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Kappzaum-Messung: Wie viel Kraft wirkt an der Longe auf die Nase?
Kleine Auflage - hoher Spitzendruck
Einfache Regel: Je punktueller ein Kappzaum aufliegt, desto mehr Kraft wirkt auf einzelne Punkte.
Der maximale Druck auf einem Quadratzentimeter liegt beim Wiener Kappzaum trotz höchster Zugkräfte an der Longe nur bei etwa 300 Gramm. Beim Deutschen sind es mit knapp 600 Gramm schon deutlich mehr. Die ungepolsterten kommen auf maximal 800 (Lederkappzaum), 900 (Serreta) und bis zu 1000 Gramm (Caveçon) pro Quadratzentimeter.
Auch die Druckbilder (siehe Tabelle) zeigen, dass der Wiener Kappzaum den Druck breiter auf der gesamten Pferdenase verteilt als jeder andere. Bei Caveçon und Serreta sind nur relativ kleine Druckflächen zu sehen; die restlichen Messpunkte bekommen keinen Druck.
Babette Teschen sieht ihre Ausrüstungsempfehlung durch die Messung bestätigt: „Für eine effektive Arbeit an der Longe ist ein weich gepolsterter Kappzaum mit gut sitzendem Naseneisen optimal.“
Zwar könne man mit schärferen Werkzeugen Pferde leichter unter Kontrolle behalten. Aber Gymnastik mit Genickstellung und Biegung sei so nur schwer realisierbar. Zumal viele Pferde nur ungern an einen scharfen Kappzaum herantreten und keine Anlehnung anbieten. „Unerfahrene Pferde halten zwar oft den Hals hin, bleiben aber im Genick fest“, beobachtet die Ausbilderin.
Serreta und Co. sind durchaus mit Kandaren vergleichbar: „Es sind feine Werkzeuge für weit ausgebildete Pferde und Reiter. Wer an der Longe noch die Grundbegriffe erarbeitet, sollte daher genauso wenig zur Serreta greifen, wie er beim Anreiten eine Kandare einschnallen würde“, rät Teschen.
Wie recht sie damit hat, zeigen die Messungen mit dem zweiten Testpferd. Der fünfjährige Hannoveraner Ronaldo soll dasselbe Programm wie Pepe absolvieren, einmal mit Deutschem Kappzaum und einmal mit Serreta. Der schlaksige Wallach ist an der Longe noch längst nicht so sicher und ausbalanciert wie sein Kollege. Bewusst bereitet Babette Teschen ihn nicht wie gewohnt durch Gymnastik am Boden auf seine Aufgabe vor, sondern schickt ihn gleich auf den Zirkel. Ronaldo reagiert wie erwartet: Er schwankt, eiert und wird hektisch. Schritt geht er kaum, immer wieder galoppiert er an und drängt nach außen.
Die Zugkräfte bei diesem Spektakel, das in vielen Reithallen sogar noch mit Trensengebiss zu besichtigen ist, sind hoch. „Mit Deutschem Kappzaum liegen sie deutlich über dem vom Sensor erfassten Kraftmaximum von etwa 8,5 Kilo“, sagt Parvis Falaturi. Er schätzt, dass sich manche Kraftspitze bis zu 10 Kilo bewegt haben könnte. Auch an der Serreta reicht Ronaldos Kurve manchmal über den Messbereich hinaus, allerdings nur wenig. Biomechaniker Falaturi geht von Maximalwerten um die 8,5 Kilo aus.



