Wie führe ich sicher durch Engstellen?

Tipps für das Training mit engen Gassen

Foto: Rädlein Tipps für das Training mit engen Gassen
Die Stute von Leserin Carmen Schneider stürmt kopflos durch schmale Durchgänge und schubst ihre Besitzerin dabei einfach zur Seite. Pferdetrainerin Corinna Ertl weiß einen einfachen und effektiven Lösungsweg.

Sobald es eng wird, bekommen viele Pferde Angst. Verständlich, denn als Fluchttiere möchten sie frei sehen und im Notfall auch ungehindert ausweichen können. Wenn Pferde sich vor engen Durchgängen wie Boxentüren oder Koppeltoren fürchten, kann es gefährlich werden: Das Tier möchte einfach nur schnell hindurch und drückt den Menschen dabei schlimmstenfalls an die Wand.

Ein Problem, das sich jedoch mit etwas Training leicht lösen lässt. Denn eine Engstellen-Situation können Sie nachstellen, ohne dass Sie sich dabei in Gefahr begeben. Horse-Agility-Trainerin Corinna Ertl schafft es so, Pferde in wenigen Tagen, zum Beispiel bei Wochenendkursen, durch künstliche Gassen und Tore zu schleusen.

Übungsgasse nachbauen

Kaufen Sie Balkonsichtschutz aus Gewebe oder zwei große Planen. Diesen können Sie an Hindernisstangen oder mobilen Weidezaunpfosten befestigen. Die einfachste Lösung: Sie stellen zwei Sprünge nebeneinander auf. Dazu brauchen Sie vier Hindernisständer und zwei Stangen, an denen Sie jeweils einen Balkonsichtschutz oder eine Plane befestigen.

Alternative: Für jede seitliche Begrenzung stülpen Sie zwei Abwasserrohre (jeweils einen Meter lang) über jeweils einen im Erdboden verankerten Weidepfosten. Die waagerechte Verbindung ist ein etwa 1,5 Meter langes Rohr, das Sie mit Muffen rechtwinklig mit den beiden senkrechten Rohren verbinden (A). Tipp: Wenn Sie diese Gasse auf dem Reitplatz oder in der Halle aufbauen möchten, stecken Sie die Weidepfosten in mit Sand gefüllte Eimer.

Achten Sie darauf, dass Sie vor und hinter der Gasse zwei bis drei Pferdelängen Platz lassen. Wählen Sie zwischen den beiden Begrenzungen einen Abstand von etwa 2,50 Metern.

Foto: Rädlein Tipps für das Training mit engen Gassen

Das Tor ist Marke Eigenbau. Hierbei muss das Pferd auch eine obere Begrenzung akzeptieren.

Die ersten Durchgänge

Zum Üben führen Sie Ihr Pferd an einem langen Bodenarbeitsseil. Wenn Sie die ersten Male mit ihm durch die Gasse laufen, darf das Tempo noch etwas zügiger sein. Weil Sie damit seinen Fluchttrieb unterstützen, verringern Sie seinen Stress.

Dennoch darf Ihr Pferd Sie nicht überholen. Einen Grundgehorsam sollten Sie daher vorher geübt haben: Ihr Pferd sollte ein Stimmkommando kennen (zum Beispiel „langsam“), auf Ihre Körpersprache achten (zum Beispiel langsamer werden, wenn Sie Ihren Oberkörper zurücknehmen) und Ihren Bereich akzeptieren (den Sie notfalls mit Schwingen des Führseils gegen seine Brust verteidigen). Die gleichen Signale wenden Sie an, falls Ihr Pferd Sie in der Gasse überholen möchte – das Seil vor der Brust ist dabei Ihre letzte Instanz, sollte das Tier auf Stimme und Körpersprache nicht reagiert haben. Aber Achtung: Ihr Pferd soll nicht stoppen, sondern nur langsamer werden.

Will Ihr Pferd am Anfang gar nicht in die Gasse, lassen Sie zunächst eine seitliche Begrenzung weg und üben Sie, so nah wie möglich an der anderen vorbeizulaufen.

Nehmen Sie sich schon für den ersten Tag, an dem Sie üben, ein Ziel vor, wie: Ihr Pferd soll nicht mehr so schnell durch die Gasse laufen. Oder: Ich kann die Gasse um 20 Zentimeter verengen.

Sie können, wenn Ihr Pferd entspannt bleibt, etwa alle zwei Durchgänge den Abstand zwischen den Begrenzungen um einige Zentimeter verringern. Bitte üben Sie nicht länger als 15 Minuten.

Die richtige Übungsfrequenz

Üben Sie regelmäßig, maximal 15 Minuten am Tag. Schon nach wenigen Tagen können Sie den Abstand zwischen den Begrenzungen verringern, bis Sie mit Ihrem Pferd entspannt durch eine Gasse laufen können, die so eng ist wie seine Boxentür.

Setzen Sie sich dann ein neues Ziel. Üben Sie zum Beispiel, dass Ihr Pferd innerhalb der Gasse bleibt, während Sie es von außen hindurchführen. Lassen Sie es mal in der Gasse stehen oder führen Sie es rückwärts. Integrieren Sie neue Elemente, zum Beispiel eine obere Begrenzung: Ein Tor entsteht ganz leicht aus zwei Weidepfosten und einem Abwasserrohr (Drainagerohr) aus dem Baumarkt.In der Regel lernen die Tiere schnell, dass ihnen in der Gasse nichts passiert und gewinnen sogar Spaß daran. Wenn Sie weiter üben, folgt Ihnen Ihr Pferd sogar ohne Führseil. Und später sind selbst enge Tunnel kein Hindernis mehr.

Dressurübungen an der Hand vom Boden aus - so geht's:

30.07.2017
Autor: Nadine Szymanski
© CAVALLO
Ausgabe 07/2017