Ratgeber Haltung: Regenwasser zum Pferde tränken?

Mineralstoffe im Regenwasser

Es ist kostenlos, fast immer vorhanden, doch sehr umstritten: Kann man Pferde ohne Bedenken auch mit Regen- statt mit Leitungswasser tränken?

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Foto: Lenz Aus der Tonne: Regenwasser ist günstig,
die hygienische Qualität jedoch umstritten.

„Regenwasser enthält außerdem kaum Spurenelemente und Mineralien“, gibt Georg W. Fink zu bedenken. Ein Argument, das Professor Dr. Ellen Kienzle sofort entkräftet: „Tränkwasser leistet generell nur einen kleinen Beitrag zur Mineralstoffversorgung“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. „Ein geringer Mineralstoffgehalt im Wasser könnte sich allenfalls einmal negativ auswirken, wenn Pferde überhitzt sind oder nach einer längeren Durstperiode übermäßig saufen. Nachteilige Folgen sind aber auch dann sehr selten.“

Möglich sei jedoch eine Belastung mit Bakterien wie Escherichia coli, Streptokokken, Salmonellen, aber auch Pilzen und Algen. „Das ist eine Frage des Vorgehens“, sagt Jürgen Lamp vom Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp im schleswig-holsteinischen Blekendorf. „Dachwasser hat nur nach Dauerregen eine gute Qualität“, so der Experte für Pferdehaltung. Bei warmem Wetter und Lichteinstrahlung bilden sich im Regenwasser ebenso Algen wie in einem Tränkebottich, der nicht regelmäßig geleert wird.

„Regenwasser sollte daher nur in undurchsichtigen, schwarzen Tanks gelagert werden, die mehrmals im Jahr mit dem Hochdruckreiniger gesäubert werden müssen“, rät Dr. Petra Wolf. Chlortabletten oder andere Reinigungsmittel lehnt die Tierärztin vom Institut für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover ab. „Es kann sein, dass die Pferde das Wasser wegen des Geschmacks dann nicht mehr trinken. Außerdem ist fraglich, wie effektiv diese Mittel sind.“ Wer will, kann die Qualität des Wassers auch bei einer Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) oder am TiHo-Institut für Tierernährung testen lassen. Die Kosten für eine umfassende Analyse betragen 80 bis 100 Euro.

Dauerregen ist am besten

Einer, der seine Pferde mit Regenwasser tränkt, ist Wolfgang Friedrichs. Der 63-jährige Apotheker züchtet in Rheinbach bei Bonn seit zehn Jahren Tinker (www.gestuet-friedrichshof.de). Hygiene-Bedenken hält er für übertrieben: „Unsere Pferde stehen in Offenställen auf einer Weide ohne Wasseranschluss. Im Sommer trinken sie aus einem Bach. Im Winter bekommen sie Regenwasser, das wir von den Stalldächern sammeln und in einem 10.000-Liter-Fass speichern. Daraus pumpe ich das Wasser in einzelne Plastikcontainer, die jeweils 1.000 Liter fassen. Ungefähr 15 Pferde teilen sich so einen Container. „Ob Pferde durch Keime im Tränkwasser erkranken, hängt von der Konzentration ab“, meint der Züchter.

Die Konzentration lässt sich mit einfachen Mitteln gering halten. „Bei mir reicht das Wasser etwa drei Tage und wird dann erneuert. Da kann gar nichts verderben“, sagt Wolfgang Friedrichs. Damit über den Regen kein Dreck vom Dach ins Wasser gelangt, sollte man nur Dauerregen sammeln: „Ich warte immer, bis ich den Eindruck habe, dass das Dach wirklich sauber gespült ist, und verwende erst das nachlaufende Wasser“, erzählt Friedrichs. „Natürlich müssen auch die Dachrinnen und der Zulauf zum Fallrohr regelmäßig gereinigt werden. Wasserfass und Container mache ich mindestens einmal im Monat mit dem Hochdruckreiniger sauber. Außerdem habe ich beim Füttern immer einen Blick auf die Wassercontainer und die Pferde. Wenn die nicht trinken, weiß ich, dass mit dem Wasser etwas nicht in Ordnung ist.“

In diesem Jahr will Wolfgang Friedrichs seine Regenwasserversorgung für etwa 10.000 Euro auf eine unterirdische Zisterne mit sechs Betonfässern à 10.000 Liter umstellen. Eine Tauchpumpe soll das Wasser dann in einen Kreislauf mit Selbsttränken befördern. „Dadurch bleibt das Wasser in Bewegung und immer frisch“, meint Friedrichs. Ein vorgeschalteter Filter soll Schwebstoffe und Kleintiere aussieben. Da die Zisterne lichtdicht unter der Erde liegt, rechnet Friedrichs auch nicht mit Algenbildung.


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03.07.2013
Autor: John Patrick Mikisch
© CAVALLO
Ausgabe 03/2010