GHP: Die 10 besten Übungen zur Geführten Gelassenheitsprüfung

Stehparty: Vorstellen an der Hand

Die Geführte GHP besteht jeweils aus einer Folge von 10 Aufgaben, die sich aus sechs Pflicht- und vier variablen Aufgaben zusammensetzt. Jede GHP beginnt mit der Aufgabe „Vorstellen“. Die variablen Aufgaben werden vom Veranstalter frei aus dem unten angegebenen Aufgaben-Pool von 10 Aufgaben gewählt. So bringen Sie hibbeligen Pferden das Stillstehen bei.

 

GHP Stehparty
Foto: Wolschendorf Bei der GHP darf jeder sein Pferd nach seiner Reitweise vorstellen.

In Ruhe stehen: Eine Stehparty und die Gelassenheitsprüfung (GHP) haben vieles gemeinsam. Bei einer Stehparty hält man manierlich ein Glas und hüpft auf keinen Fall herum. Bei der GHP hält man manierlich ein Pferd, das nicht herumhüpft.

Das scheinbar leichte Stillstehen fällt vielen Pferden schwer, weil es ihnen nie richtig beigebracht wurde. Es ist aber eine Voraussetzung für ein sicheres Pferd; es zeigt, ob der Mensch Chef ist und sein Pferd richtig erzogen hat. Deshalb wird Stillstehen in der GHP zweimal verlangt: zu Beginn, wenn das Pferd den Richtern vorgestellt wird und am Ende, wenn das Pferd am losen Zügel oder Strick gelassen stehen muß, während es ein Zischen hört.

Stehtraining ist einfach, weil Sie es zu jeder Zeit an jedem Ort üben können. Als Ausrüstung brauchen Sie lediglich ein Halfter – beim sturen Dickkopf kann es zu Beginn ruhig ein dünneres Knotenhalfter sein – und einen Führstrick. Sie können mit Gerte trainieren, müssen es aber nicht, denn zum Stehtraining gibt es viele Methoden. Ihr Schema ist immer gleich.

Zuerst lernt das Pferd das Kommando „Halt“. Welches Wort Sie benutzen („Halt“, „Steh“, „Whoa“) ist völlig egal, Hauptsache, es ist immer dasselbe. Dabei müssen Sie zwei tückische Fehler vermeiden:

1. Sagen Sie nie „Halt“, wenn Sie es nicht meinen. Sowie Sie dem Pferd Zappeleien unkorrigiert durchgehen lassen, lernt es das Stehen nie.

2. Ziehen und schieben Sie nicht pausenlos an Ihrem Pferd herum. Sie sind keine Rangierlok, sondern der Boß. „Kommando, Signal, Gehorsam, notfalls Korrektur“, heißt das Trainings-Motto. Sowie sich das Pferd korrekt benimmt, lassen Sie es am losen Strick in Ruhe. Nur so lernt es, richtig von falsch zu unterscheiden (richtiges Benehmen ist angenehm, falsches Benehmen unangenehm).

Halten Sie das Pferd an: erst das Kommando, dann kurzes Zupfen am Halfter. Dauerzug ist falsch, weil er das Pferd abstumpft und ihm beibringt, Sie wegzuschleifen. Wenn Sie mit Gerte trainieren, versperren Sie dem Pferd mit dem waagerechten Gertengriff den Weg.

Stoppt es nicht oder will es Sie wegziehen, geben Sie das Kommando neu, rucken scharf und nachdrücklich am Halfter und geben dem Pferd mit dem
Gertenknauf einen Knuff vor die Brust. Das Pferd muß Sie ernst nehmen, darf Sie aber nicht fürchten. Sowie es steht, lassen Sie es deshalb in Ruhe.

Regen Sie es nicht durch eigene Unruhe oder Nervosität auf. Es darf getrost den Kopf senken, weil es sich dabei entspannt. Wichtig ist jede Korrektur: „Steh“ heißt „Steh“. Jeder Schritt nach vorne ist daher falsch. Ignoriert Sie das Pferd, will es Sie umrennen oder tanzt es um Sie herum – deutliche Zeichen für Respektlosigkeit –, richten Sie es zur Korrektur und Strafe sofort scharf zurück: Sie stehen vor dem Pferd, blasen sich groß und wichtig auf, geben Impulse auf den Nasenrücken (Training mit Halfter ist daher besser als Training mit Trense) und schlenkern notfalls das Seil. Schicken Sie das Pferd 5 bis 20 Schritte zurück. So zwingen Sie es, auf Sie zu achten und Sie ernstzunehmen.

Sowie es ruhig steht, lassen Sie es sofort wieder in Ruhe. Klappen Anhalten und Stehen, können Sie die Stillsteh-Phasen bis zu 30 Minuten ausdehnen. Pferden macht es nichts aus, auf der Koppel oder vor einem Wagen stundenlang entspannt zu warten.

Genau das bringen Sie ihm bei: Wenn Sie wollen, daß es steht, kann es entspannen – egal, was um das Pferd herum geschieht. Nehmen Sie getrost
einen Hocker und lesen eine Zeitschrift, vorausgesetzt, Sie korrigieren das Pferd sofort, wenn es den Stehplatz verläßt. Auch wenn die GHP es nicht verlangt, können Sie vom Pferd ein Stück weggehen. Erst 50 Zentimeter, dann einen Meter, dann einmal ums Pferd. Solche Übungen steigern die Gelassenheit, mit der ein Pferd stehenbleibt. Gleichzeitig pflanzen sie den Befehl „Steh“ tief ins Pferdehirn.

Steht es sicher, kommen Geräusche dazu: Sprühflaschen, Rappelsäcke – alles ist erlaubt, sofern das Pferd stehenbleibt. Schütteln Sie den Sack und korrigieren Sie sofort scharf, wenn das Pferd sich bewegt („Steh“, Ruck am Halfter, notfalls Rückwärtsrichten). Wenn das klappt, dürfen Sie sich belohnen. Wie wär’s mit einem Gläschen Sekt für Ihre ganz private Stehparty?

Hier finden Sie alle Infos zur GHP im Überblick:

Fotostrecke: Bodenarbeit: Freestyle-Festival Senniana

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CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein
CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein
CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein

Fotostrecke: Training: So lernt Ihr Pferd apportieren

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Pferde trainieren Apportieren Dressur Foto: Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein

29.12.2008
Autor: Redaktion CAVALLO
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Ausgabe 06/2003