Pferdestall im Test - Hengsthof am Wümmegrund

Hengsthof am Wümmegrund

Maren Schulze hat ihren Aktivstall für Pferde für Hengste konzipiert. Sie bildet auf ihrer Anlage nach der klassisch-barocken Reitlehre aus.

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CAVALLO Stall-Scout Hengsthof am Wümmegrund Maren Schulze Foto: Agnes Lorenz
CAVALLO Stall-Scout Hengsthof am Wümmegrund Foto: Agnes Lorenz
CAVALLO Stall-Scout Hengsthof am Wümmegrund Foto: Agnes Lorenz

 

CAVALLO Stall-Scout Hengsthof am Wümmegrund Maren Schulze
Foto: Agnes Lorenz Maren Schulze hat ihren Stall für starke Männer konzipiert – und beherbergt zufriedene Hengste.

Auf einem Paddock beknabbern sich genüsslich zwei Apfelschimmel, während drei weitere Pferde platt auf der Seite in der Sonne dösen. Ein Falbe lässt sich in aller Ruhe sein Heu schmecken. Ein Rappe fordert seinen Kumpel zum Spielen auf. Was kaum jemand glauben mag: Viele dieser entspannten Offenstallpferde sind Hengste.

Der Ausbildungsstall von Maren Schulze, Trainerin A Barockreiten, ist für besonders artgerechte Hengsthaltung bekannt. Er liegt am Rande des Naturparks Lüneburger Heide in Horst bei Schneverdingen. Die Inhaberin selbst ritt schon als Kind und durchlief die klassische FN Reitausbildung. Früh begann sie nach einer Reitweise zu suchen, bei der weniger der Sport und mehr die Partnerschaft mit dem Pferd im Vordergrund steht. So landete sie schließlich bei der klassisch-barocken Reiterei. Ihr erstes eigenes Pferd war ein spanischer Hengst, und es begann die Suche nach einem Stall, in dem ihr Hengst artgerecht leben konnte.

Irgendwann gibt Maren Schulze damals auf, denn sie wird nicht fündig. Ihr Hengst wird kastriert, damit sein Leben eine bessere Wendung nehmen kann. Als sie 1994 die Möglichkeit bekommt, den Stalltrakt eines alten Bauernhofs zu übernehmen, greift sie zu und startet den Umbau nach ihren Vorstellungen.

Die Tour bei Maren Schulze beginnt im sogenannten Viererstall. Dieser bietet vier Hengsten separate Boxen mit Sandpaddocks für die Nacht. Alle Tiere können mit ihren Nachbarn schnuppern, nichts ist vergittert. Zur Stallgasse hat die Stallbetreiberin dicke Stangen eingebaut. Vor den offenen Türen gibt’s Heu oder Pferdesilage, ohne dass die Pferde ihr Futter in der Box zertrampeln.

Tagsüber kommen die Pferde auf große Paddocks. Wenn nichts dagegen spricht, in der Gruppe. Die Haltung von Hengsten unterscheidet sich für Maren Schulze nur geringfügig von der anderer Pferde: „Leider haben die Leute oft Angst, dass Hengste aggressiv sind“, erklärt sie. Tatsächlich würden Hengste eher wild, wenn sie isoliert werden. „Auch Hengste sind Pferde. Sie fühlen sich wohler im Sozialverband“, betont Maren Schulze. Wie gut Hengsten eine Haltungsform mit Sozialkontakt tut, untersucht aktuell auch das Schweizer Nationalgestüt Avenches.

Der Kontakt zu anderen Pferden sorgt bei Hengsten für ein ausgeglichenes Gemüt

In der Praxis geht das Haltungskonzept des Hengsthofs am Wümmegrund bereits auf. Die Gruppenhaltung sorge für ein ausgeglichenes Wesen, sagt Maren Schulze. „Wenn ich nicht gut schlafe und esse, dann kann ich auch nicht konzentriert arbeiten.“ Genau so gehe es den Pferden. Ein Hengst, der sein Sozialverhalten in der Gruppe schulen kann, ist im Umgang viel angenehmer und bei der Arbeit aufmerksamer. „Ich kann natürlich nicht jedes Pferd neben jedes stellen“, sagt Maren Schulze. „Das geht auch bei Stuten oder Wallachen nicht immer.“ Sie achtet auf die Körpersprache ihrer Tiere und kann ganz genau zwischen echter Aggression und einfachem Gehabe unterscheiden. Beim Umgang mit Hengsten hält sie Ketten und Steigergebisse für überflüssig. Wichtig sei, wie bei jedem Pferd, Konsequenz in der Erziehung und die richtige Haltungsform.

Vorbei an den Paddocks des Viererstalls geht es zum Offenstall der Anlage. Dieser ist sternförmig angelegt. Gefüttert wird im überdachten Teil im Zentrum des Sterns. Vier Gruppen gibt es hier. Alle Bewohner können miteinander Kontakt aufnehmen. Die größte Gruppe besteht derzeit aus fünf Jungs: Hannoveraner Wagi, Quarter Snip, Andalusier Bandolero, PRE Grandioso und Junghengst Faraon, der mit seinen vier Jahren das Durchschnittsalter stark senkt und alle anderen auf Trab hält. Faraon ist der einzige Hengst in der Gruppe. Er profitiert von der Erziehung durch die Älteren. Vor allem der 24-jährige Wagi achtet auf Benimm. Die fünf Jungs teilen sich 50 überdachte Quadratmeter. Da die Tiere unterschiedliche Futterbedürfnisse haben, lässt sich der Stall in der Mitte abtrennen: Pferde, die viel futtern dürfen, stehen auf der einen Seite, leichtfuttrige auf der anderen. An die Offenstallanlage grenzt ein großer Außenbereich, der einen halben Hektar misst. 5000 Quadratmeter, das ist reichlich Platz zum Toben oder Ruhen.

Im Sommer vergnügen sich die Pferde auf sechs Hektar Weideland. Auch dabei hat die Hofbetreiberin die Bedürfnisse jedes einzelnen Tiers im Fokus: „Das eine Pferd darf nur je eine Stunde morgens, mittags und abends auf die Wiese, ein anderes den ganzen Tag, das nächste nur vier Stunden. Das ist aufwändig, für die Pferde aber das Beste.“ Es gibt dreimal täglich Heu sowie zweimal am Tag Kraftfutter, das immer erst nach dem Raufutter gereicht wird, wie Fütterungsexperten empfehlen. Sollte ein Pferd mehr Kraftfutter benötigen als ein Kilo pro Mahlzeit, bekommt dieses Pferd eine dritte Ration, um den Magen zu schonen. Technische Errungenschaften wie Futterautomaten findet die Hofbesitzerin zwar toll, sie verlässt sich allerdings lieber auf Handarbeit: „Wenn ich selbst füttere, sehe ich alle Tiere und weiß, dass es ihnen gut geht.“

Fotostrecke: 10 Jahre Hofreitschule Bückeburg - Klassische Dressur-Ausbildung

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CAVALLO 10 Jahre Fürstliche Hofreitschule Bückeburg Foto: Gabrielle Boiselle
CAVALLO 10 Jahre Fürstliche Hofreitschule Bückeburg Foto: Niels Stappenbeck
CAVALLO 10 Jahre Fürstliche Hofreitschule Bückeburg Foto: Niels Stappenbeck

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19.06.2014
Autor: Cavallo
© CAVALLO
Ausgabe 6 / 2014 /2014