GHP: Die 10 besten Übungen zur Gelassenheitsprüfung

Wenn das Spray zischt

Bei der Gerittenen GHP stellt der Reiter das Pferd an der Hand vor und absolviert dann im Sattel im Schritt zehn Aufgaben in einer vom Veranstalter festgelegten Reihenfolge. Er soll feinfühlig und kaum sichtbar auf das Pferd einwirken. Auch wenn ein zischendes Spray für Verunsicherung sorgt - das Pferd soll dem Reiter vertrauen.

 

GHP I - gefährliches Mähnenspray
Foto: Kuczka Pferde fürchten sich vor Sprühgeräuschen.

Das „Zscht“, das jede Sprühwolke begleitet, schlägt Mücken und Pferde meist gleichzeitig in die Flucht. Warum Pferde so empfindlich auf Insekten- oder auch Mähnensprays reagieren, weiß keiner: Manche Reiter machen das ähnlich klingende Geräusch von Schlangen dafür verantwortlich, andere verdächtigen den Sprühnebel oder den Geruch als Auslöser für Fluchtversuche.

Bei der Gerittenen Gelassenheitsprüfung für Sport- und Freizeitpferde (GHP) ist das Einsprühen mit Spray eine schwierige Aufgabe und versetzt der schon sicher geglaubten Eins öfters einen Dämpfer: Pferde, die sich daheim brav einsprühen lassen, scheuen auf dem Turnierplatz trotzdem. Deswegen muß das Sprühen ebenso wie alle anderen GHP-Aufgaben in allen Lebenslagen geübt werden; nicht nur zuhause, sondern auch in fremder Umgebung.

Bei einer GHP muß der Reiter vor der letzten Aufgabe absteigen und sein Pferd aufstellen. Dann nimmt er eine Sprayflasche in die Hand und besprüht Hals und Schulter von beiden Seiten je zweibis dreimal. Mit der freien Hand hält er die Zügel, die wahlweise auf dem Hals liegenbleiben oder über den Hals genommen werden.

Genauso können Sie bei jedem beliebigen Anlaß üben, wenn Ihr Pferd bereits fortgeschritten gelassen ist und die Prozedur am heimischen Putzplatz manierlich duldet: Steigen Sie während des Ausritts ab und besprühen Ihr Pferd mit einer mitgebrachten Sprühflasche. Bei der GHP ist die Flasche mit Wasser gefüllt, was Verhaltenstrainer Gerd Römbke aus dem niedersächsischen Isernhagen auch fürs Training empfiehlt: „Fliegen- oder Mähnenspray ist zu teuer. Außerdem schreckt schon der Geruch manche Pferde. Füllen Sie besser warmes Wasser in einen Blumensprüher.“

Das ist auch der Einsteiger-Tip bei allen Pferden, denen beim Sprühen die Nerven flattern: Warmes Wasser spürt das Pferd weniger als kaltes, es reagiert gelassener. Ein weiterer Tip: Sprühen Sie das Wasser zunächst auf die Mähne. Da kann sich das Pferd an das Geräusch gewöhnen, ohne viel zu spüren.

„Hat ein Pferd richtig Angst vor der Sprühflasche, ist der erste Schritt immer, ihm die Flasche zu zeigen“, rät Gerd Römbke. Großen Angsthasen zeigen Sie die Flasche erst leer, dann werden sie nicht durch das Geglucker erschreckt. Dann gehen Sie mit der Flasche um das Pferd, berühren es damit und lassen es immer wieder gucken. „Hüpft es weg, lassen Sie es ruhig gehen. Wenn Sie es in so einem Moment festhalten oder sogar anbinden, dann ist das Vertrauen kaputt; das Festhalten verschlimmert nur die Angst“, erklärt Römbke. „Das Vertrauen zu Ihnen muß vor diesen Übungen schon so groß sein, daß das Pferd in gefährlichen Situationen zwar wegzuckt, aber nicht kopflos davonstürmt. Fordern Sie es auf, anschließend wieder auf Sie zuzugehen und sich mit der schrecklichen Sprühflasche zu beschäftigen.“

Damit es genug Platz zum Ausweichen hat und Sie nicht hinter sich herschleift, nehmen Sie am besten einen vier bis fünf Meter langen Strick, den Sie abrollen, wenn das Pferd vor der Sprühflasche zurückweicht. Laufen Sie nicht hinterher, sondern bleiben Sie stehen. Anschließend zupfen Sie leicht am Strick, bis das Pferd wieder zu Ihnen kommt. Dann zeigen Sie ihm noch einmal die Sprühflasche.

Ist Zeigen und Abstreichen kein Problem mehr, füllen Sie die Flasche mit Wasser, packen Ihr Pferd am Strick und gehen spazieren. Nehmen Sie Ihr Pferd in die rechte, die Flasche in die linke Hand, und sprühen Sie zwischendurch unaufällig in die Luft – auf die dem Pferd abgewandte Seite. Gehen Sie unverändert weiter, atmen Sie locker und lassen die Schultern hängen. Dann versteht auch Ihr Pferd, daß keine Schlange im Gebüsch lauert.

„Viele Pferde sind im Gelände abgelenkter und nehmen das zischende Geräusch gar nicht als Gefahr wahr“, sagt Römbke. Ist Ihr Pferd im Gelände hibbelig, können Sie auch mit ihm in der Reithalle spazieren. „Aber lassen Sie mindestens zwei Hufschläge Platz zur Bande, damit es nicht an die Bande springt.“ Das erste Mal direkt ans Pferd sprühen dürfen Sie, wenn es locker neben Ihnen hergeht, während Sie häufig in die Luft sprühen. Stellen Sie die Sprühflasche so ein, daß nur feiner Nebel herauskommt, und sprühen Sie einmal kurz auf die Mähne. Anschließend gehen Sie weiter, als sei nichts geschehen. Nach ein paar Metern sprühen Sie nochmal. Wenn das Pferd gelassen weiterläuft, können Sie auch das Fell besprühen.

Klappt das, kehren Sie zum Anbindeplatz zurück. Zeigen Sie dem Pferd die Flasche, sprühen Sie in die Luft, und wenn es ruhig bleibt, auch auf das Pferd. Wenn nicht, gehen Sie einfach wieder einen Schritt zurück. Stört sich Ihr Pferd nicht am Zischen, sondern wird erst hektisch, wenn der Strahl das Fell erreicht, bürsten Sie über die Stelle erst drüber und sprühen dann. Das Bürsten desensibilisiert die Haut kurzzeitig, sie reagiert nicht mehr so empfindlich.

Bleibt es auch dann noch ruhig, wenn Sie Beine, Kruppe und Bauch besprühen, füllen Sie Fliegenmittel in die Flasche. Um es an den Geruch zu gewöhnen, tränken Sie zunächst einen Schwamm in dem Mittel und lassen das Pferd riechen. Schreckt es jetzt massiv zurück, hilft ein schlichter Marken-Wechsel zu einem anders riechenden Mittel. Bei der GHP haben Sie damit gar kein Problem. Dort wird ja nur mit Wasser gesprüht.

Hier finden Sie alle Infos zur GHP im Überblick:

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Pferde trainieren Apportieren Dressur Foto: Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein
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Fotostrecke: Bodenarbeit: Freestyle-Festival Senniana

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CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein
CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein
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14.01.2009
Autor: Redaktion CAVALLO
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Ausgabe 01/2007