Kraftfutter für Pferde: Was Reiter über Hafer & Müsli wissen müssen

Pferdefutter: Hafer, Gerste, Mais

Kraftfutter - aber welches? Pferde bekommen Getreide als Futter. Wenn es um die Wahl der Sorte geht, herrschen Vorurteile. Welches Getreide ist optimal für das eigene Pferd? Wovon hängt das ab? Und wie sollten die Körner am besten gefüttert werden?

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CAVALLO Kraftfutter Hafer Mais Gerste Müsli - Hafer Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Kraftfutter Hafer Mais Gerste Müsli - Gerste Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Kraftfutter Hafer Mais Gerste Müsli - Mais Foto: Lisa Rädlein

Hafer vertragen Pferde generell besser als anderen Getreidearten. Er ist der Trumpf im Trog.

Nährwerte: Entgegen aller Vorurteile enthält Hafer nicht besonders viel Energie und Eiweiß. Doch Pferde kauen die großen Körner gut und können die Stärkemoleküle im Dünndarm leicht spalten. Sie nutzen so etwa 80 Prozent der enthaltenen Stärkeenergie – so viel wie bei keinem anderen Getreide.

Die gute Verdaulichkeit kann Pferde heiß machen. Sie ziehen schnell viel Energie aus dem Futter. Dieses Problem lösen Reiter aber nicht mit anderen, schwerer verdaulichen Körnern, die die Verdauung belasten. Besser: weniger Kraft- und mehr Raufutter geben. Auch die Aminosäuren im Hafer passen besser zum Pferdebedarf als bei anderen Getreiden. Zusammen mit dem Raufutter liefert er meist genügend Proteine. Wie bei jedem Getreide fehlen jedoch wichtige Vitamine und Mineralien. Die müssen gegebenenfalls durch Mineralfutter ergänzt werden.

Ob Hafer gelbe, weiße oder schwarze Spelzen hat, ist egal, sein Nährwert ist immer gleich. Zu viel Hafer in der Krippe stört den Stoffwechsel und den Haushalt von Mineralstoffen, Säuren und Basen.

Füttern & lagern: Hafer ist durch seine Spelzen anfällig für Keime und Pilze. Verfärbungen und ein muffiger Geruch warnen vor Toxinen. Laboruntersuchungen oder der Wasser-Test klären die Qualität. Hafer muss immer gut gereinigt sein sowie kühl und trocken gelagert werden. Stimmen die Bedingungen, ist er mehrere Monate haltbar. Quetschen oder schroten muss man Hafer nur für Pferde, die schlecht kauen.

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Gerste: Schwere Kost für den Darm

Gerste ist das älteste kultivierte Getreide und vor allem im Orient ein wichtiges Kraftfutter.

Nährwerte: Gerste enthält deutlich mehr Energie als Hafer. 900 Gramm Gerste ersetzen ein Kilo Hafer. Ihre Stärke ist fürs Pferd aber schwer verdaulich. „Sie war schon in der Antike als Auslöser für Hufrehe bekannt“, sagt Hans-Peter Karp. „Das altgriechische Wort für Rehe bedeutet Gerstenkrankheit.“

Dass Pferde mit Gerste weniger heiß werden als mit Hafer, ist kein positiver Effekt. „Schwer verdauliches Getreide belastet den Darm“, erklärt Constanze Röhm. „Die Pferde sind ruhiger, weil die Verdauung viel Energie kostet.“ Viele Reiter glauben, dass Gerste bei dünnen Pferden besonders gut ansetzt. Das können Fachleute nicht bestätigen.

Füttern & lagern: Wegen der harten Körner und der schlechten Stärkeverdaulichkeit sollte Gerste nie ganz gefüttert werden. Oft wird sie geschrotet, optimal ist eine thermische Behandlung. Je stärker Gerstenkörner behandelt wurden, desto kürzer lassen sie sich lagern. Saubere Gerstenkörner sind dagegen länger haltbar als ganzer Hafer.

Mais: Fette, faserarme Flocken

Mais stammt aus Amerika. Er landet erst seit dem 2. Weltkrieg in deutschen Pferdemägen.

Nährwerte: Maiskörner bestehen zu gut 60 Prozent aus Stärke und sind daher eiweiß- und rohfaserarm. Weil der Maiskeim viel Fett enthält, gilt das Korn als Dickmacher für Pferde. Doch die Maisstärke ist für Pferde ähnlich schwer verdaulich wie die der Gerste. „Beide Getreide setze ich nur ein, wenn spezielle Mängel auszugleichen sind, etwa weil ein Pferd schnell Fett und Muskulatur aufbauen muss“, sagt Constanze Röhm. „Allerdings ist das immer eine Spezialfütterung für einen bestimmten Zeitraum. Wenn das Pferd wieder fit ist, sollten diese Getreide sofort wieder vom Futterplan verschwinden.“

Füttern & lagern: Damit Pferde die Stärke in Energie umwandeln können, müssen Maiskörner vor dem Füttern behandelt werden. Schroten oder Walzen reichen hier nicht aus, weshalb Mais nur in wärmebehandelten Flocken oder gepoppt verfüttert werden sollte. Maisflocken sind im Futtermittelhandel erhältlich, aber in der Regel nicht besonders lange lagerfähig.


07.08.2012
Autor: Melanie Tschöpe
© CAVALLO
Ausgabe 05/2012