Pferdefleisch-Skandal: Importe von Argentinien nach Europa

Pferdediebstähle in Argentinien

In Argentinien stehlen Diebe tausende Pferde – und verkaufen sie an Schlachthöfe. Das Fleisch landet angeblich auch in Europa.

 

CAVALLO Pferdefleisch
Foto: TSB Zürich Dieses Pferd trägt das Brandzeichen F wie Faena. Das ist Spanisch für Schlachtung.

2011 wurden allein in der Provinz Buenos Aires 587 Pferdediebstähle registriert. Die Tiere verschwinden von Koppeln, aus gesicherten Ställen. Hobbyhalter sind ebenso betroffen wie Profi-Züchter und Ausbildungsbetriebe. Alejandro Vidal etwa betreibt in der Kleinstadt Open Door bei Buenos Aires eine Poloschule mit Gästehaus. „Als wir bei unseren Recherchen dort übernachteten, war ihm am Tag zuvor ein Pferd gestohlen worden“, erzählt York Ditfurth. Das sei das dritte Mal innerhalb von sechs Monaten gewesen. Insgesamt habe Vidal zehn Pferde verloren.

„In manchen Fällen nehmen die Täter mehr oder weniger spontan das nächstbeste Pferd mit und verkaufen es als Arbeitstier in die Slums oder an Schlachtbetriebe“, berichtet York Ditfurth. „Das ist schnelles Geld.“ Die Gefahr entdeckt oder bestraft zu werden, sei gering.

Das liege auch daran, dass die meisten der geschätzt rund 3,6 Millionen Pferde in Argentinien (Stand 2011) nicht einmal per Brandzeichen gekennzeichnet würden. „Wir haben bei gestohlenen Pferden nur zwei Brände gefunden“, sagt York Ditfurth. „Den eines Pferdehändlers und den Buchstaben F für Faena – Spanisch für Schlachtung.“

Lediglich die Provinz Buenos Aires führte 2012 eine Kennzeichnungspflicht mit Mikro-Chip und Equidenpass nach europäischem Vorbild ein, um die ausufernden Pferdediebstähle einzudämmen. Der Chip kostet etwa fünf Dollar. „In der Region wird trotzdem nicht gechipt und auch nur selten gebrannt“, sagt York Ditfurth.

Selbst wenn die Halter ihre Pferde besser kennzeichnen würden: „Es gibt Fälle, in denen lagen offenbar schon fertige Papiere fürdie geklauten Tiere vor“, sagt York Ditfurth. „Das sind teilweise gut vorbereitete Auftragsdiebstähle, die schwer rückverfolgbar sind.“ Mitunter würden die Tiere sogar auf abgelegenen Koppeln zwischengeparkt, bis sie im Schlachthaus landeten, in anderen Fällen sofort mit dem F gebrannt und per Transporter auf die letzte Reise geschickt – oft auf offenen Lkw unter tierquälerischen Bedingungen. „Die sind allerdings auch bei legalen Transporten nicht viel besser“, sagt Ditfurth. „Nach argentinischem Recht dürfen Pferde 36 Stunden lang ohne Futter und Wasser transportiert werden.“

Mehr Infos sowie ein Film über die TSB-Recherchen unter: Tierschutzbund Zürich und unter Video auf CAVALLO: Hehlerware - Pferdefleisch aus Argentinien


28.03.2014
Autor: John Patrick Mikisch
© CAVALLO