Standpunkt: Pferdefreundliche Haltung von Hengsten

Keine Hengste für schwache Reiter

Hengste sind einfach toll. Sie machen viel her, haben Ausstrahlung und präsentieren sich gerne. Deswegen sind sie bei Showreitern so beliebt. Die sind meist Pferdeprofis und können mit den Tieren umgehen. Bei vielen anderen Haltern ist das leider nicht der Fall und die Hengste fristen ein trauriges Dasein hinter Gittern. Das darf nicht sein!

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Voraussetzung für eine pferdefreundliche Art der Hengst-Haltung sei neben einer sicheren Einzäunung, dass die Deckhengste möglichst weit entfernt von Stuten stehen und etwa einen halben Hektar Platz pro Pferd haben. Außerdem sollten sich die Hengste vor der gemeinsamen Weidezeit aneinander gewöhnen können. Das funktioniert letztlich nicht anders als in gemischten Wallach-Reithengst-Gruppen.

Stattdessen werden auch Reithengste oft alleine in einer hochvergitterten Box weggeschlossen. Und dort bleiben sie dann auch häufig genug, wenn ihre angestaute Energie und Bewegungsdrang auf reitunerfahrene Besitzerinnen treffen. Das Schicksal teilen allerdings auch viele Hengste, die sich in Händen von angeblich qualifizierten Ausbildern befinden. Sie sind mit Hengsten oft genauso überfordert wie Durchschnittsreiter.

Das betrifft nicht nur selbsternannte Pferdeflüsterer, sondern nach meinen Erfahrungen leider viele von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) geprüfte Reitlehrer. So erinnere ich mich noch gut an einen sechsjährigen Araberhengst, der von einem renommierten Ausbilder trainiert wurde. Als er mir vorgeführt wurde, war der Rappe schneeweiß. Vor Angstschweiß, denn der Ausbilder ritt ihn mit Fahrradkette, um das nervöse Pferd zu beherrschen. So etwas muss nicht sein, so etwas darf nicht sein. Und vor allem: Es ist ganz leicht vermeidbar, leichter noch, als die Haltungsbedingungen im Pensionsstall umzustellen oder die Suche nach einem wirklich qualifizierten Hengstausbilder.

Die Lösung heißt: Kauft euch keine Reithengste. Durchschnittsreiter sind mit Wallachen und Stuten deutlich besser aufgehoben. Selbst ältere Hengste können nach meiner Erfahrung noch bis zu einem Alter von zehn Jahren kastriert werden. Sie behalten dann zwar teilweise ihre Hengstallüren, sind aber insgesamt ruhiger und viel besser und sicherer zu handhaben. Und sie lassen sich einfacher in Gruppen integrieren. Für manche Hengstbesitzer mag die Vorstellung von der Kastration ihres Pferds unangenehm sein. Aber letztendlich kann diese Operation dem Pferd das traurige Schicksal vieler Artgenossen ersparen.


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24.07.2013
Autor: Madeleine Martin
© CAVALLO
Ausgabe Juli 2013/2013