GHP: Die 10 besten Übungen zur Gelassenheitsprüfung

Das Aufsteigen und Vorstellen

Bei der Gerittenen GHP stellt der Reiter das Pferd an der Hand vor und absolviert dann im Sattel im Schritt zehn Aufgaben in einer vom Veranstalter festgelegten Reihenfolge. Er soll feinfühlig und kaum sichtbar auf das Pferd einwirken. Die Prüfung beginnt mit einem kurzen Vorstellen des Pferds vom Boden aus.

 

Flasches Aufsteigen
Foto: Kuczka Wer sich so von unten aufs Pferd hangelt, verdreht ihm die Wirbel und verzieht den Sattel.

Vor das Reiten haben die Götter das Aufsteigen gesetzt. Dieser scheinbar so banale Akt sorgt in der Praxis für Ärger und Erheiterung: Die Pferde stehen nicht still, der Reiter hüpft mit einem Fuß im Steigbügel hinterher, manche Tiere drehen sich wie Kreisel, und so mancher stürzt beim Hochhieversuch samt rutschendem Sattel ab.

Was nutzen die schönsten Galoppwechsel, wenn solche Grundlagen bei Pferd und Reiter nicht sitzen? Um das zu ändern, gibt es seit Anfang dieses Jahres die Gerittene Gelassenheitsprüfung, eine Weiterentwicklung der geführten GHP.

Auch diese Prüfung wurde von CAVALLO zusammen mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) entwickelt, um mehr Sicherheit und bessere Horsemanship beim Reiten zu erreichen.

Die Prüfung beginnt mit einem kurzen Vorstellen des Pferds vom Boden aus. Es folgt ein kurzes Vortraben an der Hand (bei Gangpferden ist auch Tölt oder Walk erlaubt), bei dem die Richter auf mögliche Lahmheiten achten. Dann muß der Mensch aufs Pferd. Diese erste Aufgabe prüft, ob Sie per pferdefreundlicher Aufstieghilfe von links auf Ihr gelassen stillstehendes Pferd kommen.

Im Idealfall sieht das so aus: Das Pferd wird mit heruntergelassenen Bügeln neben die Aufsitzhilfe geführt und steht still, bis der Reiter im Sattel sitzt und das Kommando zum Antreten gibt. Negativ bewerten die Richter ein unruhiges Pferd, das nicht stillsteht, vor der Aufsitzhilfe Angst hat oder immer wieder um sie herumkreist.

Die Aufsitzhilfe schont das Pferd. Steigt der Reiter vom Boden auf, hängt er mit seinem Gewicht seitlich am Pferd und bringt es aus der Balance. Gleichzeitig dreht sich der Sattel dadurch um den Schwerpunkt des Pferds und verdreht dessen Wirbel. Das tut dem Pferd weh und kann im Rücken zu Blockaden oder Lahmheiten führen.

Der Übeltäter ist die Hebelwirkung: Der Hebel reicht vom Schwerpunkt des Reiters in Bauchnabelhöhe zum Schwerpunkt des Pferds (etwa 30 Zentimeter unter der Wirbelsäule). Je weiter der Reiterschwerpunkt von dem des Pferds entfernt ist, desto länger wird der Hebel, der dem Pferd die Wirbel verdreht.

Steht der Reiter auf einer Aufsitzhilfe, ist sein Bauchnabel etwa auf Höhe des Pferdeschwerpunkts. Steigt er auf, verdreht er die Wirbel des Pferds deutlich weniger. Je näher der Reiter am Pferd steht, und je weniger Schwung er nimmt, desto geringer ist die Hebelwirkung.

Das funktioniert freilich nur, wenn das Pferd in jeder Situation bombensicher stillsteht. Das kann mal in der Reithalle sein, wo man sich vom Hocker in den Sattel schwingt. Es ist aber auch im Gelände unerläßlich, wenn man nach einer Rittpause von einem Stein oder Baumstumpf zurück aufs Pferd will. Um das zu trainieren, üben Sie mit ständig wechselnden Aufsitzhilfen im Alltag: Nehmen Sie mal einen grünen Hocker, dann einen gelben Stuhl, sitzen Sie mal von der Mauer, mal von einer Kiste, mal von rechts und mal von links auf. Wechseln Sie die Orte. Steigen Sie während eines Ausritts ab und von einem Baumstamm wieder auf. Bevor Sie sich an verschiedene Aufsitzhilfen wagen, muß Ihr Pferd gelernt haben, am gewohnten Hocker ruhigzustehen und zu warten, bis Sie oben sitzen.

Bringen Sie ihm vom Boden aus bei, daß es auf „Steh“ stehenbleibt – überall und egal in welcher Situation. Will es sich bewegen, korrigieren Sie sofort und dirigieren es wieder an den ursprünglichen Platz zurück. Loben Sie, wenn es brav steht. Klappt das, können Sie als nächstes einen Hocker daneben und sich drauf stellen – und das Pferd jedesmal zurückschieben, wenn es sich bewegen will.

Damit Sie nicht bei jedem Schritt des Pferds vom Hocker fallen, können Sie ihm beibringen, sich in die richtige Position dirigieren zu lassen. Dazu muß es die Vor- und Hinterhandwendung vom Boden aus beherrschen; und zwar auch auf Sie zu, nicht nur von Ihnen weg. Eine gute Vorbereitung sind Schenkelweichen und Schulterherein, bei denen das Pferd lernt, zu weichen und seitlich auf Sie zuzukommen. Dazu legen Sie die Gerte diagonal über den Rücken und geben die Hilfe dort, wo sonst der Schenkel liegt.

Klappt das Seitwärtsgehen auf Sie zu, können Sie nach dem gleichen Prinzip versuchen, die Hinterhand und später die Vorhand auf sich zuzubewegen. Schließlich können Sie sich dazu auch auf die Aufsitzhilfe stellen und mit der Gerte die gleiche Stelle antippen wie von unten. Später lassen Sie die Gerte weg – sie ist in der GHP ohnehin nicht erlaubt – und deuten nur noch mit der Hand an die Stelle.

Stellt sich Ihr Pferd auf Kommando an die Aufsitzhilfe und läßt sich dort auch hindirigieren, wenn es vorher falsch geparkt hat, üben Sie an jedem denkbaren Ort weiter. Läßt sich Ihr Pferd so leicht an Aufsitzhilfen führen wie an die Futterschüssel, haben Sie Ihr Ziel erreicht: Ihr Pferd wird Sie in der GHP nicht einsam auf dem Hocker stehen lassen.

Fotostrecke: Training: So lernt Ihr Pferd apportieren

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Pferde trainieren Apportieren Dressur Foto: Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein

Fotostrecke: Bodenarbeit: Freestyle-Festival Senniana

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CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein
CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein
CAVALLO Bodenfreestyle Foto: Rädlein

13.01.2009
Autor: Redaktion CAVALLO
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Ausgabe 04/2006