Pferdehaltung im Offenstall

Der automatische Futtermeister

Gruppenhaltung und Computerfütterung – der Haldenhof in Bayern ist ein Traumstall. Aber auch mit weniger Aufwand lassen sich Ställe verbessern. (Artikel stammt aus 1998)

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CAVALLO Pferdehaltung - Offenstall
Foto: Salata Ein Chip in der Mähne steuert die Fütterung.

Weil die Computer-Anlage anstelle von drei üppigen Menüs pro Tag rund um die Uhr viele kleine Mahlzeiten serviert, kommt sie dem natürlichen Freßverhalten der Pferde mehr entgegen als die übliche Fütterung von Menschenhand. So schont der Computer den empfindlichen Verdauungsapparat der Pferde; gefährliche Magenüberladungen sind auf diese Weise so gut wie ausgeschlossen.

Ob Schwerarbeiter oder Müßiggänger – jedem Vierbeiner spendiert die Anlage automatisch seine individuelle Futterration. Wieviel Nahrung er ausspucken muß, erfährt der Computer, sobald ein hungriges Pferd im Freßstand einparkt. Ein in den Halsmuskel implantierter Chip meldet durch einen Erkennungscode, welches Pferd gerade sein Futter will.

Dazu prüft der automatische Futtermeister zuerst, ob der Kandidat überhaupt das Recht auf eine Mahlzeit hat. Damit die Pferde nicht alle zehn Minuten zum Füttern anstehen, beträgt die Mindestmenge einer Ration 150 Gramm. Ein Vierbeiner mit einer Tagesration von zweieinhalb Kilogramm muß also nach jeder Mahlzeit rund 90 Minuten warten, bevor er wieder fressen darf. Nur wenn diese Wartezeit verstrichen ist, schließt sich hinter dem hungrigen Tier ein Tor, das Schutz vor futterneidischen Herdenkollegen bietet.

Dann rieselt das Kraftfutter in den Trog – maulvoll portioniert und auf die Freßgeschwindigkeit des Pferds abgestimmt. Um den Magen nicht zu überladen, versiegt die Futterquelle aber nach spätestens 400 Gramm. Per Computer läßt sich nicht nur für jedes Pferd die optimale Futtermenge programmieren, sondern auch das Freßverhalten kontrollieren. „Am Bildschirm sehe ich, ob die Tiere ihre Rationen verlangt haben“, erklärt Volker Willenberg. „Wenn etwas übrigbleibt, steht es am nächsten Tag zusätzlich auf dem Speisezettel. Natürlich beobachten wir immer wieder das Freßverhalten der Pferde.“

Läßt ein Tier allerdings über längere Zeit Reste im Trog, so muß entweder die Ration neu berechnet werden oder der Tierarzt die Ursachen der Appetitlosigkeit herausfinden. Um ihren Pensionsgästen diese ausgeklügelte Technik zu bieten, haben Mechthild von Stetten und Volker Willenberg in jeden der beiden Freßstände 20 000 Mark investiert. Wesentlich preiswerter und traditioneller kommen die Pferde auf dem Haldenhof zu ihrem Rauhfutter. Vier gleichmäßig über den Auslauf verteilte Rundraufen versorgen sie mit Heu und Stroh.

Aber auch hier hegen die Stallbesitzer bereits High-Tech-Pläne. „Vielleicht kommt bei uns eines Tages auch das Rauhfutter aus Automaten“, wünscht sich die Pferde-Fachfrau. „Vor allem für Pferde, die mehr Heu brauchen als ihre Artgenossen, sowie für rangniedere und ältere Tiere, die sich leicht von der Raufe verdrängen lassen, wäre das eine prima Sache.“ Vorerst will sie aber schwer- und leichtfuttrige Tiere in zwei Gruppen aufteilen. Ein zweites Stallgebäude mit Auslauf befindet sich bereits in Bau.

Unterschiedlich große Heu-Portionen in den verschiedenen Raufen sollen dann verhindern, daß Fliegengewichte zuwenig Rauhfutter bekommen und Dickerchen sich überfressen.

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CAVALLO Pferdehaltung - Offenstall
Foto: Salata Die Stallbetreiber kennen Ihre Einstellerpferde.

Stallbetreiber, die "Ihre" Pferde kennen

Aber auch um die Psyche ihrer Schützlinge machen sich die beiden Stallbetreiber Gedanken. Um sich wohlzufühlen, muß ein Pferd Gelegenheit zu ausgiebiger Fellpflege haben – zum Beispiel, indem es sich wälzt. Im Auslauf steht deshalb ein fünf mal fünf Meter
großer Sandkasten. Diese Wälzgelegenheit avancierte schnell zu einem der Lieblingsplätze der Vierbeiner. Bald wird auch ein Bürstengalgen für die Fellpflege zur Verfügung stehen.

Ein solches Gerät läßt sich sehr einfach selbst herstellen: Besenborsten werden waagrecht und senkrecht an ein galgenförmiges Gerüst montiert – fertig. Die meisten Pferde stürzen sich begeistert auf diese Scheuer-Gelegenheit. Und wenn Mechthild von Stetten und Volker Willenberg ihre Pläne verwirklichen, werden sich ihre Vierbeiner eines Tages auch von einer automatischen Dusche berieseln lassen können.

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CAVALLO Stall Scout EquiArt Reitkunst Corinna Hengefeld Foto: Agnes Lorenz
CAVALLO Stall Scout EquiArt Reitkunst Foto: Agnes Lorenz
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CAVALLO Stall Scout Hof Bongartz Birgit Bongartz Foto: Agnes Lorenz
CAVALLO Stall Scout Hof Bongartz Foto: Agnes Lorenz
CAVALLO Stall Scout Hof Bongartz Foto: Agnes Lorenz

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03.05.2016
Autor: Redaktion CAVALLO
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