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Kappzaum-Messung: Wie viel Kraft wirkt an der Longe auf die Nase?
Spitzen erreichen die Nase nur einmal
Auf der Nase werden Gesamtkräfte von maximal 4,1 Kilo (Deutscher Kappzaum) und 3,6 Kilo (Serreta) gemessen. Allerdings wird der Spitzenwert mit dem Deutschen Kappzaum nur einmal im Verlauf der gesamten Messung erreicht.
Die meisten Gesamtdruckspitzen der Kurve kratzen nicht einmal an der 700-Gramm-Marke. Auch der Druck pro Quadratzentimeter ist beim Deutschen Kappzaum über fast die gesamte Messdauer mit maximal etwa 250 Gramm recht niedrig. Der Maximalwert von 1,1 Kilo wird nur einmal in gut drei Minuten erreicht.
Der höchste punktuelle Druck der Serreta übersteigt mit 1,2 Kilo pro Quadratzentimeter den Wert des Deutschen Kappzaums kaum. Allerdings wird dieser Wert in den letzten zwei Dritteln der Messung regelmäßig erreicht. Die insgesamt gemessene Kraft steigt in dieser Zeit immer wieder auf 2 bis 3 Kilo an.
Ein wichtiger Aspekt für die Kappzaumwahl hat nur am Rande mit dem Druck auf der Pferdenase zu tun. „Kappzäume ohne stabiles Naseneisen bewegen sich auf der Nase wesentlich stärker seitlich, als wenn Bügel den Sitz stabilisieren“, sagt Babette Teschen. Kommt zu viel Zug auf die Longe, verdreht sich der Zaum und kann dem Pferd auf der äußeren Kopfseite ins Auge rutschen. Im Experiment trug deshalb nur das erfahrene Pferd flexible Kappzäume, von denen Teschen für die Longenarbeit generell abrät.
Ansonsten zeigt die Messung, dass die allgemeine Auffassung über Kappzaum-Wirkungen stimmt: Schmale, harte Nasenteile wirken schärfer als breite, weich gepolsterte – egal ob flexibel oder nicht. Klar ist damit, dass vermeintlich leicht Kappzäume die Pferdenase beim Longieren nicht entlasten, sondern tatsächlich belasten.
Allerdings sind Serreta, Caveçon und Co. deswegen nicht gleich ein Fall für den Tierschutz. Zumindest, solange die Nasenteile nicht schon bei geringem Zug Verletzungen verursachen, wie das bei der in Spanien gebräuchlichen gezackten Serreta der Fall ist.
Sachgemäß verwendet, können sie sehr nützlich sein, zum Beispiel beim Reiten: Sowohl auf der Iberischen Halbinsel als auch in der klassisch-barocken Ausbildung werden diese Kappzäume oft für den Übergang zur Kandare eingesetzt. Auch bei der Boden-, Doppellongen- und Handarbeit leisten sie gute Dienste. An der einfachen Longe sollten Sie zum Wohle Ihres Pferds aber zur besser gepolsterten und hierzulande bewährten deutschen Variante greifen.



