GHP: Die 10 besten Übungen zur Geführten Gelassenheitsprüfung

Nicht drängeln beim Führen

Die Geführte GHP besteht jeweils aus einer Folge von 10 Aufgaben, die sich aus sechs Pflicht- und vier variablen Aufgaben zusammensetzt. Jede GHP beginnt mit der Aufgabe „Vorstellen“. Die variablen Aufgaben werden vom Veranstalter frei aus dem unten angegebenen Aufgaben-Pool von 10 Aufgaben gewählt. Sind Sie der Treibanker Ihres Pferds? Werden Sie lieber zum Kapitän.

 

Richtig führen
Foto: Wolschendorf Strick und Zügel sind lose, die Pferde gelassen.

Führsorge ist das Problem, ein Pferd von A nach B zu steuern. Oft spielt es nämlich Kapitän, befiehlt den Kurs und degradiert den Menschen zum Treibanker, der hilflos an der Leine hängt. Führen lernen gehört deshalb zur Grundschule des Pferds und wird in der GHP geprüft. Dabei müssen Zügel oder Strick leicht durchhängen. Das zeigt, ob das Pferd gehorcht.

Von vorne ist das Pferd beim Führen gerade. Ein zur Seite verbogenen Hals ist ein Zeichen für einen zu stark klammernden Menschen. Geruckel im Maul oder ständiges Zupfen am Halfter signalisieren mangelhafte Ausbildung. Zum Führen und zur richtigen Führposition gibt es verschiedene Lehren. Alle sind berechtigt, doch manche haben Nachteile, wenn Grundlagen der Führausbildung vernachlässigt werden.

So funktioniert etwa die traditionelle deutsche Methode – der Reiter hat die Zügel in der rechten Hand und führt links auf Höhe der Pferdeschulter – nur, wenn das Pferd vorher Respekt gelernt hat. Ein drängelndes Pferd läßt sich aus dieser Position schwer kontrollieren; ihre Führer wissen sich oft nicht anders als mit falschen Rukken an der Trense zu helfen.

Deshalb taugen zur Grund-Führausbildung andere Methoden besser. Sie bereiten das Pferd darauf vor, sich später aus allen Positionen steuern zu lassen. „Der Chef geht vorne. Und der wird nicht überholt“, erklärt Peter Pfister stellvertretend für viele Ausbilder. Um das zu lehren, braucht er ein Knotenhalfter und einen vier Meter langen Strick. Das reicht bereits, um Bummler, Drängler und Hibbel zu erziehen.

Am schlimmsten sind die Drängler. „Sie müssen unbedingt lernen, hinter mir zu bleiben“, sagt Pfister. Er empfiehlt, daß ein Pferd beim Führtraining zwei Meter hinter Ihnen bleibt. Dadurch sieht es Sie besser, tritt Ihnen nicht in die Hacken und hat Zeit, auf Ihre Kommandos zu reagieren. „In hartnäckigen Fällen setze ich bewußt und impulsiv meine Körpersprache ein“, sagt er artig und meint damit: „Ich jage dem respektlosen Flegel einen solchen Heidenschreck ein, daß er nie wieder wagt, mich zu ignorieren.“

Er hält mit einem Ruck, wenn das Pferd es nicht erwartet. Er stampft mit dem Bein, rammt den Absatz in den Boden, pumpt mit den Armen, reißt die Schultern hoch und bläst sich vor dem Pferd auf. „Das ist die Sprache, die freche Pferde verstehen. Sie können dabei einen solchen heilsamen Schreck bekommen, daß sie in die Knie gehen.“ Das klingt drastisch, ist aber bei verdorbenen Pferden die einzige Chace zur Korrektur.

Bei empfindsameren Naturen reicht es, sie folgen und stoppen zu lassen. „Ich gehe vor dem Pferd her, stoppe, gehe wieder los“, beschreibt Pfister. „Sowie es nicht reagiert, werde ich deutlicher, mache mich also wieder groß.“ Diese Reaktion, die das Pferd auf den Menschen aufmerksam macht, ist immer gleich, egal ob es drängelt, bummelt oder die Welt besieht. Nur dadurch nimmt es ihn ernst; nur dann gehorcht es.

Sitzt das Stoppen, lernt es die Wiege: Führen-Stoppen-Rückwärtsgehen-Führen. „Stoppt das Pferd auf Kommando, geht es zurück. Ich mache mich wieder groß, bedrohe es und gehen mit großen Schritten rückwärts auf es zu.“ Pfister rät zum Zaun, weil er den Spielraum des Pferds zur Seite begrenzt. „Das ist fast magisch, wie aufmüpfige Pferde plötzlich entspannen, auf meine Kommandos warten und richtig erleichtert sind, weil sie endlich wissen, wo sie hingehören“, beschreibt er.

Klappen diese Übungen, bekommen Sie den Gehorsam beim Traben (oder Spezialgang) geschenkt: Das Pferd achtet nun so penibel auf Sie, daß es Ihre Bewegungen spiegelt. Signale über Halfter oder Trense sind nicht mehr nötig. Das Pferd ist erzogen.

Hier finden Sie alle Infos zur GHP im Überblick:

Fotostrecke: Training: So lernt Ihr Pferd apportieren

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Pferde trainieren Apportieren Dressur Foto: Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein

Fotostrecke: Bodenarbeit: Freestyle-Festival Senniana

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CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein
CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein
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29.12.2008
Autor: Redaktion CAVALLO
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Ausgabe 07/2003