Pferdestall im Test - Horse Paradise

Aktivstall Horse Paradise

Im Aktivstall Horse Paradise von Andrea Rehberg und Ralf Krupski gibt es auf der Weide eine Art Barfußpark für Vierbeiner. Da kommt jedes Pferd richtig in Bewegung.

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CAVALLO Stall Scout Horse Paradise Andrea Rehberg und Ralf Krupski Foto: Alena Brandt
CAVALLO Stall Scout Horse Paradise Foto: Alena Brandt
CAVALLO Stall Scout Horse Paradise Foto: Alena Brandt

 

CAVALLO Stall Scout Horse Paradise Andrea Rehberg und Ralf Krupski
Foto: Alena Brandt Andrea Rehberg und Ralf Krupski reiten Western und leiten seit fünf Jahren ihren eigenen Aktivstall.

Bäume mit Bürsten zum Schubbern, Heu satt, Wälzkuhlen, Weide und ein Spielplatz: Wer den Weg in diesen Aktivstall für Pferde gefunden hat, will so schnell nicht mehr weg. Neun Pferde leben auf der Anlage „Horse Paradise“ in Aerzen bei Hameln.

Den 5-Sterne-Aktivstall der Laufstallarbeitsgemeinschaft (LAG) gibt es seit fünf Jahren. In dieser Zeit sind nur zwei Pferde ausgezogen. Unfreiwillig. Sie mussten ihren Besitzern folgen, die aus beruflichen Gründen gegangen sind. „Bei uns fühlen sich Pferde einfach wohl“, sagt Ralf Krupski. Er leitet den Betrieb mit seiner Partnerin Andrea Rehberg. Beide sind überzeugt vom Konzept Aktivstall.

„Das Wesen der Pferde ändert sich hier. Sie werden cooler und mutiger“, erzählt Andrea Rehberg. Kein Wunder. Den Pferden wird einiges geboten. Das Highlight: Ein Pferdespielplatz – eine Weide, auf der verschiedene Trail-Hindernisse stehen. Hier laufen Pferde treppauf- und treppab; über Brücken, Hügel und Buchenstämme und auf unterschiedlichen Untergründen: Steine, Kies, Schnitzel und Gras wechseln sich ab. „Das ist vergleichbar mit einem Barfußpark für Menschen, wo die Füße den Boden erfühlen“, erklärt Hofbetreiber Ralf Krupski. Er zeigt mit seiner zweijährigen Stute Buffy, welche Stationen es gibt. „Pferde, die den Trail noch nicht kennen, schauen zunächst oft irritiert“, sagt er. Das liegt allerdings manchmal auch daran, dass der Besitzer am Führstrick zu vorsichtig auf die Hindernisse zugeht.

Buffy marschiert dagegen forsch voran. Dann folgt sie Ralf Krupski über eine Holzbrücke. Die stammt aus dem Baumarkt. Der Stallchef hat lediglich den Boden mit zusätzlichen Holzbohlen verstärkt. „So ist es sicherer“, sagt er. Nach der Brücke stapft die Stute in ein Kiesbett. Danach geht es hinauf auf einen Erdhügel. Den hat der Hofbetreiber nach und nach aufgeschüttet und mit Gras eingesät. Über ein paar Eichenstämme, die wie Schrittstangen liegen, geht es schließlich zu einem kleinen Podest.

Manchmal kommen Rehe zu Besuch und wandern über den Pferde-Trail

Auf dem Weg entdeckt Ralf Krupski ein paar Köttel und lacht: „Das Damwild kommt auch zum Training.“ Ab und an öffnet er den Spielplatz auch als Weide, so dass die Pensionspferde ihre Trittsicherheit ganz nebenbei trainieren. Ansonsten können sie durch den Parcours geführt oder geritten werden.

Den außergewöhnlichen Trail des Aktivstalls dürfen jedoch nicht nur Einsteller, sondern auch Wanderreiter nutzen. Das „Horse Paradise“ ist offzielle Wanderreitstation der Europäischen Westernreiter Union (EWU) und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Im Sommer sind fast immer zwei bis drei Pferde zu Gast. Damit die Gastpferde und die Pensionspferde getrennt voneinander stehen, hat Ralf Krupski den Laufstall und die Weiden in verschiedene Abschnitte eingeteilt. Tore dienen als Schleuse. Sie sind die heimliche Leidenschaft des Stallchefs. „Manche sagen, ich würde spinnen mit den ganzen Toren. So aber kann ich die Pferde flexibel unterbringen.“

Der Stallchef denkt eben praktisch. Und für praktische Lösungen tüftelt er gerne selbst: Einen alter Rollator etwa hat er zum fahrbaren Sattelhalter umgebaut. Mittlerweile gibt es einen ganzen Katalog mit Hors-Paradise-Produkten – von Zaunelementen bis zur Box. Das Markenzeichen des Betriebs sind Gerüstboxen mit einer LKW-Plane als Dach. Es gibt sie in verschiedenen Varianten, als Gast-, Kranken oder Weidebox. Der Vorteil: Die Gerüstboxen sind mobil. Ist der Boden der Stellfläche abgetreten, versetzt Krupski den Unterstand mit dem Trecker und sät die abgenutzte Fläche neu ein.

Bei der Weidepflege ist der pfiffige Hofbetreiber penibel. Abäppeln, Abziehen und neu Einsäen gehören zum Standard. Alle Weiden sehen tiptop aus. „Früher lagen diese Flächen brach“, erzählt Ralf Krupski. Die Rekultivation des Landes bezeichnet er als seine bisher größte Herausforderung. Immerhin gehören zehn Hektar Weide zum Hof. Stück für Stück hat der Betriebsleiter jeden Meter neu eingesät. Auf der längsten Weide können die Pferde einen ganzen Kilometer lang galoppieren. „Glauben Sie nicht?“, fragt Ralf Krupski. „Dann steigen Sie mal ein“. Schwupps hat er die CAVALLO-Autorin ins Auto verfrachtet und fährt die Strecke ab.

Tatsächlich: Die Weiden erscheinen unendlich. Das Weidegerät befindet sich etwas außerhalb vom Hof ist in einen Kasten eingeschlossen. Darüber ist eine Solarplatte angebracht, so dass sich die Batterie von selbst auflädt. Durch die Zäune rund um den Aktivstall läuft Hausstrom. Bei den Durchgängen hat Ralf Krupski Gartenschlauch-Stücke um das Band angebracht. „Sie schützen vor Stromschlägen. Damit unsere Einsteller nicht in die Luft gehen.“ Hinter dem Zaun des Laufbereichs liegen große Steine. Warum? „Ich bin faul“, gibt Kruspki zu. Wo Steine liegen, können Pferd nicht nach Grashalmen jenseits des Zauns angeln. „Man muss den Zaun auch nicht frei schneiden und der Boden ist befestigt.“ Die Steine bekommt Ralf Krupski umsonst. „Die Dinger liegen hier überall auf dem Acker. Ich melde mich immer rechtzeitig als Abnehmer.“

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Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer
Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer
Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer

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19.07.2014
Autor: Cavallo
© CAVALLO
Ausgabe 7 / 2014 /2014