Das löscht den Durst - Pferde richtig tränken

Schluck-Technik - Wie trinken Pferde?

Leichter Schlucken: Was haben Pferde, Schafe, Schweine und Menschen gemeinsam? Alle saugen beim Trinken die Flüssigkeit an - sie sind sogenannte Saugtrinker.

 

CAVALLO Pferdetränken Selbsttränken
Foto: Lenz Pferde nehmen beim Trinken die Backen richtig voll: Sie haben eine pfiffige Saugtechnik, um den Durst zu löschen. Wie bekommt Ihr Pferd genug Wasser?

Die anatomische Erklärung für die Kategorie des Saugtrinkers: große und dehnbare Backen. Strömt beim Trinken Flüssigkeit in den Mund, dehnen sie sich aus. So kann Wasser gesammelt werden, bevor es geschluckt wird. Raubtiere wie Hunde und Katzen müssen einen anderen Trick anwenden, denn ihre Backen sind nicht so dehnbar. Dafür sind Hunde und Katzen wahre Zungenakrobaten. Sie formen mit ihrer langen, beweglichen Zunge eine Art Löffel, ziehen sie blitzschnell aus dem Wasser zurück und erzeugen so eine Säule, mit der sie die Flüssigkeit ins Maul ziehen.

Pferde hingegen schlabbern nicht. Sie saugen und trinken in mehreren Phasen: In der Vorphase machen sie häufig Kaubewegungen und spielen mit der Zunge. Einige Pferde lassen die Zunge vor und nach dem Trinken einfach aus dem Maul hängen. „Denkbar wäre, dass sie das im spielerischen Sinn machen oder wegen des Kühleffekts“, sagt Professor Gerhard Breves von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Verdunstet das Wasser auf der Zunge, kühlt das im Sommer angenehm.

Vor und während des Trinkens strecken Pferde ihre Zunge ins Wasser. So testen sie Temperatur und Geschmack. Zum Trinken senken Pferde den Kopf - möglichst waagerecht zum Hals, um leichter schlucken zu können. Deshalb sollten Tränkebecken nicht zu hoch angebracht sein. Sonst müssen Pferde den Kopf unnatürlich anwinkeln.

Pferde trinken mit gesenktem Kopf

In der Saugphase pressen Pferde ihre Lippen fest zusammen und lassen nur eine kleine Öffnung. Mit der Zunge und den Backen können sie das Wasser ansaugen und dann schlucken. Pferde saugen etwa fünf Mal, bevor die Schluckphase kommt. Um einen Liter Wasser zu trinken, müssen sie ungefähr sechs Mal schlucken. Zwischendurch unterbrechen Pferde den Trinkvorgang immer wieder für kurze Zeit. In diesen Absetzphasen beobachten sie ihre Umgebung. In freier Wildbahn lauern an Wasserstellen oft Feinde. Nur wer wachsam ist, entdeckt sie rechtzeitig und kann fliehen. Dieses Verhalten steckt noch in unseren Hauspferden.

Wie hoch Tränken hängen, ist von der Größe des Pferds abhängig. Allgemein gilt: Der Wasserspiegel sollte sich auf etwa 0,3 x Widerristhöhe befinden. Das wären bei einem Pferd mit 1,65 Meter Stockmaß rund 50 Zentimeter. Hängen Sie die Tränkebecken in einer Einzelbox möglichst weit weg vom Futtertrog auf, da manche Pferde ihr Futter gern einweichen und die Tränke mit Futter verschmutzen. Der ideale Platz für die Tränke ist die Ecke diagonal gegenüber vom Futtertrog.

Damit das Pferd mühelos ans Wasser kommt, sollte der Druck in der Wasserleitung vier bis fünf bar betragen und etwa 20 Liter Wasser pro Minute aus dem Ventil fließen. Manche Pferde erschrecken, wenn zuviel Wasser aus dem Becken sprudelt, die Wassermenge lässt sich aber per Schraube an der Tränke einstellen. Den Druck regulieren Sie über einen Druckminderer. Das ist ein Ventil, zentral an der Stammleitung. Es senkt den Druck in den Leitungen.

Diese sollten aus verzinkten Rohren bestehen und von oben in die Tränke gelangen. Leitungen aus Metall sollten nicht an Stellen verlegt werden, an denen sie Kontakt mit Pferdeäpfeln oder Urin haben. Sie gehen durch die aggressive Harnsäure schnell kaputt.

10.07.2013
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe August 2013/2013