GHP: Die 10 besten Übungen zur Gelassenheitsprüfung

Die Luftballon-Überraschung

Bei der Gerittenen GHP stellt der Reiter das Pferd an der Hand vor und absolviert dann im Sattel im Schritt zehn Aufgaben in einer vom Veranstalter festgelegten Reihenfolge. Er soll feinfühlig und kaum sichtbar auf das Pferd einwirken. Mit Schenkelweichen und einem mutigen Kumpel lotsen Sie das guckigste Pferd an der Luftballon-Hecke vorbei.

 

CAVALLO GHP
Foto: Rädlein Der Heckenschreck.

Der Heckenschreck ist bunt und rund. Er liegt geduldig auf der Lauer, bis ein Pferd vorbeikommt. Dann flattert und knattert er ihm direkt vor die Nase. Die vierte Aufgabe der Gerittenen Gelassenheitsprüfung läßt Luftballons hinter Hecken steigen und symbolisiert alles, was im Gelände plötzlich aus dem Hinterhalt springt – Vögel, Hunde, Mountainbiker.

Damit Ihr Pferd dabei nicht in die Luft geht, wenden Sie am besten die Salami-Taktik an: „Scheibchen für Scheibchen gewöhnen Sie Ihr Pferd an das Schreckliche“, empfiehlt Kiki Kaltwasser, Pferdetrainerin aus Bad
Godesberg. Erst konfrontieren Sie das Pferd mit nur einem Luftballon. Lassen Sie es schnuppern, berühren Sie es damit, lassen Sie den Ballon auch mal fallen. Dann binden Sie einen zweiten Ballon dran und zeigen das Bündel dem Pferd, schütteln, rascheln, wedeln und werfen es in die Luft.

„Hat Ihr Pferd seine Scheu vor den Ballons verloren, blasen Sie einen auf und lassen ihn los. Der fegt unkontrolliert davon. Wenn das Pferd sich dabei nicht erschrickt, können Sie problemlos die GHP-Aufgabe aufbauen“, rät Kiki Kaltwasser. Die Hecke simulieren Sie mit zwei Hindernisständern und einer Hindernisstange. Über der Stange hängen zwei Decken, die bis zum Boden reichen.

Hinter die Hecke setzen Sie einen Helfer, der mit einem Luftballon bewaffnet ist. Wenn Sie sich am Boden sicherer fühlen als auf dem Pferd, führen Sie es zunächst vorbei und sitzen erst auf, wenn es ein paarmal ruhig an der Hecke vorbei ging. Beim ersten Durchgang soll der Helfer den Ballon nur hochhalten, so daß das Pferd ihn von weitem sieht. Klappt das, kann er ihn erst sachte hin und her bewegen, später schneller wedeln.

Geht das Pferd ohne zu scheuen vorbei, bindet Ihr Heckenschütze wie bei der GHP fünf bis sechs Luftballons an eine Gerte und läßt sie plötzlich hinter der Hecke vorschießen. Wenn Sie vorher alles Schritt für Schritt übten, dürfte Ihr Pferd jetzt nur kurz zucken. Mit etwas Übung verschwindet auch die letzte Nervosität, und es läuft ruhig und spurtreu weiter.

„Klappt es nicht, lassen Sie Ihr Pferd zu den Luftballons gucken. Da müssen Sie aber ein bißchen experimentieren“, erklärt Kaltwasser. „Manche Pferdetypen gucken der Gefahr lieber ins Auge, andere gucken weg. Wird Ihr Pferd zu unruhig, wenn es die Ballons anschaut, stellen Sie es mit Kopf und Hals in die andere Richtung. Achten Sie aber darauf, daß es an den Luftballons vorbeiläuft und nicht zu weit ausweicht.“

Regt Ihr Pferd sich trotzdem auf, üben Sie an den Luftballons Schenkelweichen. „Dann muß es sich auf seine Füße konzentrieren und starrt nicht nur die Ballons an.“ Klappt das ein paar Mal, können Sie versuchen, es wieder geradeaus vorbei zu reiten. „Am besten bereiten Sie es durch viele Bahnfiguren in neutraler Umgebung vor, so daß es gut an den Hilfen steht und nicht steif aus dem Stall an den Ballons vorbei muß“, rät Kaltwasser. Immer wenn es vor den Luftballons ausweicht, müssen Sie gegenhalten und mit dem Schenkel den Fluchtweg versperren.

In der Gelassenheitsprüfung kommen die Ballons immer von links. Beim Üben sollten Sie Ihr Pferd freilich in beiden Richtungen an der Hecke vorbei reiten. „Geben Sie nicht auf, bevor es nicht manierlich daran vorbei gegangen ist“, warnt Kaltwasser. Erschrickt es, schrauben Sie die Anforderung zurück und hören auf der Schwierigkeitsstufe auf, bei der es gut geklappt hat. Natürlich können Sie die Übungen auch auf mehrere Tage verteilen.

Fürchtet sich Ihr Pferd trotz behutsamer Vorbereitung immer noch vor den bunten Ballons, schicken Sie seinen Kumpel vor. Hinter einem erfahrenen Pferd geht fast jeder Hasenfuß an der Gefahrenquelle vorbei. Er wird beim ersten Mal noch gucken oder tänzeln. Bleibt der Mutige aber gelassen, wird auch der Hasenfuß begreifen, daß hinter der Hecke harmlose Luftballons warten.

Wenn alles klappt, variieren Sie Ort und Aufbau, um die gelernte Gelassenheit zu festigen. Garnieren Sie die Hecke mit andersfarbigen Decken, bauen Sie sie statt auf dem Reitplatz auf der Koppel auf. Sie können Ihren Helfer auch hinter echten Hecken, Haus-Ecken oder Bäumen verstecken. Am besten, Sie üben in alltäglichen Situationen. All dies härtet Ihr Pferd ab – gegen kläffende Hunde auf fremden Turnierplätzen, gegen Kindergewusel im Stall oder Vögel im Wald.

Fotostrecke: Bodenarbeit: Freestyle-Festival Senniana

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CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein
CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein
CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein

Fotostrecke: Training: So lernt Ihr Pferd apportieren

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Pferde trainieren Apportieren Dressur Foto: Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein

13.01.2009
Autor: Redaktion CAVALLO
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Ausgabe 07/2006