Standpunkt: Offenstall und Weide - Pferde müssen raus

Ganzjährige Weidehaltung für Pferde

Eine Frage der Haltung: Pferde müssen raus - sie brauchen viel freien Auslauf. Das klingt gut, sagt sich leicht und ist gar nicht so einfach. Aber es ist möglich - man muss nur wollen, findet Stallbau-Experte Bernd Allié.

Aus moderner Sicht aufs Pferdewohl ist unstrittig, dass Pferde am artgerechtesten in ganzjähriger Weidehaltung leben. Dabei können sie zu jedem Tageszeitpunkt ihr natürliches Verhaltensrepertoire so frei wie möglich ausleben. Neben Fressen und Saufen gehören dazu die Körperpflege – Scheuern und Wälzen –, der Sozialkontakt sowie die natürliche Installierung einer Herdenhierarchie. Durch das große Platzangebot auf der Weide hat jedes Tier die Möglichkeit, eine Individualdistanz aufzubauen und zu fliehen, wenn der Kumpel ungemütlich wird und es brenzlig zu werden droht. Das alles sind Gründe, die mich von der Weide- und Offenstallhaltung überzeugt haben.

Auch und gerade bei der Weidehaltung ist aber die Verantwortung des Pferdehalters und Stallbetreibers gefragt. Pferde dürfen nicht einfach an die Luft gesetzt werden, wo sie sich selbst überlassen sind. Denn dann wird die Pferdeweide zum Sicherheitsrisiko für die Pferde und die Allgemeinheit. Sichere und artgerechte Weide heißt: geeignete Weidezäune verwenden, für genügend Futter und Wasser sorgen, Tiere regelmäßig kontrollieren, je nach Dauer des Weidegangs Schutz vor Sonne und Regen aufbauen.

Was sichere, also vor allem ausbruchsichere Weidezäune anlangt, empfehlen sich in der Pferdehaltung Breitbänder und spezielle Zaundrähte. Ihre Besonderheit: Sie sind mit einem leitfähigen Kunststoff ummantelt, der eine gute Sichtbarkeit bietet. Durch den Drahtkern sind sie insgesamt sehr gut leitfähig und stabil. Ganz wichtig für die Sicherheit auf der Weide ist auch der Futternachschub. Denn der beste Zaun ist machtlos, wenn eine hungrige Pferdeherde beschließt, dass das Gras nebenan besser schmeckt als die abgefressene Krume auf der eigenen Koppel.

Wie oft das leider passiert, hört und liest man in den Nachrichten, wenn wieder irgendwo Pferde frei auf der Landstraße laufen. Bei Auswahl und Einteilung der Weide ist darauf zu achten, dass das Nährstoffangebot über das Jahr verteilt konstant bleibt und immer etwas zum Knabbern bleibt.


24.07.2013
Autor: Bernd Allié
© CAVALLO
Ausgabe Mai 2013/2013