Standpunkt: Tierschutz - Fitte Pferde dank Spritze?

Alternative Therapien für Pferde

Wer ein krankes Pferd hat, gibt es in Reparatur. Möglichst schnell, am liebsten billig soll es wieder auf die Beine kommen. Das stresst den Tierarzt, schadet dem Pferd und ruft Tierschützer auf den Plan.

Alternative Therapeuten gehen mehr auf den Pferdebesitzer ein, tauschen Gedanken aus, signalisieren Verständnis“, sagt Schüle. „Der Auftraggeber steht diesen Heilern positiver gegenüber als dem notwendigen Übel Tierarzt. Und er ist schon zufrieden, wenn er subjektiv das Gefühl hat: Es geht meinem Pferd jetzt besser!“

Von überall kommt also Druck auf die Doktoren. Einige knicken ein unter Konkurrenz und Kundenzwang. Sie führen beflissen alle Aufträge aus, ob pro oder contra Pferd. Geben Spritzen in geschundene Rücken. Verschreiben Salben, wo eigentlich die Reitmethode kuriert gehört. Die anderen halten ihre Moral als Gesundheitsschützer hoch, sagen ehrlich „Mache ich nicht“. Sie verlieren dabei Wackelkunden, die vielleicht eh auf dem Absprung vom Hobby Pferd waren – und könnten, so kurios das klingt, mit ihrer Aufrichtigkeit die Keimzelle für die Regeneration der Pferdehaltung werden. So sieht es Eberhard Schüle.

Diese Regeneration tut not, denn in der Reiterei trennt sich gerade die Spreu vom Weizen. Wem es lästig wird, 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr die Verantwortung für ein Pferd zu tragen, der schmeißt hin. „Reiten funktioniert nicht so als Breitensport, wie man mal gedacht hat. Der Pferdeboom hat den Scheitelpunkt hinter sich“, bilanziert Schüle und nennt das „Gesundschrumpfung. Übrig bleiben Reiter und Tierärzte mit genügend Disziplin und Fachwissen.“ Möglich, dass dieses Fachwissen bald über eine Art Pferdeführerschein dokumentiert werden muss, orakelt Schüle und malt das Szenario einer Pferdewelt, die ihre Tierschutzprobleme nicht über Selbstdisziplin in den Griff kriegt: „Unser Image in der Öffentlichkeit ist geprägt von Dingen wie Doping, verunfallten Rennpferden, verwahrlosten Ponys. Wenn sich das gesellschaftliche Bedürfnis nach Tierschutz weiter ausbreitet, trifft dies auch die Freizeitreiterszene“, stellt der Tierarzt in Aussicht.

„Dann könnte es sein, dass wir unter dem emotionalen Druck der nichtreitenden Bevölkerung eine Pferdehaltungsverordnung kriegen. Bei der Hundehaltungsverordnung war‘s genauso: Die hatte man politisch am Kampfhunde-Thema aufgehängt, das damals alle Gemüter erregte.“ Schüles Appell: „Die künftige Entwicklung von Pferdesport und -haltung hängt großteils von Leuten ab, die mit Pferden nichts zu tun haben. Wir sollten also jetzt über unseren Tellerrand schauen.“

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24.07.2013
Autor: Christine Felsinger
© CAVALLO
Ausgabe August 2013/2013