Pferdestall im Test - Hof Bongartz

Aktivstall Hof Bongartz

Familie Bongartz managt eine Reitanlage mit rund 120 Pferden. Für jeden Pferdehalter ist das passende Haltungskonzept dabei. Das A und O für die Betreiber: ausreichend Bewegung.

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CAVALLO Stall Scout Hof Bongartz Birgit Bongartz Foto: Agnes Lorenz
CAVALLO Stall Scout Hof Bongartz Foto: Agnes Lorenz
CAVALLO Stall Scout Hof Bongartz Foto: Agnes Lorenz

 

CAVALLO Stall Scout Hof Bongartz
Foto: Agnes Lorenz Im Stuten-Aktivstall haben die Heuraufen Zeitschaltuhren, bei den Wallachen wird die Menge individuell geregelt.

„Zu dieser Zeit kam das Aktivstallsystem auf“, erinnert sich Birgit Bongartz. Sie hätte das Konzept am liebsten sofort umgesetzt; Erfahrungen damit habe es damals aber kaum gegeben. Zudem sei die Nachfrage der Pferdehalter zu der Zeit nach Einzelboxen größer gewesen. Familie Bongartz erweiterte daher zunächst ihre Reitanlage um einen weiteren Boxenstall, der an die Reithalle angrenzt. Weil dessen Bewohner jedoch Heu zur freien Verfügung, also ad libitum, bekommen, hatte das schnell Folgen: Einige der vierbeinigen Bewohner wurden zu dick. Birgit Bongartz funktionierte deshalb den alten Kuhstall, der jahrelang leer stand, zu einem weiteren Offenstall mit großem Paddock um, in den eine „Diät-Gruppe“ einzog.

Und weil ihr die Idee eines Aktivstalls für Pferde immer noch im Kopf herum schwirrte, wurde auch dieses Konzept gleich umgesetzt. 2012 baute die Familie zwei Aktivställe, einen für eine reine Wallachgruppe mit heute 32 Pferden und einen weiteren für eine gemischte Gruppe, die weitgehend aus Stuten besteht. Die Wallache kommen mit Chips, die in ihrer Mähne eingeflochten sind, zu den Heuraufen oder an die Futterautomaten. Bei der zweiten Gruppe ist das etwas anders: Hier funktionieren die Heuraufen mit Zeitschaltuhr. Die Raufen klappen seitlich hoch, wenn die Futterausgabe beendet ist. Der Vorteil dieser Technik: Die Pferde können auch dann fressen, wenn sie den Chip verlieren sollten. Bei den Wallachen muss täglich überprüft werden, ob die Chips noch da sind.

Vierbeinige Neuankömmlinge müssen sich an dieses System erst gewöhnen. „Die meisten Pferde, die beim Züchter eine gute Aufzucht in der Herde genossen haben, verstehen das aber schnell“, beobachtet Birgit Bongartz. Meist sei es schwieriger, die Pferdebesitzer an das Konzept Aktivstall zu gewöhnen. Einige finden die Haltungsform prima, andere können sich damit gar nicht anfreunden. „Da brauchen Stallbetreiber viel Fingerspitzengefühl. Denn der Pferdebesitzer muss dahinter stehen, sonst klappt es nicht“, sagt Birgit Bongartz. Dass noch nicht alle von der Aktivstall-Haltung überzeugt sind, zeigt sich an Bongartz’ Stall: Die Paddockboxen sind immer völlig ausgebucht, im Aktivstall lässt sich eher ein Platz finden.

Wer übrigens meint, das Pferd bewege sich im Aktivstall automatisch genug, liegt laut Birgit Bongartz falsch. „Trotz Aktivstall und großem Bewegungsangebot sind auch bei uns etliche Pferde zu dick“, sagt sie offen. „Die Balance zwischen Futter und Bewegung zu finden, ist schwierig.“ Daher setzen die Stallbetreiber im Boxenstall auf Heunetze und wiegen das Heu ab, um einerseits den Magen ausreichend zu beschäftigen und andererseits zu verhindern, dass die Tiere zu kräftig werden.

Gerade bei den Aktivstall-Bewohnern sieht man geschlechtsspezifische Unterschiede: Die Wallache neigen eher dazu, sich zu bewegen und miteinander zu spielen. Die Stuten stehen hingegen häufiger rum und beschränken sich oft nur auf die nötigen Wege zur Tränke, zum Ruheplatz oder zum Heu. Dass sich die Tiere mehr bewegen als die Bewohner der Boxen, erkennt man am höheren Hufabrieb. „Ein Aktivstall ist schön und gut“, findet Birgit Bongartz, „aber die Pferde brauchen mehr Arbeit.“

Die nötige Infrastruktur dafür ist da: Parallel zu den Aktivställen entstand noch eine weitere 20 x 60 Meter große Reithalle, der ebenso große Außenplatz wurde saniert und mit einem Ebbe-Flut-System ausgestattet. Eine Longierhalle und eine Führanlage runden das Angebot ab. Und weil das Thema Bewegung Birgit Bongartz sehr am Herzen liegt, gehen viele Aktivstall-Pferde zusätzlich in die Führanlage, um sich die Beine zu vertreten. Auf die Führanlage will Birgit Bongartz nicht mehr verzichten: „Ich weiß heute gar nicht mehr, wie wir ohne ausgekommen sind.“ Damit sich auch die Boxenpferde ausreichend bewegen, kommen sie entweder in die Führanlage oder mit anderen Pferden zusammen auf einen Gruppenpaddock. Figurprobleme hat Stute Bellissima aus dem Aktivstall nicht. Sie kann daher nach dem CAVALLO-Rundgang ganz entspannt mit ihrer Herde dösen.

Eckdaten

Hof Bongartz
Birgit und Thomas Bongartz
Zum Wahlbach 28
53773 Hennef
www.landbrise.de

Monatspreis inkl. Rau- und Kraftfutter: 265 € Offen-, 380 € Aktiv-, 420 € Boxenstall

Freie Plätze: Auf Anfrage

Haltung: 40 Paddockboxen, Aktivstall mit 60 Pferden, Offenstall mit 20 Plätzen, Winterpaddocks für Boxenpferde, Sommerweiden

Anlage: 2 Reithallen (20 x 60), Außenreitplatz (20 x 60), Roundpen, Führanlage

Ein Video zum Thema finden Sie hier: www.cavallo.de/stallscout

Fotostrecke: Test: Reitschulen im Bergischen Land

15 Bilder
Reitschultest Bergisches Land Foto: Miriam Kreutzer
Reitschultest Bergisches Land Foto: Miriam Kreutzer
Reitschultest Bergisches Land Foto: Miriam Kreutzer

Inhaltsverzeichnis

19.12.2014
Autor: Cavallo
© CAVALLO