Pferde scheren: Darauf müssen Reiter bei der Fellpflege achten

Welchen Nutzen hat das Winterfell?

Wenn das Fell der Pferde zum Winter hin dichter wird, schwitzen sie schneller. Aber auch beim Fellwechsel im Frühjahr denken manche Reiter über das Scheren nach, um ihre Pferde schneller vom Winterhaarkleid zu befreien. Ist das nötig? CAVALLO klärt auf.

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Pferden, die geschoren sind, fehlt die isolierende Luftschicht im Fell, die sie warm hält. Die Thermoregulation von Pferden funktioniert ähnlich wie bei einem Thermostat. Melden die Sensoren in der Haut Kälte, springt die Heizung an: Je stärker der Kältereiz, desto stärker wird die Muskulatur durchblutet. Pferde stecken etwa 75 Prozent ihrer Stoffwechselenergie in Wärme, nur 25 Prozent in Bewegung.

Die Haut ist für die Isolation zuständig und hat eine geringere Temperatur als das Körperinnere (32 Grad am Pferdemaul, 18 Grad am Rücken). Wird es richtig kalt, stellt das Pferd über feinste Muskeln die Haare auf und sorgt so für ein Luftpolster. Deswegen brauchen Pferde mit Winterfell auch keine Decke.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass Pferde 20 Mal weniger frieren als Menschen. Ihre Komforttemperatur liegt zwischen minus 15 und plus 25 Grad; am wohlsten fühlen sie sich vermutlich bei Plus-Werten zwischen 5 und 15 Grad. Die meisten Menschen empfinden dagegen Temperaturen von 20 bis 25 Grad am angenehmsten.

Kurzum: Scheren ist bei Pferden, die in gesunden kalten Ställen gehalten und nicht intensiv geritten werden, schlicht unnötig. Ist das Pferd nach dem Reiten feucht, ist das nicht schlimm. Um das Trocknen zu beschleunigen, können Sie eine Abschwitzdecke auflegen; nötig ist selbst dies aber nicht.


01.04.2014
Autor: Cathrin Flößer
© CAVALLO
Ausgabe 10/2012