GHP: Die 10 besten Übungen zur Gelassenheitsprüfung

Angst vor Regenschirmen?

Bei der Gerittenen GHP stellt der Reiter das Pferd an der Hand vor und absolviert dann im Sattel im Schritt zehn Aufgaben in einer vom Veranstalter festgelegten Reihenfolge. Er soll feinfühlig und kaum sichtbar auf das Pferd einwirken. Das gilt auch für den Fall, dass Ihr Pferd beim Ausritt vor einem Regenschirm erschrickt. Mit etwas Geduld wird es Vertrauen gewinnen.

 

CAVALLO GHP
Foto: Rädlein Achtung Schirm!

Wie wetterfest Ihr Pferd ist, prüft die Gerittene Gelassenheitsprüfung für Sport- und Freizeitpferde (GHP) mit dieser Aufgabe: Auf dem Boden liegen bunte Regenschirme, an denen Sie vorbeireiten müssen. Sobald Sie auf Höhe der Schirme sind, nimmt ein Helfer einen weiteren Schirm hoch und spannt ihn ruckartig auf. Führt Ihr Pferd jetzt einen Regentanz auf, verlieren Sie Punkte. Die Höchstnote gibt es, wenn Ihr Pferd gelassen vorbeigeht, ohne zu verspannen oder sich zu verbiegen. Gucken darf es.

Zum Üben hilft die Offensiv-Strategie: Verfolgen Sie den Schirm, statt vor ihm zu fliehen. „Ein Helfer geht dazu mit einem aufgespannten Schirm durch die Halle oder über den Platz, und Sie reiten hinterher“, rät Connemara-Züchterin und Pferdetrainerin Marlit Hoffmann aus dem hessischen Daubhausen. Anfangs bleibt der Abstand groß: „Läuft der Helfer bei A, dürfen Sie ruhig bei C reiten.“ Bleibt das Pferd ruhig, geht der Helfer langsamer, und Sie versuchen, ein Stück aufzuschließen. Läßt sich das Pferd näher an den Schirm treiben, sind Sie auf dem richtigen Weg. Sobald das Pferd zögert, behalten Sie den Abstand bei oder vergrößern ihn wieder. „Bei manchen Pferden geht dieses Spielchen fünf Runden lang, andere haben es nach wenigen Metern begriffen“, beobachtet Marlit Hoffmann.

Ist Ihr Pferd übertrieben unruhig, lenken Sie es ab, reiten Schenkelweichen oder Schulterherein, damit es sich auf Sie konzentriert. Dann merkt es auch, daß der Schirm für Sie keine Gefahr ist. „Dazu müssen Sie aber selbst ruhig bleiben. Haben Sie Angst, sprechen Sie sich selbst Mut zu. Das hilft. Und üben Sie nur allein mit Pferd und Helfer, Zuschauer bringen nur Unruhe rein.“

Wenn das Pferd zu zappelig ist und Sie zu ängstlich sind, steigen Sie ab und führen das Pferd hinterm Schirm her. Oder bereiten Sie die Übungsstunde vor, indem Sie einen Schirm in Koppel- oder Boxennähe hängen. Natürlich so, daß die Pferde nicht drankommen, den Schirm aber beobachten können. Sobald Ihr Pferd ruhig hinter dem Schirmträger herläuft, kann der Helfer kurz stehenbleiben. „Geht das Pferd nur ein oder zwei Schritte weiter, sind Sie schon auf dem Erfolgsweg“, erklärt Hoffmann. Dann wird Ihr Pferd langsam neugierig. Will es das unbekannte Objekt erst einmal kennenlernen, hat es auch keine Angst mehr davor.

„Stoppt es dagegen immer sofort, wenn der Helfer stoppt, sollten Sie noch eine Weile länger Abstand halten. Die meisten Pferde verfolgen nach kurzer Zeit brav den Schirm. Dann ist es Zeit, die Hand zu wechseln, damit es sich von beiden Seiten daran gewöhnt.
Lassen Sie den Helfer auch auf der anderen Hand immer langsamer gehen oder öfter mal anhalten. Ist der Abstand zum Helfer auf eine Pferdelänge geschrumpft, soll er auf dem dritten oder vierten Hufschlag gehen und das Pferd weiter aufrücken lassen. Irgendwann geht der Helfer auf Kopf-, dann auf Schulter-, schließlich auf Reiterhöhe.

„Je näher der Helfer ist, desto mehr muß er aufpassen. Schirme haben immer Spitzen. Kriegt das Pferd die ins Gesicht oder gar ins Auge, kann es sich schwer verletzen“, warnt Hoffmann. „Deswegen muß man den Schirm immer so halten, daß er vom Pferd wegzeigt, und die Bewegungen des Pferds im Auge behalten, damit nichts passiert.“ Ist das Pferd auch noch ruhig, wenn der Schirm auf Reiterhöhe ist, können Sie Ihr Pferd anhalten. Lassen Sie den Helfer mit Schirm ums Pferd herumgehen, in normalen Geh-Tempo und mit genügend Abstand zur Hinterhand. Klappt alles, kann der Helfer den Schirm auf Augenhöhe des Pferds langsam zuklappen. „Dann soll er Ihr Pferd damit abstreichen. Aber nicht übertrieben vorsichtig, ruhig beherzt wie mit einer Kardätsche. Sonst denkt das Pferd noch, da säße eine Fliege“, sagt Hoffmann.

Läßt das Pferd das ruhig über sich ergehen, können Sie die GHP-Prüfung aufbauen. Jetzt muß das Pferd am Helfer vorbei durch eine zwei Meter lange Gasse. Markieren Sie die Gasse mit Sägespäne, dann kann es sich nicht verletzen, wenn es aus der Gasse hüpft. Am Rand der Gasse steht ein Helfer und spannt den Schirm auf: anfangs langsam, später ruckartig. Aber niemals so, daß die Spitze das Pferd treffen könnte. Klappt das, lassen Sie den Helfer den Schirm öfter aufspannen und schließen und weitere Schirme auslegen. Wichtig ist, daß Sie auch verschiedene Farben und Größen ausprobieren. Manche Pferde bleiben bei ihrem gewohnt roten Schirm ruhig, finden blaue aber furchterregend.

Damit Sie auch die GHP bestehen, müssen Sie die Schirme jetzt noch in anderer Umgebung aufspannen: Postieren Sie Ihren Schirmhalter an einem Feldweg, und reiten Sie vorbei. Ist Ihr Pferd auch dann ruhig, lassen Sie ihn hinter einer Hecke hervorhüpfen. Und gehen Sie zur Übung ruhig mal wieder bei Regen ausreiten. Jetzt können Sie ja ganz gelassen einen Schirm mitnehmen.

Hier finden Sie alle Infos zur GHP im Überblick:

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Pferde trainieren Apportieren Dressur Foto: Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein
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CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein
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13.01.2009
Autor: Redaktion CAVALLO
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Ausgabe 09/2006