Rasse-Porträt: Die CAVALLO Zebra-Mix Stute Zesel

Zesel tobt und tritt

Zebra-Mix „Zesel“ schlägt nach allen Seiten. Kann man sie wie ein Problempferd korrigieren? (Artikel stammt aus 2002)

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CAVALLO Zebra-Mix Zesel im Porträt
Foto: Paul Ausbilder Michael Geitner bei der Arbeit mit Zesel.

Reinrassige Zebras gelten unter Tiertrainern als extrem schwierig. Deshalb zeigen Zirkusse so selten Zebra-Nummern – selbst Löwen sind leichter zu trainieren. „Zebras bleiben immer Wildtiere. Sie wehren sich bei Druck und sind unberechenbar“, warnt Ellen Guderian, die in Montana auf der Rocky Mountain Songbird Ranch Zebras und Zebra-Mixe züchtet.

Ob in Zesel mehr Zebra oder mehr Pferd steckt, wird sich zeigen. Zunächst gibt es freilich ein ganz handfestes Problem: Wie kommt das ungezähmte Tier von Usingen im Taunus nach Rechtmehring bei München? „Zesel läßt sich nicht verladen und mag keine geschlossenen Räume. Da fängt sie an zu toben“, warnt Zwermann. „Sie hängt aber sehr an zwei Mini-Shettys, die sie auch beschützt. Die können sie ja begleiten.“ Das Zesel-Experiment beginnt am 3. September 2002. Reisetag für die renitente Dame.

Geitner fährt mit einem Zweipferdehänger ohne Trennwand nach Usingen. Die Strategie: Zesel und die namenlosen Shettys – eine Stute und ein Hengst – werden in ihren Stall getrieben und der Hänger so dicht wie möglich davor geparkt. Anschließend bauen Zwermann und seine Helfer einen Treibgang aus ausgehängten Türen („Trittschutz ist ganz wichtig“), und die kleine Herde darf in den verlockend mit Heu und Stroh gefüllten Hänger wandern, in dem sie unangebunden reisen sollen.

 

CAVALLO Zebra-Mix Zesel im Porträt
Foto: Paul Zesel schlägt typisch für ein Zebra seitwärts aus.

Zesel hat es faustdick hinter den Ohren

Schnell ist klar: Zesel hat es faustdick hinter den gestreiften Ohren. Sie lernte, daß ein leichtes Drohen und angelegte Ohren reichen, damit Menschen schleunigst den Rückzug antreten. Jede ihrer Drohgebärden läßt Zwermann warnen und weichen. Geitner grinst amüsiert. „Wahrscheinlich brauchen wir den ganzen Nachmittag“, unkt jemand. Die große Überraschung: Nach nur fünf Minuten steht Zesel im Hänger.

Zwermann drängt die kleine Herde sanft mit ausgebreiteten Armen, die Shettys stürzen gierig auf das Heu, Zesel hinterher. Klappe zu, Plane zu, fertig. Rundum verblüffte Gesichter. „Das ging ja gut. Ich bin richtig froh“, sagt Geitner und linst nach Zesel. Die steht im Hänger und webt. „Das macht sie immer unter Streß. Als wir sie bekamen, hat sie es den ganzen Tag gemacht, jetzt nur noch, wenn sie unter Druck ist“, sagt Zwermann. Sechs Stunden und 467 Kilometer später spaziert Zesel in Rechtmehring gelassen aus dem Hänger und inspiziert ihren Paddock samt Hütte. Schon die ersten 48 Stunden im neuen Domizil zeigen: Zesel hat keine Angst, ist nicht scheu, sondern absolut gelassen und hellwach. Sie lebt sich sofort im Holzstall ein. Sie läßt sich putzen und streicheln – „aber nur bis zu dem Punkt, an dem sie keine Lust mehr hat“, beschreibt Geitner. Dann peitscht sie mit dem Schweif wie eine gereizte Katze und läßt nach dieser Kurz-Warnung die Hufe fliegen – vorne, hinten und an allen Seiten.

In der Rangordnung steht sie unter der Shetty-Stute. „Beim Fressen giften die Kleinen sie weg“, sagt Geitner – ein Fakt, den er zufrieden registriert. „Wenn sie Respekt hat, bedeutet das, man kann sie trainieren.“

 

CAVALLO Zebra-Mix Zesel im Porträt
Foto: Paul Langsam erlernt Zesel Respekt vor dem Menschen.

Die Besen fahren Zesel ins Gesicht wie wütende Stachelschweine

Weitere 48 Stunden später klingt das bayerisch-deftig anders: „Dös is vielleicht a kloane Drecksau.“ Zesel hat ihre ersten Respektsübungen hinter sich, in denen sie Geitner Respekt beibrachte. „Das ist Zesels Grundproblem: Sie ist nicht ängstlich, sondern Menschen gegenüber absolut furcht- und respektlos“, analysiert er. Das Tier weiß, daß schon ein leichtes Ohrenanlegen reicht, damit es in Ruhe gelassen wird. „Erst mal muß sie Respekt lernen. Sonst drückt sie sich vor allen Übungen und entscheidet weiter selbst, wann sie etwas mag und wann nicht.“

Der einfachste Respekts-Test, der bei allen Pferden funktioniert, ist ein bedrohlich rappelnder Sack. „Respektlose Pferde, die Menschen umrennen, kann ich mit dem Sack erschrecken. Sie beachten mich und meine Signale wieder und werden folgsam“, erklärt Geitner. Zesel nicht. Als sie im Stall stillstehen soll, während Geitner samt Sack zwischen ihr und der Tür steht, beeindruckt sie das nicht. „Der Sack schüchtert die nicht die Bohne ein, die rennt mich einfach um. Die ist komplett furchtlos; man kann sie nicht erschrecken.“ Die neue Strategie: Besen.

Unbeeindruckt rennt Zesel einen Geitner, zwei Helfer und drei Besen über den Haufen, als sie zwischen ihr und der Tür stehen. Als die Stute es zum zweiten Mal versucht, fahren die Besen Zesel ins Gesicht wie wütende Stachelschweine. „Jetzt merkt sie zum ersten Mal, daß sie nicht Chef ist.“ Die nächsten Wochen vergehen mit einer Übung: stehenbleiben, den Menschen nicht umrennen, ihm weichen. „Jedes Pferd gibt irgendwann auf. Zesel nicht. Sie testet jeden Tag.“ Trotzdem schafft Geitner es, sie erstmals zu halftern – eine riskante Aktion, über die das nächste Heft berichtet.

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03.05.2016
Autor: Redaktion CAVALLO
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