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Riegeln bis zum Sieg
Heute riegelt und schnürt man Tiere oft zum Sieg. „Es ist vielfach eine so grobe, gedankenlose Reiterei. Pferde sind in dem Moment nur noch Mittel zum Zweck“, klagt Dressurreiterin Christine Stückelberger, Vorsitzende des Vereins Xenophon zur Förderung klassischer Reitkunst.
- 1Am längeren Hebel
- 2
- 3Pferde blind und hilflos machen
- 4Faires Verhalten: Reiter haben Nachholbedarf
- 5Ehrgeiziger Nachwuchs: Auch Kinder reiten aggressiv
- 6Pferde nicht zu Leistungen zwingen
- 7Ein bekanntes Problem: Rollkurreiter zur Rede gestellt
- 8Erlernte Hilflosigkeit - Pferde schalten ab
- 9Pferde sollen lernen nicht leiden
- 10CAVALLO Experten-Team
- 11Kommentar von Christine Felsinger
Christine Stückelberger prangert an, dass verängstigte Pferde von der Schulstunde bis zur Sportspitze erschreckend alltäglich sind. „Es fällt nur keinem auf, weil es so normal ist.“
Das zeigt ein beliebiger Tag bei einem Turnier irgendwo in Westeuropa; jenem Teil der Welt, der sich als Wiege klassisch-feinen Reitens versteht. Auf dem Mannheimer Maimarktgelände zum Beispiel wettkämpften im Mai Springreiter aus aller Welt sowie international dekorierte deutsche Dressurreiter.
CAVALLO nahm dort am Samstag, 5. Mai 2007, den Abreiteplatz ins Visier.
Es war immerhin die Generalprobe zur Spring-Europameisterschaft im August. Trotzdem beschwerten sich weder Richter noch Zuschauer über Hunderte übler Szenen, die sich in Fotospeicher, Videos und Gedächtnis des Redaktionsteams brannten.
Die Bilder passen in kein Lehrbuch. Einen Teil davon zeigt diese Geschichte: Ziehen an scharfen Gebissen. Extremes Verbiegen des Halses im falschen Moment. Engmachen in den Ganaschen, bis die Ohrspeicheldrüsen hervorquellen. Widersprüchliche Hilfen, hebelnde Gebisse, knebelnde Hilfszügel. Versammlung aus Verspannung, die steife Rücken, Buckeln oder Schwebetritte provoziert.
Pferde geraten außer Takt, drücken den Unterhals heraus oder müssen ihn knalleng aufrollen. Was neuerdings als Rollkur Schlagzeilen macht, ist in Wahrheit uralt und hieß früher „Brustbeißen“: Am Beispiel von Alwin Schockemöhles Springpferd Donald Rex schilderte Horst Stern 1974 in seinen „Bemerkungen über Pferde“, wie die Fluchttiere damit bewusst blind und hilflos gemacht werden.
Blind scheinen auch Reiter, Zuschauer und Richter, die diese Technik immer noch als Gymnastik verharmlosen. Horst Stern, der heute 84 Jahre alt ist und sich in Bayern versteckt, würde bei Turnieren wie in Mannheim zahllose Dejà-vus erleben.
Beobachtungen auf dem Mannheimer Maimarkt Turnier 2007
Dr. Gerd Heuschmann: Das Pferd wird im Rücken blockiert und muss sich gegenstemmen, um das Flexen verarbeiten zu können. Das bereitet ihm Schmerzen und läuft jedem Muskeltraining zuwider.
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28.06.2009
© CAVALLO Ausgabe 07/2007
Autor: Christine Felsinger
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