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Berni Zambail: Natural Horsemanship leicht gemacht
Berni Zambail (52) aus Hallau/Schweiz ist Vier-Sterne-Senior-Instruktor nach Pat Parelli. Seit 1991 trainiert er das PNH-System des Amerikaners. Daneben nimmt er klassischen Dressurunterricht bei Bent Branderup, Oliveira-Schüler Michel Henrigues und anderen. So verbindet Zambail die Grundsätze der Légèreté mit Natural Horsemanship.
- 1Die Drahtzieher
- 2Kleine Typenlehre: Diese Lern- und Charakter-Typen unterscheiden die Trainer
- 3Honza Blaha: Genie mit eigener Methode
- 4Peter Pfister: Das AVSK-Prinzip
- 5Dr. Christine Konrad: Klassische Zirkusdressur
- 6Franco Gorgi: Sozialpädagoge am Pferd
- 7Hans-Jürgen Neuhauser: Ganzheitlich Reiten mit Körpersprache
- 8
Konzept
Parelli Natural Horsemanship (PNH) umfasst Sieben Spiele, die Berni Zambail jedoch nicht starr verfolgt. Durch seine umfassende Ausbildung kann er Pferde gut analysieren, ihre Sprache verständlich für Menschen übersetzen und sie zu Grand-Prix-Prüfung oder Freiheitsdressur bringen.
Kontakt
Zambail lässt das Pferd sofort frei in der Halle laufen. Maya nutzt ihre Freiheit nicht, sondern stellt sich neben ihn und gähnt. „Sie war angespannt und lässt nun los“, übersetzt der Instruktor. Dann geht er rückwärts. Maya schaut hinter ihm her. „Gerade sagt sie: Zeig mal, was du auf Lager hast. Lohnt es sich überhaupt, mit dir zu reden?“ Zambail streckt Maya die Hand hin. „Sie soll den ersten Kontakt machen. Vorher habe ich keine Erlaubnis, sie anzufassen.“ Maya kommt.
Kommunikation
Zambail nimmt die Stute ans Seil und dreht nur mit seinem Blick Mayas Hinterhand. Danach folgt ihm die Stute auf Schulterhöhe überall hin. „Die Partnerschaft zum Pferd braucht vier Grundlagen“, erklärt Zambail. „1. Kann ich das Pferd zurückschicken? 2. Kann ich es fragen, seine Hinterhand wegzunehmen? 3. Kann ich seine Vorhand wegschicken? 4. Folgt mir das Pferd, wenn ich gehe?“ Bei dieser Prüfung erkennt Zambail die Ranghöhe, die das Pferd immer wieder in Frage stellt. „Pferde stehen nicht morgens auf, gehen zum anderen hin und sagen ‘Hej, du Pfeife, jetzt bin ich der Boss!’. Sie sägen langsam am Stuhlbein, und wenn wir es nicht merken, übernehmen sie irgendwann die Führung.“ Das versucht Maya nun auch. Während Zambail erklärt, schiebt sie sich ganz diskret heran. Er schickt sie sofort zurück.
Sind die Grundlagen gelegt, folgen die Sieben Spielen. Sie lehren das Pferd Vertrauen und Weichen: Freundlichkeitsspiel (Pferd überall berühren), Stachelschweinspiel (Pferd weicht auf Fingerdruck). Treibspiel (Pferd bewegt sich auf Seilschwingen und Fingerzeig), Yoyo-Spiel (schwingendes Seil schickt Pferd zurück und holt es wieder), Zirkelspiel (Pferd geht am Seil um den Menschen herum), Seitwärtsspiel (Pferd setzt Beine seitwärts), Engpass-Spiel (ohne Hektik enge Stelle passieren).
Weil Pferde ihr Drohen stufenweise aufbauen, gibt auch Zambail den Befehl zum Weichen in vier Phasen: „Erst wedelt der Zeigefinger, dann das Handgelenk, danach das Seil. Weicht das Pferd immer noch nicht, gehe ich mit erhobenen Armen auf es zu.“
Wichtig findet Zambail, die Spiele nicht endlos abzuspulen. „Sonst werden sie schnell zu den sieben Torturen.“ Wenn das Pferd nur noch die Augen aufreißt und gestresst umher rennt, wird es zu viel. „Dann kann es nicht mehr denken, braucht eine Pause.“ Der Besitzer muss überlegen, wie er die Spiele sinnvoll einsetzt. „Seitwärts das Pferd zum Aufsteighocker holen zum Beispiel“, erklärt Zambail. Maya geht nach der ersten Trainingseinheit (etwa 45 Minuten) überall hin, wo der Instruktor sie hinschickt.
Fazit
Berni Zambail empfiehlt, im täglichen Training den Abstand zum Pferd immer mehr zu vergrößern, bis es auch am 7 Meter langen Seil bedingungslos folgt. Das kann so lange dauern, bis das Pferd Anzeichen von Überforderung zeigt. Die Intensität der Signale soll mit der Zeit abnehmen, bis das Pferd nur noch auf kleinste Zeichen reagiert. Ein Pferd wie Maya, dem Arbeit schnell langweilig wird, braucht immer wieder neue Spiel-Varianten. Dass Zambail die Stute zwischen den einzelnen Aufgaben einfach stehenlässt, ihr zum Lob die Stirn krault, scheint ihr zu gefallen. Als er sich von ihr verabschiedet, legt sie ihm den Kopf auf die Schulter – Freundschaftszeichen unter Pferden.

- Geselliges Gähnen: „Das Pferd war sehr angespannt und lässt jetzt los“, übersetzt Trainer Zambail.
Foto: Rädlein
Für wen geeignet?
Pferdetypen 2 und 4.
Durch seine ruhige Art ist Berni Zambail für übereifrige Pferde oder hibbelige Besitzer bestens geeignet. Er hat durch seine umfangreiche Ausbildung eine geballte Ladung Wissen und kann jede Regung des Pferds erklären. Soviel Talent und Routine hat nicht jeder Parelli-Trainer, weshalb das System durch oft gezeigten „Kadavergehorsam“ oder hektisch umher rennende, schlecht gymnastizierte Pferde etwas in Verruf geriet. Wer sich für diese Methode interessiert, aber keine Lust auf bedingungslose Unterwerfung hat, ist bei Zambail gut aufgehoben. Durch die feinen Signale, die nur bei Bedarf stärker werden, eignet sich die Methode sowohl für ängstliche Pferde als auch für dominante Rüpel.
Berni Zambail, Konservenstraße 48, 8215 Hallau, Tel. (0041) 52685 1645, www.pnh-parelli-instructor.com
04.11.2008
© CAVALLO Ausgabe 01/2008
Autor: Patricia Wagner
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