Standpunkt: Tierschutz - Fitte Pferde dank Spritze?

Turnierreiterszene in Verruf

Wer ein krankes Pferd hat, gibt es in Reparatur. Möglichst schnell, am liebsten billig soll es wieder auf die Beine kommen. Das stresst den Tierarzt, schadet dem Pferd und ruft Tierschützer auf den Plan.

 

CAVALLO Springtraining
Foto: Rädlein Die Turnierszene kämpft um ihr Image.

Fragen wir Dr. Schüle einfach und schauen erst mal auf die Turnierreiterszene: Da stehen Richtlinien zu Doping, Equipment, Ausbildung und Reitmethoden auf diversen Papieren, die sich tierfreundlich lesen. „Würden die Regeln eingehalten, hätten wir den Himmel auf Erden. Aber sie werden eben nicht eingehalten, und damit sind es Lippenbekenntnisse“, findet Schüle. „Statt die Regeln umzusetzen, ändert man sie öfter oder schafft Ausnahmen, damit Pferde überhaupt im Sport starten können: von Anti-Ulzerativa gegen Magengeschwüre über Nasennetze für Headshaker bis zur Zyklussteuerung bei Stuten. Der Gipfel ist erlaubte Medikation – unter dem Vorwand, den Tierschutz im Sport zu fördern.“

Blitzsauberer Sport mit glücklichen, naturbelassenen Pferden bleibt ein Traum. „Der Reitsport hat Dimensionen erreicht, wo das Pferd nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, statt im Mittelpunkt zu stehen. Denn dort steht der Kommerz“, sagt Schüle. Hinzu kommt, in der Leistungsspitze wie in der Hobbyreiterei, die urdeutsche Einstellung, dass alles perfekt funktionieren muss – auch das Pferd. Gut, wenn es das tut. Ist es kaputt, muss eben der Tierarzt ran. Einmal heilen bitte, möglichst schnell, am liebsten billig. Sonst pilgert man zum nächsten Mediziner.

Tierarzt Schüle wurmt das, und er dreht hier die Hand nicht um zwischen Turnierprofis und Hobbyreiter. „Alle haben nur zwei Fragen im Kopf, wenn ihr Pferd krank ist: Erstens: Was kann man dagegen tun? Zweitens: Was kostet es? Reiter wollen, dass wir ihr kaputtes Pferd reparieren. Keiner fragt: Was können wir tun, damit es gesund bleibt?“ Ein harter Wurf, der zum Gegenschlag reizt. Denn es gibt Tausende Reiter, die nicht erst im Ernstfall nach Hilfe rufen. Für sie ist die Frage „Was kann ich tun, damit mein Pferd fit bleibt?“ so normal wie Zähneputzen nach dem Essen. Sie suchen Antworten in Zeitschriften, im Internet, bei Fachleuten, auf Kursen. Sie hören ihren Pferden zu und mühen sich nach bestem Wissen um ihr Wohl – im Stall, im Training, in der Medizin, bei Ausrüstung und Futter.

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24.07.2013
Autor: Christine Felsinger
© CAVALLO
Ausgabe August 2013/2013