Koppel-Saison: Tipps für sichere Weidezäune

Weidezeit: So sichern Sie Ihre Zäune

Brechen Pferde von der Koppel aus, endet das ganz schnell in einer Katastrophe. Mit diesen Tipps halten Sie Pferde am besten im Zaun.

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Pferdekoppel
Foto: Rädlein Die Höhe des Weidezauns richtet sich nach der Widerristhöhe des größten Pferds.

Barolo war die Zaunhöhe schnuppe. Der Trakehner-Wallach von Dr. Michael Strassmair aus Starnberg/Bayern gab auf der Winterkoppel Gas und sprang über den 1,40 Meter hohen Elektrozaun. Er brach sich das Genick. „Als Springpferd hatte er vor dem Zaun keinen Respekt“, erzählt Strassmair. „Auch Strom störte ihn nicht.“ Klar ist: Den absolut ausbruchsicheren Zaun gibt es nicht. Doch Sie können einiges tun, damit Pferde die Einzäunung akzeptieren.

1. Richtige Höhe

Die Zaunhöhe ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) gibt jedoch in den Leitlinien zur „Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzaspekten“ Empfehlungen: Der Zaun sollte, vom Boden aus betrachtet, mindestens 0,8 mal höher sein als die Widerristhöhe des größten Pferds. Bei einem Pferd mit einem Stockmaß von 1,70 Metern entspräche das einer Zaunhöhe von etwa 1,40 Metern. Das ist recht niedrig. Schlagen Sie lieber 20 Zentimeter drauf. Das Oberlandesgericht in Naumburg forderte in einem Fall sogar eine Zaunhöhe von bis zu zwei Metern bei Großpferden.

Bringen Sie außerdem mindestens zwei bis vier Querlatten als weitere Abgrenzung an. So bleiben auch Fohlen, Ponys und Kleinpferde im Zaun. Die Leitlinien des BMELV empfehlen, die erste Abgrenzung 40 bis 70 Zentimeter über dem Boden zu setzen, die zweite im gleichen Abstand darüber, abhängig von der Zaunhöhe.

2. Stabile Pfosten

Kaum ein Pferdebesitzer denkt beim Thema Zaunsicherheit sofort an die Pfosten. Tatsächlich spielen sie eine tragende Rolle. Bei Pfosten aus Holz kommt es auf Holzsorte, -qualität und Verarbeitung an. Das Material sollte langlebig und bissfest sein. Morsche Pfosten knicken bei Belastung wie Strohhalme ein.

Besonders langlebig sind Pfosten aus Eiche oder Robinie. Sie halten etwa 10 bis 15 Jahre, Robinie sogar bis zu 30 Jahre. Doch Vorsicht: Die Rinde ist giftig. Verwenden Sie daher nur geschälte Robinien-Pfosten. Eichenpfähle sollten gut abgelagert sein, sonst verringert die Gerbsäure die Haltbarkeit. Preiswerter sind Pfosten aus Weichholz wie Fichte oder Kiefer. Sie sollten aber unbedingt kesseldruckimprägniert sein, da sie sonst schnell morsch werden und schlapp machen. So halten sie etwa zehn Jahre.

Einen großen Unterschied macht es, ob Sie Kern- oder Splintholz verwenden. Kernholz aus der Mitte des Stamms ist dichter und neigt nicht so stark zur Rissbildung. Außerdem enthält es kaum Nährstoffe, so dass sich Pilze, Bakterien und Insekten nicht so schnell einnisten. Splintholz stammt aus den Randbereichen, ist weicher, feuchter und nährstoffreicher. Weniger anfällig sind Pfosten aus Kunststoff. Die meisten sind aus Hart-PVC. Sie trotzen der Witterung, verrotten nicht und sind pflegeleicht. Die Bruchfestigkeit hängt aber eng mit der Qualität des Kunststoffs zusammen. So stabil wie Holzpfosten sind sie nicht, vor allem recyceltes Material verbiegt sich leicht. Bei Pfosten aus Kunststoff müssen Sie unbedingt darauf achten, dass diese UV-beständig sind.

Der Durchmesser eines runden Holzpfahls und auch die Maße von Kanthölzern sollten zwischen neun und zwölf Zentimetern liegen. Dann ist der Pfosten im Notfall stabil genug und hält den Zaun in seiner Verankerung. Pfosten dieser Dicke verrotten zudem langsamer. Die Pfähle müssen aber tief genug in der Erde stecken: Eck- und Torpfosten mindestens 70 Zentimeter, die Pfosten dazwischen (Streckenpfosten) 40 bis 50 Zentimeter. Grundsätzlich sollte ein Drittel im Boden verschwinden. Tipp für zusätzliche Sicherheit: Rammen Sie die Pfosten ins Erdreich statt sie einzugraben. So verdrängt der Pfahl das Erdreich und verdichtet es. Dadurch steht der Pfosten stabiler.

Die Abstände zwischen den Pfählen richten sich nach dem verwendeten Zaunmaterial und liegen laut BMELV-Empfehlungen bei 2,60 Metern bis höchstens fünf Metern.

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CAVALLO Biomechanik Foto: Schönewald
CAVALLO Biomechanik Foto: Schönewald
CAVALLO Biomechanik Foto: Schönewald

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16.07.2011
Autor: Kristina Glaser
© CAVALLO
Ausgabe 04/2011