Aufgedeckt: Sechs Mythen über Winterfutter

Warm statt kalt - Tee und Mash

Gehören Sie zu den Menschen, die ihrem Pferd gern einen Tee kochen? Was für viele Reiter unglaublich klingt, macht wohl so manches Pferd froh.

„Mein Wallach bekommt im Winter immer seinen Eimer mit Fencheltee. Den trinkt er, solange der Tee warm ist. Er ist ganz verrückt danach“, erzählt eine Pferdebesitzerin. „Magen und Verdauungstrakt eines Pferds sind in ihrer Physiologie mit den entsprechenden Organen des Menschen absolut nicht vergleichbar“, sagt Dr. Dorothe Meyer, Expertin für Futterfragen bei der Firma iWest. „Dass Tee bei Pferden gegen Husten hilft, halte ich für aussichtslos“, urteilt Professor Dr. Ellen Kienzle.

Die Annahme, dass warmes Mash an kalten Wintertagen ein Pferd von innen heraus wärmt, ist menschliches Wunsch- denken. Mash wird zu einem warmen Brei verkocht, damit die Inhaltsstoffe – Schleimstoffe im Leinsamen, Stärke in Gerste oder Hafer – aufgeschlossen werden. Nur so kann das Pferd sie auch verwerten. Außerdem zerstört die Hitze ein Enzym im Leinsamen, das unverkocht giftige Blausäure freisetzen würde.

„Ich füttere meinen Pferden Mash“, sagt Dr. Dorothe Meyer, „aber nur selbst gemachtes, zweimal die Woche. Bestandteile sind gekochter Leinsamen, Weizenkleie, Hafer und etwas Salz.“ Dr. Kathrin Irgang aus Berlin sagt: „Das Mash sollte nach Hersteller- angaben zubereitet und lauwarm verfüttert werden. Dabei ist wichtig, die Hygiene in der Futterkrippe im Auge zu behalten. Es lohnt sich, dort regelmäßig sauber zu machen und alte Futterreste zu entfernen“, warnt Kathrin Irgang.

Wichtiger als diese warme Mahlzeit zu füttern, ist es für sie, Fresspausen zu vermeiden: „Pferde müssen gerade im Winter genug Energie über das Futter erhalten. Verheerend für Magen und Kreislauf sind lange Futterpausen. Füttern Sie deshalb lieber mehrere kleine Rationen als zwei große.“ Mash hat den Effekt, schnell verwertbare Energie zu liefern. Ob sich ein Pferd nach dem Schlabbern einer Portion Mash aber fühlt wie ein Mensch, der einen heißen Teller Suppe gegessen hat, darf bezweifelt werden. Die Verdauung regt es auf jeden Fall an. Und das kann auch bei Minustemperaturen nicht schaden.

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11.12.2008
Autor: Diana Maier
© CAVALLO
Ausgabe 01/2009