Pferderecht: Keilerei im Stall - Wer zahlt den Schaden?

Die Versicherungen pochen auf Abzüge

Wenn Pferde sich im Offenstall oder auf der Koppel streiten, fliegen die Fetzen. Das kann teuer werden. Wer zahlt die Tierarztrechnung?

Auf finanzielle Abzüge pochen jedoch in der Regel die Tierhalterhaftpflicht-Versicherer, wenn sie Tierarztrechnungen begleichen sollen. Die klassische Formulierung: Der Halter des verletzten Pferds müsse sich die typische Tiergefahr seines eigenen Pferds anrechnen lassen. Will heißen, man geht davon aus, dass auch das verletzte Tier am Streit beteiligt und nicht nur unschuldiges Opfer war.

Die Quittung für den mutmaßlichen Mittäter: Ein Abzug von mindestens einem Viertel der Kosten, teilweise sogar die Hälfte. Das Oberlandesgericht Köln erteilte einer solchen pauschalen Minderung des Anspruchs allerdings eine Absage. Die Beklagte hatte zwar ebenfalls behauptet, der Wallach habe ihre Pferde womöglich zum Spielen aufgefordert und sei dann im Zuge einer Rangelei verletzt worden – doch die Richter hielten dies für reine Spekulation. Konkrete Anhaltspunkte, dass es sich tatsächlich so abgespielt hatte, gab es nämlich nicht.

Der Betreiber eines Pensionsstalls ist der zweite Kandidat, der womöglich für die Folgen von Keilereien einzustehen hat. Gerichte, die den Pferdepensionsvertrag als Verwahrungsvertrag werten, dürfen die Messlatte niedrig anlegen. Hauptleistungspflicht des Verwahrers ist die Obhut über das Pferd; er muss dafür sorgen, dass es dem Tier gut geht und es sicher untergebracht ist. Stellt er unverträgliche Pferde einfach zusammen auf die Weide oder lässt notorische Schläger in der Offenstallherde dürfen die Tierarztrechnungen auf sein Konto gehen.

Nichts zahlen musste dagegen die Stallbesitzerin im Fall des Shettys, das den Araber durch den Auslauf getrieben hatte. Denn die Frau hatte aus Sicht des Gerichts beim Eingliedern des Arabers nichts falsch gemacht. Mehrfach habe sie den Wallach vorab mit anderen Pferden der Herde zusammengeführt; am fraglichen Morgen sei er sukzessive mit den Herdenmitgliedern konfrontiert worden. Die Frau habe sich in der Nähe aufgehalten, so dass sie jederzeit kurzfristig hätte eingreifen können. Ein Sachverständiger bestätigte zudem, dass es für die Stallbetreiberin keinen konkreten Anlass gegeben habe, die Eingliederung des Arabers zeitlich zu strecken oder sie an diesem Tag abzubrechen. Denn das Verhalten von Wallach und Pony sei normal gewesen.

Tipp:
Jeder Pferdebesitzer sollte eine Tierhalter-Haftpflichtversicherung haben. Bevor Sie einen Vertrag abschließen, sollten Sie verschiedene Angebote einholen. Wichtig: Verständigen Sie im Schadensfall umgehend Ihre Versicherung.

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Autor: Redaktion CAVALLO/Linda Krüger
© CAVALLO
Ausgabe 05/2011