Pferdesteuer: Was können Reiter und Pferdebetriebe dagegen tun?

Interview Thomas Ungruhe: "Thema Pferdesteuer vom Tisch bekommen"

Pferdesteuer - Nein danke! Steuergelder bis zu 750 Euro pro Pferd pro Jahr könnten anstehen. Was können Pferdehalter und Reiter tun, um diese Entwicklung aufzuhalten?

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Foto: Reimer Pferdesteuer: Steht der bürokratische Aufwand im Verhältnis zum Nutzen?

Thomas Ungruhe ist der Leiter der Abteilung Breitensport, Vereine und Betriebe bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Im Interview erklärt er, wie Pferdehalter, Reiter und Betreiber von Reitanlagen gegen die angedachte Pferdesteuer vorgehen können.

Herr Ungruhe, Sie sprechen in diesen Tagen und Wochen mit Bürgermeistern und Politikern in den Städten und Gemeinden. Was sind Ihre wichtigsten Erfahrungen?

Thomas Ungruhe: Entscheidend ist die Lobbyarbeit. Wir schaffen Netzwerke aus Reitervereinen und Mitgliedsbetrieben an der Basis und stimmen in enger Absprache mit dem Landesverband das Vorgehen ab. Wir als FN haben keinen direkten Einfluss, da die Pferdesteuer eine rein kommunale Abgabe wäre. Aber wir können im strategischen Bereich unterstützen. Diese Hilfestellung wird auch sehr gerne angenommen. So haben wir mit Robert Kuypers, dem Geschäftsführer des Pferdesportverbandes Hessen, erfolgreiche Überzeugungsarbeit geleistet.

Bislang heute hat noch keine einzige Gemeinde in Deutschland die Steuer eingeführt, nicht zuletzt wegen der überzeugenden Argumentation der Gegner. Wie ernst muss man die Pferdesteuer denn überhaupt nehmen?

Sehr, sehr ernst, wir dürfen uns auf keinen Fall auf unseren bisherigen Erfolgen ausruhen. Ich habe Verständnis für die Städte und Gemeinden, deren Haushaltslage vielfach als katastrophal bezeichnet werden muss. Aber die Pferdesteuer ist ein völlig ungeeignetes Mittel, um weitere Einnahmen zu erzielen.

Welche Argumente überzeugen die Städte und Gemeinden am meisten?

Es ist ein ganzes Bündel von Argumenten. Erstens, Pferdesport in den Reitvereinen und Pferdebetrieben ist kein Luxus der Reichen, sondern aktive Jugendarbeit, denn über die Hälfte aller Reiter ist unter 21 Jahre alt. Zweitens, mit der Pferdesteuer würde erstmals in Deutschland eine Sportart besteuert. Das allein ist schon ein Unding, denn jedermann weiß, wie wichtig die körperliche und soziale Förderung gerade junger Menschen ist. Drittens, viele Pferde in unseren Reitvereinen werden auch für therapeutische Zwecke eingesetzt. Niemand darf die so wertvolle heilpädagogische Kinder- und Jugendarbeit mit dem Partner Pferd gefährden. Viertens, wir dürfen auch nicht den Wirtschaftsfaktor Pferd außer Acht lassen. Viele Landwirte leben ganz oder teilweise von der Pensionspferdehaltung, viele Hektar Grünland werden als Pferdeweiden genutzt, die Produktion von Heu und Stroh ist ein wichtiger Einkommenszweig. Es ließen sich viele Argumente aufzählen.

Viele Kommunen erwägen die Pferdesteuer mit der Begründung, dass Pferde erhebliche Schäden in Wald und Flut anrichten.

Dieses Argument wird in der Tat gerne angeführt, es ist aber falsch. Fakt ist, dass in manchen Waldgebieten schwere Maschinen weit mehr Schäden anrichten, als Pferdehufe dies jemals tun könnten. Darüber hinaus regeln sowohl die Landesnaturschutzgesetze als auch die Landeswaldgesetze das Recht auf Betreten und Nutzen der Natur. Sport - und damit auch der Pferdesport – sind hier fest verankert. Da nach dem Gleichheitsprinzip keine Diskriminierung einzelner erfolgen darf, müsste theoretisch eine solche „Steuer“ alle Naturnutzer wie Fahrradfahrer oder Mountainbiker erfassen. Das will natürlich niemand.

Haben die Kommunen überhaupt eine Vorstellung, ob eventuelle Erlöse durch die Pferdesteuer den bürokratischem Aufwand rechtfertigen würden?

Ich bin sicher, dass der bürokratische Aufwand immens ist, wesentlich höher als der Nutzen, den die Pferdesteuer brächte. Noch wissen die Gemeinden nicht, wie sie das Thema überhaupt anpacken sollen. Es gibt keine Aussagen, welche Pferde besteuert werden sollen und für welche eine Ausnahme gemacht würde. Was wäre mit Therapiepferden, Gnadenbrotpferden oder Jungpferden, die noch gar nicht geritten werden? Hier ist vieles noch sehr unausgegoren. Aber wir arbeiten ja daran, dass wir das Thema Pferdesteuer schon vorher vom Tisch bekommen.

Video: Lied gegen die Pferdesteuer




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Pferde reiten Reitsport CAVALLO Foto: CAVALLO
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Reitschule Reitschultest reiten lernen Kraichgau Reitschule Dammhof Foto: Miriam Kreutzer
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CAVALLO Reitschultest Schwarzwald Foto: Miriam Kreutzer
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05.01.2012
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 02/2012