisch hervorgerufene Veränderungen nicht nur außen am Huf, etwa als Ring, Delle oder Riss, sondern auch an den Trachten. Hier deutet eine kleine Kerbe oder ein veränderter Winkel in der Wachstumsrichtung der Trachtenwand auf biomechanischen Stress hin. Anz bezeichnet solche anatomischen Veränderungen an der Grenze von Sohle und überstehender Wand daher als Stresspunkt.

Dieser ist der ausschlaggebende Orientierungspunkt für die F-Balance-Methode: Anz misst von dort zum Haaransatz des darüber liegenden Ballens. „Dieses Maß ist für beide Hufballen sowie den anderen Huf desselben Beinpaars identisch“, sagt Anz. Der Stresspunkt markiert auch, wie weit Trachte und Tragrand auf Sohlenniveau zurückgeschnitten werden sollen. Wächst die Wand über dieses Niveau hinaus, lastet zu viel Gewicht darauf, und die Sohle gibt der Wand weniger Halt.

„Ich kürze den Tragrand so von Stresspunkt zu Stresspunkt“, sagt Anz. In der Draufsicht wirkt das mitunter, als sei der Huf spiralförmig gekürzt.

Das liegt an der unterschiedlichen Winkelung des Hufs, etwa wenn eine Seite steil und die andere flach ist. Wird der Tragrand auf beiden Seiten um dieselbe Länge gekürzt, ist die steile Seite in der Draufsicht länger als die flache. Die Lücke auf der flachen Seite bezeichnet man als Schwebe.

„Wie groß sie ausfällt, hängt davon ab, wie stark die Fehlstellung des Pferds war“, erklärt Anz. Nun kommt die Flexibilität des Hufs ins Spiel. „Er ist in sich so beweglich, dass der gesamte Tragrand bei Belastung gleichmäßig auffußt und Last aufnimmt“, sagt Anz. Die Folge: Der Schwerpunkt verlagert sich zur Mitte des Hufs, bei gleichzeitiger Rücksichtnahme auf die Fehlstellung des Pferds. „Das funktioniert bei Barhufern genauso wie bei beschlagenen Pferden“, sagt Anz.

Wie die klassischen Hufbeschlagsschmiede auch zieht Anz den äußeren Teil der Sohle zum Tragen mit heran. Dazu passt er den Winkel der Hufwand an die Winkelung des Hufs kurz unterhalb der Krone an. „Das ist der Winkel, den der Huf selbst vorgibt“, sagt Daniel Anz. Wichtig: „Die Wand des Tragrands muss funktional bleiben, darf also nicht zu dünn werden.“

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Hufschuhe Foto: Hersteller
Hufschuhe Foto: Hersteller
Hufschuhe Foto: Hersteller

08.08.2012
Autor: John Patrick Mikisch
© CAVALLO
Ausgabe 05/2012