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Die freie Wahl: Welche Reitweise passt zu mir?
Der vielseitige Standard
Die Ära J. Neckermann und Dr. R. Klimke: Die deutsche Reittradition wurde vom Militär geprägt, das gesunde Pferde brauchte.
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Bis vor etwa 40 Jahren fand Reiten in Deutschland fast nur in Reitvereinen und nach den Prinzipien der deutschen Reitlehre statt. Noch heute bekennen sich die meisten Reiter zu diesem Ausbildungssystem. Mit seinem 1884 veröffentlichten „Gymnasium des Pferdes“ prägte Gustav Steinbrecht maßgeblich die Reitvorschrift der Heeresdienstvorschrift von 1912, welche den heutigen „Richtlinien für Reiten und Fahren“ zugrunde liegt. Aus den Vergleichswettkämpfen der Offiziere entstand der Turniersport; er ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts olympisch.
Ziel dieser Ausbildung ist ein vielseitiges und losgelassenes Pferd, das sich gehorsam in der Reitbahn, dem Parcours und im Gelände reiten lässt. Das Fundament dafür ist die Dressur-ausbildung. Deren wesentliche Merkmale – Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung – sind in der „Skala der Ausbildung“ schematisch zusammengefasst.
War vor 100 Jahren ein gesundes Soldatenpferd das Ausbildungsziel, geht es heute oft um Schleifen beim Turnier. Für schnelle Erfolge wird heute manch bewährtes Ausbildungsprinzip vernachlässigt. Statt Harmonie und leichter Hilfen sieht man oft verspannte Pferde und verkrampfte Reiter. Immer mehr Kritiker beklagen deshalb den Verlust der Reitkultur und fordern die Rückkehr zu klassischen Grundsätzen.
Generell kann jedes Pferd im Sinne der deutschen Reitlehre ausgebildet und gesund geritten werden. Das perfekte Pferd für Turniere ist jedoch das Deutsche Warmblut mit seinen schwungvollen und raumgreifenden Bewegungen. Es wird seit fast 300 Jahren in verschiedenen Verbänden gezüchtet und dominiert den Reitsport weltweit. Dank des Zuchtfortschritts der vergangenen 30 Jahre haben heute fast alle Trakehner, Hannoveraner, Westfalen & Co. gute Grundgangarten und harmonische Proportionen.
Zentrale Organisation der Reitweise ist die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), der über 7600 Reitvereine mit knapp 750000 Mitgliedern angeschlossen sind. Sie messen sich bei jährlich gut 3600 Turnieren in der Dressur, im Springen und in der Vielseitigkeit in Klassen von E (Einsteiger) bis S (schwer).
Ausrüstung: nach englischen Vorbildern schmucklose Pritschensättel sowie schmale Lederzäume mit Reithalfter und Wassertrensen. Fortgeschrittene Reiter zäumen ihre Pferd auch auf Kandare und Unterlegtrense.



