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Aller Anfang ist schwer
Fahdanes und Jnines Ausbildung beginnt mit ersten Überraschungen: Der eine rennt, der andere reißt den Kopf hoch.
- 1
- 2Experiment dauert Monate
- 3Boden- und Handarbeit für Wüstenpferde
- 4Star oder Korrekturpferd
- 5Trainingspausen müssen auch sein
- 6Alles geht etwas langsamer
Kaum steckt der erste Fuß im Bügel, schießt das Pferd los, als ob es die Deutsche Meisterschaft beim Reitplatz-Rasen gewinnen will. Birgit Dresel kann sich gerade noch in den Sattel schwingen. Bis die Schrecksekunde überwunden ist, hat der wildgewordene Wallach schon eine halbe Galopprunde ab solviert.
Das gehört zu den Abenteuern einer Ausbildung der besonderen Art. Der ungestüme Renner ist Jnine (sprich „Schenin“), einer der beiden Araber-Berber, die CAVALLO für ein Trainings-Experiment von Dr. Susanne Geipert erwarb. Die erfahrene Araber-Berber-Züchterin suchte die Pferde im nordafrikanischen Königreich Marokko aus und transportierte sie in ihr hessisches Araber-Berber-Gestüt Azzayani (www.araber-berber.de).
Nach kurzer Eingewöhnung reisten der fünfjährige Jnine und der neunjährige silberne Fahdane weiter zu Gangpferdetrainerin Birgit Dresel auf deren Tennessee-Walker-Gestüt. Sie soll die Pferde ausbilden und feststellen, ob in ihnen verborgene Gangtalente wie beispielsweise Tölt schlummern.
Beim ersten Aufsteigen weckt sie erst einmal Jnines schlummerndes Renntalent. Schließlich sollte der junge Hengst in Marokko eine Sportkarriere einschlagen und wurde von einem Rennpferdetrainer ausgebildet. „Die Prozedur – also losrennen,sowie ich mich in den Sattel schwang – wiederholte er dreimal“, erzählt Birgit Dresel, „auch als Profi hat man dabei ein mulmiges Gefühl.“
Die Redaktion hat sich mit dem losrennenden Ex-Hengst Jnine und dem neunjährigen Ex-Hengst Fahdane bewußt zwei komplexe Fälle ausgesucht, um die kleinen Stufen und großen Tücken eines Trainings zu dokumentieren, bei dem die Pferde eine ganz neue Reiterei lernen. Dem auffällig hübschen Fahdane zum Beispiel wurde als Fantasiahengst vorrangig das temperamentvolle, ausdrucksvolle Tänzeln und das Galoppieren fast auf der Stelle beigebracht.
Wohlhabende Marokkaner zahlen für solche Pferde selbst nach deutschen Maßstäben hohe Preise; im Königreich gelten sie genau wie der gute alte Mercedes-Diesel als Statussymbol. Über europäische Reitkultur würde ein Marokkaner mitleidig den Kopf schütteln. Er thront mit kurzen Bügeln auf einem kostbaren Sattel und beweist, daß ein gutes Pferd ein schnelles Pferd ist: Wenn er aufsitzt, muß es notfalls aus dem Stand lospreschen. Zu dieser Reitweise gehört auch der hochgetragene Kopf; ein in Dehnungshaltung gerittenes Pferd ist in Marokko unbekannt.
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21.06.2009
© CAVALLO Ausgabe 10/2003
Autor: Ulrike Dobberthien
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