Pferdestall im Test - Westernreitzentrum Greene

Westernreitzentrum Greene

Der Aktivstall von Dr. Vivian Gabor steht auf einem starken Wissens-Fundament und lädt Pferde und Reiter zum Lernen ein.

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CAVALLO Stall Scout Westernreitzentrum Greene Dr. Vivian Gabor Foto: Alena Brandt
CAVALLO Stall Scout Westernreitzentrum Greene Foto: Alena Brandt
CAVALLO Stall Scout Westernreitzentrum Greene Foto: Alena Brandt

 

CAVALLO Stall Scout Westernreitzentrum Greene Dr. Vivian Gabor
Foto: Alena Brandt Dr. Vivian Gabor (32) ist Pferdewissenschaftlerin und setzt ihr Wissen auf dem eigenen Hof in die Praxis um.

Pferde können zählen. Das bewies Dr. Vivian Gabor in ihrer Doktorarbeit, über die CAVALLO in Ausgabe 10/2013 berichtete. Während sie über die Intelligenz von Pferden schrieb, baute sie einen alten Hof zur modernen Reitanlage um. Was für die Pferdewissenschaftlerin bei der Haltung zählt und wie sie ihr Wissen aus Forschung und Studium praktisch umsetzt, zeigt sie bei einer Runde durch ihren Aktivstall in Greene/Niedersachsen.

Staubige Wissenschaft? Von wegen. Was für andere Forscher die Bibliothek, ist für Dr. Vivian Gabor ihr Bewegungsstall mit 13 Pferden. „Hier lässt sich wunderbar das Verhalten der Pferde beobachten“, sagt die Biologin und Westerntrainerin. Dabei gibt’s so manche Überraschung. „Ein echtes Highlight für die Pferde ist anscheinend unser Wall.“

Die Erdanhäufung ist etwa eineinhalb Meter hoch und 50 Meter lang. Ursprünglich sollten die Erdreste der Bauarbeiten als natürliche Grenze für den Bewegungsstall dienen. Dann entschied sich die Stall-Chefin jedoch, einen Gang für die Pferde darum zu bauen und die Stallfläche zu vergrößern. Der Gang führt nun einmal um den Wall herum. „Wenn die Pferde ihre fünf Minuten haben, drehen sie dort wilde Kreise.“ Was sie nicht gedacht hat: Die Pferde ruhen sich am Wall auch am liebsten aus und dösen dort. Das fand eine Studentin heraus, als sie für ihre Bachelorarbeit bei Dr. Vivian Gabor die Raumnutzung von Pferden erforschte. „Sie fühlen sich am Wall anscheinend sicher und ziehen sich gerne dorthin zurück, wenn sie Ruhe von der Herde brauchen“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Einsteller werden zu Pferdeforschern und beobachten stundenlang das Herdenverhalten

Ihr Entdeckungsgeist ist ansteckend. Der Wille zu lernen ebenso. Pferdebesitzern vermittelt Dr. Vivian Gabor „Horseability“ – die Fähigkeit des richtigen Umgangs mit dem Pferd. „Wer weiß, wie sein Pferd tickt, kommt weniger schnell in Gefahrensituationen.“ Ihr Ziel: Wissenschaft mit Praxis verknüpfen. Damit steckt sie nicht nur ihre Studenten an, auch die Einsteller werden plötzlich zu Pferdeforschern. „Manchmal sitzen die Besitzer im Sommer stundenlang am Stall und beobachten, mit welchem Pferd sich ihr eigenes am besten versteht, wie die Tiere die Rangordnung klären und wo sie sich gerne aufhalten.“

Das führt zu so manchem Aha-Erlebnis. Und sei es nur die simple Einsicht, dass der eigene Liebling nicht immer der Liebste ist und auch mal Streit anfängt. Solche Einsichten wiederum beugen Zoff mit anderen Einstellern vor. Aus kleinen Biss-Spuren von Rangeleien werden so keine großen Geschichten. „Die Leute sehen, wie Pferde Konflikte klären. Das hilft ihnen außerdem, bei der Bodenarbeit souveräner als Leitfigur aufzutreten“, erklärt die Pferdetrainerin. Viel Streit gibt es in der Pferde-WG allerdings nicht. Die Tiere knabbern rund um die Uhr Heu- und Heulage. Futterneid kommt so gar nicht erst auf.

Auch beim Rundgang mit CAVALLO geht es friedlich zu. Ein paar Pferde dösen im überdachten Liegebereich mit Stroh, die anderen mampfen Raufutter. Ab und an piept es. Dann hat ein Pferd gerade die Fress-Station verlassen. Die spuckt stündlich passgenau für jedes Pferd eine kleine Portion Kraftfutter aus. Dafür tragen die Pferde ein Band um den Hals mit einem Chip. Spielen die Pferde viel, ist der Chip in die Mähne eingeflochten. „Das minimiert das Verletzungsrisiko,“ erklärt die Stall-Chefin. Damit die Pferde immer schön in Bewegung bleiben, liegen vor der Futterstation große Baumstämme. Da müssen sie erstmal drumherum, bevor es Fressen gibt. Ein mit Baumstämmen eingefasster Bereich mit mehr Sand lädt zum Wälzen ein. „Die Pferde mögen den Rahmen und nutzen den Platz als eine Art Box, um sich zurückzuziehen.“

Fotostrecke: Reitschul-Test: Reiten in Bad Essen

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CAVALLO Reitschultest in Bad Essen Foto: Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest in Bad Essen Foto: Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest in Bad Essen Foto: Miriam Kreutzer

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19.04.2014
Autor: Cavallo
© CAVALLO
Ausgabe 5 / 2014 /2014