Pferderasse: Treue Traber im Test

Traber sind schnell aber leicht zu zügeln

Vom Rennpferd zum gelassenen, vielseitigen Reitpferd: Mit etwas Geduld lassen sich Traber umschulen. Auf Traber Yorin erlebt CAVALLO-Redakteurin Regina Kühr den schnellsten Galopp ihres Lebens.

Überschwänglich lobe ich den 1,62 Meter großen Yorin, der sich dankbar zu mir umdreht. „Traber sind extrem menschenbezogen
und lieben Lob“, erklärt Dina Uhland. Yorin blickt mich aus großen, sanften Augen an. Kaum zu glauben, dass wir beide kurz zuvor noch im Full-Speed unterwegs waren. Der durchtrainierte Wallach pumpt weder noch hat er sich im Galopp aufgespult.

Und das, obwohl er eigentlich keine Fremdreiter kennt. „Die sind alle so cool“, sagt Dina Uhland, die ihre Traber für Preise zwischen 1000 und 2000 Euro direkt von der Rennbahn oder Zwischenhändlern holt und in Ruhe zu rittigen Verlasspferden umschult. Manche verkauft sie, andere bleiben als vielseitige Reitpferde in der Reitschule.

Die Leistungsbereitschaft von Yorin und Co. ist kein Zufall. Als eineinhalb- bis zweijährige Pferdekinder werden Trabrennpferde bereits ausgebildet und vor den Sulky gespannt. „Die Tiere müssen von Anfang an klar im Kopf sein, weil die Jungspunde sonst den Karren zusammentreten würden“, erklärt Uhland.

Als Traber bezeichnet man ursprünglich mehrere Pferderassen, die im Trabrennsport eingesetzt wurden. Der moderne Traber wird allerdings ausschließlich für die Rennbahn gezüchtet und ist ein hübscher Blüter. Durch den Einfluss des American Standardbreds besitzen viele Tiere zusätzlich zu Schritt, Trab und Galopp eine genetische Anlage zu Tölt und Pass. Die meisten sind braun und zwischen 1,45 und 1,70 Metern groß.

Wie unterschiedlich Traber vom Typ her sein können, sieht man an den drei Kandidaten von Dina Uhland und Peter Seipp. Während Yorin eher im Warmbluttyp steht, erinnert der zehnjährige Fitou an ein Vollblut. Der 17-jährige Reado Loh dagegen ist optisch eine Mischung aus Vollblut und Cob. Und das Hasenherz der Stallgemeinschaft.

„Loh ist immer gehfreudig“, sgt Dina Uhland. „Wie alle unsere Traber hat er noch nie gebuckelt, nicht mal auf der Koppel. Er ist jedoch manchmal etwas schreckhaft, ohne dass es für den Reiter gefährlich wird. In der Gruppe ist er völlig unkompliziert.“ Reado Loh hat in seiner ehemaligen Rennkarriere offenbar einiges auf den Deckel bekommen: Beide Flanken und Knie sind mit Narben übersäht, hinzu kommen weiße Flecken im braunen Fell, die für ehemalige Verletzungen sprechen. 148 Starts, 12 Siege und 63 Platzierungen gehen auf sein Konto. Stallkamerad Yorin befand sich im Jahr 2010 sogar auf dem Weg zum Traber des Jahres, flitzte 22 mal über die Rennbahn mit 10 Siegen und 6 Platzierungen.

29.04.2016
Autor: Redaktion CAVALLO / Regina Kühr
© CAVALLO
Ausgabe 09/2014