Pferde züchten: Fohlen-Ratgeber - Führtraining - Tipps von Dr. Wyrwoll

Fohlen lernt führen am Strick

Dr. Annette Wyrwoll erklärt, wie Pferde als Fohlen von klein auf eine gute Beziehung zum Menschen bekommen und bewahren. Hier erfahren Sie, wie Pferdebesitzer das Fohlen ohne schädlichen Zug an den Führstrick gewöhnen.

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CAVALLO Fohlen-Erziehung Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Fohlen-Erziehung Foto: Lisa Rädlein
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CAVALLO Fohlen-Erziehung - Dr. Annette Wyrwoll
Foto: Lisa Rädlein Dr. Annette Wyrwoll. Sie lebt im bayerischen Duggendorf, ist FEI-Tierärztin und züchtet Trakehner.

Für viele Fohlen beginnt der Ernst des Lebens schon nach wenigen Wochen, wenn sie mit ihrer Mama zur Fohlenschau fahren. Bis dahin müssen sie mit dem Halfter vertraut sein und sich führen lassen. So gewöhnt Dr. Annette Wyrwoll ihre Fohlen schon nach wenigen Tagen an Halfter und Strick.

Das Knifflige dabei: Jegliches Ziehen am Strick ist tabu; das Fohlen muss lernen, dem losen Seil zu folgen. Anfangs ist es aus biologischen Gründen geschickter, mit dem Fohlen vor der Stute zu gehen. „In der Prägungsphase, also in den ersten zwei Wochen, laufen die Mütter dem Fohlen hinterher – nicht andersherum,“ erklärt Dr. Wyrwoll.

Erst danach ist das Fohlen auf die Mutterstute geprägt und folgt ihr hinterher. „Manche Fohlenbesitzer rufen mich an und denken, ihr Fohlen sei blind, weil es der Mutter nicht folgt. Dabei ist das ganz normal.“ Erst wenn die Prägungsphase abgeschlossen ist, klebt das Fohlen unzertrennlich an der Mutter und erkennt ihren Ruf.

Tabu: Ziehen und Anbinden

Zunächst führen Sie das Fohlen nicht am Strick, sondern rahmen es an Po und Hals ein und bugsieren es so neben sich her. „Auf keinen Fall das Fohlen hinterherziehen“, sagt Dr. Wyrwoll. „Das versteht es nicht.“ Kommt Druck aufs Genick, reagiert es mit Gegendruck. Weil Fohlen noch weiche Bänder und schwache Muskeln haben, können sie sich leicht verletzen.

Im schlimmsten Fall bleiben Schäden am Genick und ruinieren die spätere Karriere als Reitpferd – etwa durch Kopfschlagen oder nicht zu korrigierendes, hartnäckiges Verwerfen. „Sie dürfen deshalb Fohlen auch niemals anbinden“, warnt Dr. Wyrwoll. „Wenn es plötzlich dagegen kämpft, kann es sich irreparabel verletzen.“ Auf Schauen sind Fohlen öfters am Bauchgurt der Mutter angebunden werden.

Das ist praktisch, aber ungesund. „Die Fohlen können sich auch hier viel zu sehr reinhängen.“ Als erste Führ-Übung reicht der Gang vom Stall zur Koppel. Lässt sich das Fohlen über kurze Distanzen anstandslos führen, können Sie erste kleine Spaziergänge machen. Am besten bleiben Sie mit der rechten Hand immer in Kontakt mit dem Hals. Neigt das Fohlen zum Drängeln, geben Sie ihm einen vKlaps an die Brust oder stupsen es in die Rippen. „So erzieht auch die Mutter. Für das Fohlen ist das eine bekannte Sprache“, sagt Dr. Wyrwoll.

Trödelt es, kann ein Helfer es mit einem Klaps aufs Hinterteil** vorwärts schicken. Die Fohlen-Führ-Technik können Sie gut auf erwachsene Pferde übertragen, indem Sie es mit einer Gerte statt mit Strick und Armen dirigieren. So lernt das Pferd, was es tun soll, statt lediglich am Strick zu hängen.

12.06.2011
Autor: Cathrin Flößer
© CAVALLO
Ausgabe 06/2010