GHP: Die 10 besten Übungen zur Gelassenheitsprüfung

Bedachte Fußfolge im Stangenkreuz

Bei der Gerittenen GHP stellt der Reiter das Pferd an der Hand vor und absolviert dann im Sattel im Schritt zehn Aufgaben in einer vom Veranstalter festgelegten Reihenfolge. Er soll feinfühlig und kaum sichtbar auf das Pferd einwirken. Beim Stangenkreuz müssen Sie schrittweise die goldene Mitte treffen.

 

Diagonal über das Stangenkreuz
Foto: Senkhorst-Wulf Volltreffer: Das Pony visiert zielsicher die beiden Kreuzungen an.

Wenn Ihr Pferd Sie perfekt zu Kreuze trägt, haben Sie den zweiten Schritt der Gerittenen GHP geschafft: Ihr Pferd muß flüssig und stolperfrei diagonal über ein Stangenkreuz schreiten. Das ist Bestandteil der neuen Prüfung, die CAVALLO zusammen mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) entwickelte, um die Gelassenheit unter dem Sattel zu beurteilen.

Nach dem Aufsteigen per Aufstieghilfe muß Ihr Pferd erst einmal Taktgefühl beweisen: Sie gehen einige Pferdelängen Schritt und traben exakt an der ersten Markierung an (Gangpferde dürfen auch tölten oder walken). Je nach Länge der Bahn oder Halle parieren Sie nach etwa 20 bis 30 Metern an der zweiten Markierung durch.

Das üben Sie zuhause so: Stellen Sie zwei Hütchen oder Hindernisständer im Abstand von 20 bis 30 Metern auf die Mittellinie der Bahn. Ohne Anlehnung an die Bande fällt es dem Pferd schwerer, geradeaus zu traben. Es muß
trotzdem sofort auf Ihre Hilfe hin antraben und genauso exakt durchparieren. Die kurze Trabstrecke zeigt den Richtern bereits, ob Ihr Pferd aufmerksam auf Ihre Hilfen hört und taktklar geht – was nur klappt, wenn es gelassen ist, statt verspannt und unkonzentriert zu hibbeln. Lahmt das Pferd oder gehorcht es nicht, werden Pferd und Reiter disqualifiziert. Die volle Punktzahl gibt es für ein fleißiges Pferd, das sich mit fast unsichtbaren Hilfen locker antraben und durchparieren läßt.

Klappt alles, geht’s weiter zum Stangenkreuz. Vier Stangen bilden ein Quadrat, über das Pferd und Reiter diagonal schreiten müssen. Achten Sie von Anfang an darauf, daß Ihr Pferd ruhig läuft, weder hastig voranstürmt noch übertrieben die Beine hochreißt. Springen ist nicht erlaubt – auch wenn Springpferde das oft nicht einsehen wollen. „Springpferde haben bei Bodenhindernissen oft Probleme, sie im Schritt zu bewältigen. Aber auch sie müssen lernen, Schritt für Schritt übers Kreuz zu gehen“, erklärt Pferdetrainerin und Connemara-Züchterin Marlit Hoffmann aus Daubhausen in Hessen.

Dazu gehen Sie vor wie bei jedem anderen Pferd: Legen Sie erst einmal nur eine Stange auf den Boden. Reiten Sie darauf zu und halten direkt vor der Stange. Zählen Sie bis 10, ohne daß Ihr Pferd zappelt. Dann lassen Sie es das erste Vorderbein über die Stange setzen, halten wieder an und zählen nochmal bis 10. Jetzt schicken Sie das zweite Bein über die Stange. So bugsieren Sie alle Beine einzeln über die Stange, und Ihr Pferd begreift, daß es nicht springen soll.

Auch Pferde, die das Stangenkreuz schnell hinter sich bringen wollen, bremsen Sie Schritt für Schritt. Das kann bei einem Dressurpferd schwierig sein, wenn es sich automatisch geschlossen aufstellen will. Lassen Sie in diesem Fall beide Vorderbeine über die Stange treten, ehe Sie anhalten – so steht das Pferd mit den Vorderbeinen auf der einen, mit den Hinterbeinen noch auf der anderen Seite. Es steht geschlossen, hetzt aber trotzdem nicht über die Stangen. Wenn Sie flüssig über die Stange reiten können, ohne daß Ihr Pferd stürmt oder stockt, legen Sie ein Kreuz – erst mit zwei Stangen, später mit vier. Ordnen Sie die Stangen so an, daß immer ein Ende am Boden liegt, das andere auf der jeweils nächsten Stange. So kann nichts wegrollen, selbst wenn das Pferd versehentlich dagegen stößt.

Zögert oder stoppt Ihr Pferd vor dem kompletten Kreuz, reduzieren Sie die
Stangen wieder auf zwei. „Reiten Sie im Zirkel um das einfache Kreuz herum, verkleinern Sie bei jeder Runde den Zirkel, bis er so klein wird, daß das Pferd über die äußeren Stangenenden drüber muß“, erklärt Marlit Hoffmann. Nachdem Sie mal näher, mal weiter weg vom Kreuz über die Stangen geritten sind, steuern Sie direkt aufs Kreuz zu – mittig und kerzengerade.

„Die meisten Reiter peilen zwar das Kreuz an, verschätzen sich aber, reiten Schlangenlinien und verfehlen die Kreuzmitte knapp“, so Hoffmann. Damit erschweren sie dem Pferd die Aufgabe nur: Es muß einen viel größeren oder zwei kleinere Schritte machen. Im Training rät Marlit Hoffmann deshalb anfangs zur Spurrille. „Ziehen Sie mit dem Fuß eine Linie in den Sand, die gerade zum Kreuz führt. Dann treffen Sie leichter die Mitte.“ Alternativ können Sie aus mehreren Hütchen oder Gummieimern eine Gasse bilden, die genau zur Mitte des Kreuzes führt. „Nehmen Sie aber bitte keine Putzeimer. Die splittern, wenn ein Pferd drauftritt“, warnt Hoffmann. „Robuster sind Maurereimer mit einem hohen Gummianteil. Entfernen Sie außerdem die Henkel, damit kein Pferdefuß drin hängenbleibt.“

Wenn Sie ein Gefühl für das mittige Anreiten entwickelt haben, können Sie die Hilfslinien nach und nach abbauen. Dann gibt es immer noch zwei Tips, die Ihnen beim Treffen helfen: Reiten Sie mindestens eine Pferdelänge vor dem Kreuz genau geradeaus. Und gucken Sie dabei vor allem geradeaus. Dann treffen auch Sie die goldene Mitte.

Fotostrecke: Bodenarbeit: Freestyle-Festival Senniana

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CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein
CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein
CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein

Fotostrecke: Training: So lernt Ihr Pferd apportieren

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Pferde trainieren Apportieren Dressur Foto: Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein

13.01.2009
Autor: Ramona Scherrer
© CAVALLO
Ausgabe 05/2006