Ratgeber Haltung: Regenwasser zum Pferde tränken?

Darf man Pferde mit Regenwasser tränken?

Es ist kostenlos, fast immer vorhanden, doch sehr umstritten: Kann man Pferde ohne Bedenken auch mit Regen- statt mit Leitungswasser tränken?

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Foto: Lisa Rädlein Wer bei der Qualität seines Tränkwassers sicher gehen will, sollte es regelmäßig im Labor testen lassen.

Regen kann sauer sein – oder als Dauererscheinung an den Nerven zerren. Zu seinen angenehmen Eigenschaften gehört hingegen, dass er gratis vom Himmel fällt. Ganz im Gegensatz zum Wasser aus der Leitung, das je nach Versorger richtig ins Geld gehen kann. So kostete der Kubikmeter Wasser (1000 Liter) im Landkreis Stendhal im Norden von Sachsen-Anhalt 2009 nur günstige 86 Cent. Dafür mussten die Bewohner einiger Ostharz-Gemeinden des gleichen Bundeslandes tief in die Tasche greifen. Sie zahlten für dieselbe Wassermenge 3,89 Euro. Das ist fast doppelt so viel wie der Bundesdurchschnitt. Für den Pferdehalter kann das schnell ordentlich ins Geld gehen.

„Um eine 20 x 40 Meter großeHalle und einen gleich großen Platz im Sommer zu bewässern, benötigt man pro Woche etwa 15 000 bis 25 000 Liter“, sagt Elmar Brügger, landwirtschaftlicher Berater an der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Münster. Ein Betrieb in Stendhal würde für diese Fläche zwischen 12,90 und 21,50 Euro in der Woche ausgeben.

Im Ostharz wiederum wären zwischen 58,35 und 97,25 Euro fällig. „Im Einzelfall kann es sich daher lohnen, Regenwasser in einer Zisterne zu sammeln, um damit den Platz zu sprengen oder die Toilette zu spülen“, sagt Elmar Brügger. Der Preis für einen gebrauchten 20.000-Liter-Tank beträgt zwischen 4000 und 5000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für eine Pumpe sowie der Einbau im Erdboden. „Andernfalls friert Ihnen das alles im Winter schneller ein“, sagt Brügger. Wie schnell sich der Regenwassertank amortisiert, hängt vom Einzelfall ab. „Im regenarmen Brandenburg wird das vermutlich länger dauern als in Schleswig-Holstein“, betont der Experte.

Tränkwasser muss frei von Dreck sein

Die Kosten lassen sich noch schneller hereinholen, wenn das Regenwasser auch zum Tränken verwendet wird. Laut Lehrbuch trinkt ein Pferd im Tagesdurchschnitt etwa 5,5 Liter Wasser pro 100 Kilogramm Lebendgewicht. Bei einem normalen Warmblüter mit 600 Kilo sind das 33 Liter am Tag oder 12 045 Liter im Jahr. Ein Pensionsbetrieb mit 50 Pferden im Landkreis Stendhal müsste jährlich knapp 518 Euro ausgeben, um die Tiere ausreichend zu versorgen, ein Betrieb im Ostharz sogar rund 2342 Euro.

Ob Regenwasser aber überhaupt als Tränkwasser verwendet werden sollte, ist bei Experten stark umstritten. „Ich sehe das sehr skeptisch“, sagt Georg W. Fink, Reitanlagenplaner aus Aufkirchen/Bayern. Ihm bereitet vor allem die hygienische Qualität Kopfzerbrechen: „Regenwasser läuft meist über Stall- und Hallendächer, bevor es gesammelt wird. Dabei kann es zu Verunreinigungen kommen, etwa durch Vogelkot.“ Hinzu addieren sich mögliche Belastungen durch Feinstaub, Industrieabgase oder die Dachbedeckungen selbst, wenn diese etwa aus Bitumen oder asbesthaltigen Materialien bestehen. „Ich würde Regenwasser daher lediglich für die Toilettenspülung oder zum Wässern von Reitplatz- und Hallenböden verwenden“, rät Fink.

Info:

Im Vergleich zum Trinkwasser für Menschen gibt es beim Tränkwasser für Pferde keine vergleichbar detaillierten rechtlichen Anforderungen. Auskunft darüber, welche Qualitätsstandards Tränkwasser erfüllen sollte, gibt der „Orientierungsrahmen zur futterrechtlichen Beurteilung der hygienischen Qualität von Tränkwasser“ des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.


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10.07.2013
Autor: John Patrick Mikisch
© CAVALLO
Ausgabe 03/2010