So beruhigen Sie Ihr Pferd beim Spritzen

Wie bleibt das Pferd beim Tierarzt ruhig?

Foto: Rädlein Wie bleibt das Pferd beim Tierarzt ruhig?
Ihr Pferd hat Angst vor dem Tierarzt, vor allem den Spritzen? Horsemanship-Trainerin Jenny Wild weiß Rat.

Wenn Pferde in schwierigen Situationen mit Fluchttierverhalten reagieren, kann es für alle Beteiligten gefährlich werden. Deshalb möchten wir dem Pferd eine andere Lösung anbieten als die Flucht. Und die heißt fast immer: entspannen und Kopf einschalten.

Ihr Ziel ist es, Ihr Pferd zu desensibilisieren. Das bedeutet, Sie machen es mit dem Gegenstand, vor dem es Angst hat, vertraut und zeigen ihm, dass es sich davor nicht zu fürchten braucht.

Schnuppern lassen

Besorgen Sie sich eine Spritze (ohne Nadel). Zeigen Sie Ihrem Pferd die Spritze und lassen Sie es daran riechen. Die Nase ist ein wichtiges Sinnesorgan für Ihr Pferd und spielt eine große Rolle, wenn es sich mit neuen Dingen auseinandersetzen muss.

Traut sich Ihr Pferd, an der Spritze zu riechen, hat es schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Versuchen Sie nun, Ihr Pferd mit der Spritze zu streicheln.

Foto: Rädlein Wie bleibt das Pferd beim Tierarzt ruhig?

Das Pferd mit der Spritze berühren und das Spritzen simulieren.

Mit der Spritze berühren

Zeigt Ihr Pferd erste Anzeichen von Unsicherheit, indem es zum Beispiel zurückweicht, lassen Sie dies geschehen. Doch Sie folgen Ihrem Pferd und lassen auch die Spritze in der Position, die das Verhalten ausgelöst hat. Bald wird Ihr Pferd merken, dass es Sie und die Spritze nicht los wird, indem sie flüchtet. Sie wird stattdessen stehenbleiben. Genau dann ziehen Sie sich zurück. Damit belohnen Sie Ihr Pferd dafür, dass es angehalten hat.

Wiederholen Sie dieses Prinzip von Annäherung und Rückzug, bis Sie in der Lage sind, Ihr Pferd am ganzen Körper mit der Spritze zu streicheln. Achten Sie dabei sehr auf Ihren Körper. Dieser sollte nicht in Richtung des Pferds ausgerichtet sein. Denn das ist häufig schon zu viel Druck und verängstigt das Tier noch mehr. Ihre Energie hat einen entscheidenden Einfluss auf das Verhalten Ihres Pferds: Bleiben Sie locker und ruhig, aber bewegen Sie sich nicht vorsichtig, sondern eher selbstverständlich. Dies strahlt Sicherheit aus und gibt Ihnen und dem Pferd ein besseres Gefühl.

Simulieren Sie das Spritzen

Nehmen Sie an der Brust Ihres Pferds eine Hautfalte zwischen Ihre Finger, um die Situation des Spritzens nachzustellen. Alternativ klopfen Sie mit der Faust leicht rhythmisch auf die Brust, drehen dann die Hand, und benutzen für das Klopfen die Spritze. Hier wechseln Sie einfach zwischen Faust und Spritze, die Sie in der entsprechenden Hand festhalten.

Foto: Rädlein Wie bleibt das Pferd beim Tierarzt ruhig?

Kommt der Tierarzt, ist seine ruhige Mithilfe gefragt.

Mithilfe des Tierarztes bei Angst vor Spritzen

Wenn der Tierarzt kommt, sollten Sie ihn bitten, sich etwas Zeit zu nehmen, damit Ihr Pferd sich nicht überfallen fühlt. Nachdem er sich freundlich vorgestellt hat, sollte er genau so vorgehen, wie Sie es geübt haben: Ihr Pferd an der Spritze riechen lassen und es damit streicheln.

Versuchen Sie, Ihr Pferd am lockeren Seil zu halten. So kann es zurückweichen, wenn es Angst bekommt. Denn richtig panisch werden Pferde meistens erst dann, wenn sie festgehalten werden und das Gefühl bekommen, sie können sich aus der Situation nicht befreien.

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26.09.2017
Autor: Nadine Szymanski
© CAVALLO
Ausgabe 09/2017