CAVALLO Fairness Award für das Pferdeparadies Les Dannes

Ein Stall, der gar keiner ist

"Kurt heiß‘ ich. In meinem Paradies duze ich sogar den Papst.“ Der hat sich zwar noch nie in die französische Provinz verirrt. „Das Papamobil schafft es nicht zu uns rauf“, schwyzerdütscht Kurt Fuchs, Endfünfziger mit Bart, Bauch und Schalk im sonnenroten Nacken und zeigt auf die steile Fahrrinne zu seinem Hof, in die der Winter betonharte Furchen grub.

 

CAVALLO Fairness Award 2010
Foto: Rädlein Geteilte Freude: Mutter Monika hält die Urkunde, Vater Kurt die Trophäe. Daneben zwei Fuchs-Kinder, Deckhengst Gadget und Chefredakteurin Christine Felsinger (l.).

Auch wenn der römisch-katholische Papst noch nie hier war: Päpste der Veterinär-, Fütterungs- und Verhaltensforschung holpern gern zu Familie Fuchs nach „Les Dannes“, Pferdeparadies im lauschigen Vogesen-Tal.

Die Damen und Herren Professoren grillen Wurst am Stecken und tagen zwischen Feuerstelle, Minzebeet und Misthaufen. Sie sehen so manche Heiligtümer der equinen Lehre bröckeln und staunen über 280 Pferde auf 300 Hektar Spielwiesen, die bestes Studienmaterial liefern: Fohlen, Rentner, S-Springpferde, dazu 25 Zuchtstuten aus legendären deutschen Linien wie Gotthard, Grannus oder Pilot sowie ein Selle-Français-Deckhengst verbringen fast das ganze Jahr draußen. Der Herdenmix aus Jung und Alt, alle ohne Hufeisen, fast alle ohne Kraftfutter, erlebt hier minimalen Trainingsaufwand und maximalen Spaß.

Bei der Vergabe des neuen CAVALLO Fairness Award (der erste Preisträger, Dr. Gerd Heuschmann, wurde bereits im Juni-Heft vorgestellt) war „Les Dannes“ deshalb die erste Wahl für die Kategorie „Stall“ – weil Ställe hier zum Wohl der Pferde eine Nebenrolle spielen. Nur im Winter, wenn wirklich kein Grashalm mehr wächst, schlüpfen die Pferde in selbstgezimmerten Offenställen unter. 400 Tonnen Stroh streut Kurt Fuchs dann ein und erntet Mist, mit dem er er nach drei Jahren Reifezeit seine Wiesen düngt. In die Ställe kommen auch Stuten kurz vorm Abfohlen. „Wir haben Seen auf den Weiden. Wenn da eine Stute am Ufer gebärt, rutscht das Fohlen womöglich ins Wasser“, erklärt Fuchs die Ausnahme von seiner Freiluft-Regel. Wo sonst können Pferde so nah an der Natur leben – und trotzdem Leistung in Zucht und Sport bringen?


01.08.2010
Autor: Christine Felsinger
© CAVALLO
Ausgabe 07/2010