Bodenarbeit macht Pferde zu Partnern

„Nur lieb sein klappt nicht!“

Sally Mauson, Breitensportbeauftragte in Weser-Ems, ärgert sich über unerzogene Pferde und vernachlässigte Bodenarbeit. Sie kennt viele Gründe, warum sich Reiter davor drücken.

 

CAVALLO GHP
Foto: Rädlein Der Gang über die Plane erfordert Vertrauen vom Pferd.

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CAVALLO: Was läuft im Umgang mit Pferden schief?

SALLY MAUSON: Die Erziehung des Pferds. Auf Bodenarbeit wurde noch nie viel Wert gelegt. Unterrichtet wurde sie schon gar nicht. Das merkt man den Pferden an.

CAVALLO: Wie äußert sich das?

SALLY MAUSON: Die häufigsten Fehler sind immer noch, dass die Pferde nicht bei der Sache sind, sondern in der Gegend herumschauen oder schlaff neben dem Menschen herlatschen. Wie wichtig korrektes Führen ist, haben viele noch nicht begriffen. Dabei testen viele Pferde ihre Besitzer. Bloß merken die das gar nicht. Ein Test kann schon ein Kopfschütteln des Pferds sein. Auch Nüstern kräuseln, oder dass sie beim Führen schneller als der Pferdebesitzer laufen.

CAVALLO: Warum gibt es diese Probleme?

SALLY MAUSON: Weil wir alles vermenschlichen. Wir wollen unser Pferd nicht erziehen; wir wollen lieb sein. Nur lieb sein klappt aber weder bei Kindern noch bei Hunden oder Pferden. Ein weiteres Problem ist das Image: Sobald sich jemand intensiv mit seinem Pferd am Boden beschäftigt, wird er doch als Stallgassen-Tante betitelt. Dabei haben – wohin Sie schauen – die Reiter mit ihren Pferden Probleme am Boden. Viele merken es nur nicht. Von Turnierreitern wird Bodenarbeit doch nur spöttisch belächelt. Dabei sollten die sich mal fragen, warum sie drei Helfer beim Einreiten und Aufsteigen brauchen.

CAVALLO: Wie entstand das schlechte Image der Bodenarbeit?

SALLY MAUSON: So genau weiß ich das auch nicht. Aber das Problem fängt an der Basis an, und zwar bei den Kindern. Viele Eltern wehren sich dagegen, dass ihr Kind statt einer bezahlten Reitstunde wichtige Dinge im Umgang mit Pferden am Boden lernt. Es ist ihnen nicht klarzumachen, dass das ebenfalls zum Reiten gehört. Das ist ein psychologischer Kampf mit den Eltern.

CAVALLO: Wie kann man die Bodenarbeit schmackhafter machen?

SALLY MAUSON: Zum einen sollte sie in die Basisprüfungen mit aufgenommen werden. Zum anderen versuche ich, mit von mir erdachten Motivationsabzeichen wie „Sicherheit in der Stallgasse“ den Kindern Bodenarbeit beizubringen. Langsam wird das Image besser.

CAVALLO: Woran erkennen Sie das?

SALLY MAUSON: Ich gebe seit etwa fünf Jahren Seminare zur Zusatzqualifikation „Bodenschule für Ausbilder“. Neben dem ersten Teil über Grundlagen der Bodenarbeit gibt es vom 4. bis 6. September einen zweiten Teil (Info: www.psvwe.de), in dem die Ausbilder einiges über Pferdepsychologie und die Gelassenheitsprüfung GHP lernen.

Gehorsamsübungen am Boden erziehen bockige Pferde zur Mitarbeit und schaffen Vertrauen zwischen Mensch und Pferd.

Autor: Kristina Glaser
© CAVALLO
Ausgabe 09/2009