GHP: Die 10 besten Übungen zur Geführten Gelassenheitsprüfung

Stresstest mit Luftballons

Die Geführte GHP besteht jeweils aus einer Folge von 10 Aufgaben, die sich aus sechs Pflicht- und vier variablen Aufgaben zusammensetzt. Jede GHP beginnt mit der Aufgabe „Vorstellen“. Die variablen Aufgaben werden vom Veranstalter frei aus dem unten angegebenen Aufgaben-Pool von 10 Aufgaben gewählt. Luftballons sind bunt, laut und schrecklich. Stärken Sie Ihrem Pferd die Nerven.

 

böser Luftballon
Foto: Wolschendorf GHP-Hindernis Nr. 2 „Aufsteigende Luftballons hinter der Hecke“.

Angriffslustige Luftballons verwandeln den gepflegtesten Ausritt in eine wilde Hatz, weil sie Pferden Panikattacken bescheren. Dabei stehen Luftballons stellvertretend für die Schrecken, die hinter Hecken, Büschen oder in Schrebergärten lauern. Das simuliert das GHP-Hindernis „Aufsteigende Luftballons hinter der Hecke“.

Fürs Training brauchen Sie zwei Hindernisständer und eine Stange, über die Sie eine Decke hängen – fertig ist die Hecke. Dahinter kauert ein Helfer, der plötzlich Luftballons hochhält. Je öfter Sie üben, desto gelassener wird Ihr Pferd. Weil es lernt, daß ihm an Ihrer Seite nichts passiert, bleibt es später auch in Situationen ruhig, in denen Schrecken wie Plastiktüten, Singvögel oder Schatten auftauchen.

Trainingsausrüstung: Halfter (am besten ein Knotenhalfter), Führstrick, feste Schuhe, Handschuhe. Damit sich Ihr Pferd nicht beim ersten Mal halbtot erschreckt und losreißt, gewöhnen Sie es in homöpathischen Dosen an die Ballons: Erst zeigt ein Helfer dem Pferd die (unbeweglichen) Ballons. Anschließend führen Sie das Pferd vorbei.

Sowie es ruhig bleibt, steigern Sie die Anforderungen: Rappeln Sie ein wenig mit den Ballons, berühren Sie das Pferd damit, führen Sie es so dicht wie möglich daran vorbei. Der Ballonrappler sollte dabei immer auf der Seite stehen, auf der Sie führen. So kann das Pferd Sie nicht über den Haufen rempeln, falls es sich erschreckt und zur Seite springt.

In der GHP – an der auch unerfahrene Pferde teilnehmen – sind daher alle
Schreck-Hindernisse so aufgebaut, daß sie auf der linken Pferdeseite liegen. Ziel ist natürlich, ein Pferd gleichmäßig von beiden Seiten an Schrekken zu gewöhnen. „Wiederholung ist das Zauberwort, wenn man ein instinktives Verhalten nach den eigenen Wünschen beeinflussen möchte“, sagt der Ausbilder Peter Pfister. „Immer wieder muß das Tier die Erfahrung machen, daß ihm in einer neuen Situation keine Gefahr droht.“ Und daß es dem Menschen vertrauen kann, der ihm signalisiert: Alles in Ordnung.

Auch Pfister legt Wert darauf, die Pferde nicht plötzlich mit den Luftballons zu überfallen. „Langsam anfangen“, rät er. „Als erstes zeige ich dem Pferd die Ballons. Von seiner Reaktion hängt dann das weitere Vorgehen ab.“ Bleibt der Kandidat gelassen und schaut neugierig, können Sie ihn mit den Ballons berühren. Regt sich das Pferd auf, verstecken Sie die Ballons und beruhigen das Pferd. Was Sie ihm dabei erzählen, ist egal, Hauptsache Sie bleiben gelassen und lassen sich durch Hibbelei nicht einschüchtern.

Das wiederholen Sie, bis Sie einen – und sei es noch so kleinen – Fortschritt bei der Gelassenheit erkennen. Dann loben Sie ausgiebig und geben dem Pferd frei. Entscheidend ist das richtige Timing: Wenn das Pferd ein kleines Tänzchen veranstaltet und der erfolgreich eingeschüchterte Trainer die Übung daraufhin abbricht, ist der Nutzen dahin. Das Pferd lernt nicht Gelassenheit; es lernt, daß Aufsässigkeit belohnt wird.

Das Potential der bunten Blasen ist enorm, weil sie Pferde auch an einen plötzlichen Knall gewöhnen – Schreckgeräusche ähnlich denen einer
Fehlzündung oder einem Jet, der durch die Schallmauer kracht. „In meinem Showprogramm gehen die Pferde über eine Wippe, die mit Luftballons geschmückt ist“, erzählt Pfister. „Da trifft regelmäßig Huf auf Ballon. Dann knallt’s eben.“ Zum Üben zieht Pfister im Training einen Luftballon aus der Tasche, bläst ihn auf und zeigt ihn dem Pferd. Dann läßt er ihn fliegen. Bleibt das Pferd gelassen, wenn so ein Ding fauchend kreuz und quer saust, geht Pfister einen Schritt weiter. „Ich stelle meinen Fuß auf den Ballon und laß ihn platzen. Als nächstes plaziere ich den Ballon unter
dem Huf.“

Hier finden Sie alle Infos zur GHP im Überblick:

Fotostrecke: Bodenarbeit: Freestyle-Festival Senniana

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CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein
CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein
CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein

Fotostrecke: Training: So lernt Ihr Pferd apportieren

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Pferde trainieren Apportieren Dressur Foto: Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein

29.12.2008
Autor: Redaktion CAVALLO
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Ausgabe 08/2003