Große Schleppjagd in Bayern

Traditionelle Herbstjagd auf Herrenchiemsee


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CAVALLO Jagdreiten Schleppjagd Herrenchiemsee
Foto: Olaf Ulrich

Die Jagdgesellschaft vor dem Schloss von Ludwig II von Bayern.

Die weit über tausend Zuschauer aus aller Welt fühlten sich in höfische Zeiten versetzt: Jagdhornklänge und Hundegebell, das Donnern der Hufe und das Schnauben der Pferde – und eine Jagdgesellschaft, die durch die Farben des Altweibersommers auf der Königsinsel im Chiemsee galoppiert.

Der Jagdherr und Organisator, Hans-Wolfgang Ziegler,hat 65 Amazonen und Reiter zur 52. Jagd auf Herrenchiemsee am 10. Oktober 2009 eingeladen. Längst zählt die Jagd zu den schönsten und begehrtesten Jagdveranstaltungen. Und so erhöht sich von Jahr zu Jahr die Anzahl der Jagdfreunde, die von weither anreisen.

Ab 7 Uhr setzt die Fähre die Gespanne im 25-Minuten-Takt über. Reiter und Gäste erwartet das Frühstück, ein schönes Miteinander beim Eintrag ins Jagdbuch und der Begrüßung des Jagdherrn. Dann rufen die Hörner der Bläser „Bien Aller de Baviere“ zum Stelldichein um 11 Uhr vor der Kapelle des Alten Schlosses.

Es ist ein bewegendes Bild, wenn die Reiter im Halbkreis Aufstellung nehmen, Equipage und Hundemeute eintreffen. Ziegler begrüßt die Jagdgesellschaft, die Ehrengäste und die vielen Zuschauer.

Nach der traditionellen Segnung von Reitern und Tieren, der obligatore Bügeltrunk und der bayerische Jagdruf von Master Toni Wiedemann: „Auf die Pferde. Auf die Hunde. Auf die Jagdreiterei in Bayern. Gute Jagd.“ Festschnallen der Helme, vorwärts zum ersten Aufgalopp. Die Zuschauer besteigen die Kutschen oder machen sich –hinter einer bayerischen Fahne– auf den Weg zu den ersten Sprüngen.

Es ist die 52. Jagd der Nachkriegszeit und die 20. Jagd hinter der Meute des Schleppjagdvereins von Bayern. In dieser Form wird die kulturelle Tradition der Wildjagd fortgeführt, die in Bayern im 18. Jahrhundert mit dem am Hofe des französischen Sonnenkönigs (Ludwig XIV) erzogenen Kurfürsten Max Emanuel begann.

Aus der klassischen Hirschjagd zu Pferde (chasse a courre), wie sie noch heute in Frankreich gepflegt wird und dem englischen Foxhunting entstand die deutsche Schleppjagd. Das Zeremoniell und die Jagdsignale sind weitgehend französisch, das sportlich schnelle Galoppieren über die Hindernisse ist von England übernommen; der Jagdbruch beim Halali der „grünen Jagd“ entlehnt.

„Herrenchiemsee“ versteht sich, vielleicht mehr als viele andere, als Bewahrer kulturelle Tradition und Brauchtums in der Nachahmung der Hetzjagd mit Hunden auf Wild. Diese Jagd auf Herrenchiemsee stellt seit jeher erhöhte Anforderungen an Pferd und Reiter. Die diesjährige Jagd hat diesen Anspruch einmal mehr bewiesen.

Dabei steht die sportliche Herausforderung nicht im Vordergrund, sondern das gemeinschaftliche Jagderlebnis, bei dem die Hunde die Hauptaktuere sind. Deshalb wird von den Teilnehmern erwartet, dass sie sich den Sitten und Gebräuchen anpassen. Einschließlich Kleidung, versteht sich.

Der prinzipielle Ablauf hat sich bewährt, gleichwohl variiert Dr. Rainer Grassler jedes Jahr das Geläuf und die Hindernisse. Acht Schleppen, dazwischen am Mittag der Imbiss, bei dem Reiter und Gäste sich zu einem schönen Miteinander finden.

Zu den beiden letzten Schleppen, springt die Jagdgesellschaft in die Alleewiese vor dem Schloss ein, erwartet von den Zuschauern. Über fünf Hindernisse in den See – und in einer Linie zurück zum Schloss unter begeistertem Beifall. Die Reiter nehmen die Helme ab, ziehen den rechten Handschuh, die Hunde werden mit Rinderpansen „genossen gemacht“ (als belohnender Ersatz für den Wildaufbruch). „Waidmannsheil – Waidmannsdank“ – strahlende Augen, wenn der Jagdherr Hans-Wolfgang Ziegler mit dem Eichenbruch und der Erinnerungsschleife die Reiter ehrt und der Master den Jagdknopf überreicht.

Die Jagd auf Herrenchiemsee ist auch immer ein gesellschaftliches Ereignis, das für viele schon in der Vorwoche beginnt. Angesiedelt auf einem der schönsten Plätze in Bayern und ein ideales Reiterparadies: Gut Ising am Chiemsee. Der Höhepunkt ist das Diner nach der Jagd mit anschließendem Tanz. Wenn sich am Sonntag Reiter und Gäste verabschieden, nehmen sie die Erinnerung mit an eine wunderbare Veranstaltung des „Sports in Rot“.

Autor: Redaktion CAVALLO/Diana Erhard
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