Fütterung: Was dürfen Pferde fressen?

Füttern bis der Arzt kommt?

CAVALLO Hafer
Foto: Rädlein
Knoblauch soll ein natürliches Antibiotikum sein, Vitamin E verspannte Muskeln lockern. Tatsächlich helfen manche Pülverchen, andere sind richtig riskant fürs Pferd. Was dürfen Pferde wirklich fressen? CAVALLO gibt Experten-Tipps.

 

CAVALLO Fütterung
Foto: Rädlein Die Pferde schnuppern am Eimer. Was gibt‘s zu futtern?

Schon mal Kräuter gegen Satteldruck gefüttert? Natürlich nicht – ist ja auch totaler Unfug! Da hilft nur ein Sattler. Aber Hand aufs Herz: Wenn das Pferd hustet oder sich beim Reiten verspannt, öffnen Sie nicht auch gerne erst die Natur-Apotheke, bevor Sie einen Tierarzt rufen, der Tage später eine teure Rechnung schickt?

Manche Anbieter pflanzlicher Produkte werben mit blumigen Versprechungen, was ihre Pülverchen nicht so alles können. Tatsächlich gibt es natürliche Mittel, die sehr gut wirken. Andere sind bestenfalls nutzlos, schlimmstenfalls schädlich. Da zahlen Pferdebesitzer ganz leicht drauf, die sich eigentlich den Doc sparen wollten. Doch was ist Lüge, was ist Wahrheit?

CAVALLO hat zusammen mit Professor Ellen Kienzle vom Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik der Ludwig-Maximilians-Universität in München fünf beliebte Futter-Zusätze unter die Lupe genommen.

 

Naturheilmittel Pferd
Foto: Marc Dietrich Fotolia.com Mythos und Wirklichkeit: Weder Mücken noch Bakterien lassen sich durch Knoblauch abschrecken.

1. Knoblauch als Insektenschutz?

„Mücken lachen sich tot, wenn ein Pferd nach Knoblauch stinkt“, sagt Kienzle. „Es gibt keinen Hinweis, dass die Stinkbombe nervende Insekten vertreibt.“ Angeblich soll Knoblauch auch ein natürliches Antibiotikum sein. „Allerdings wirkt die Knolle viel schwächer als ein Medikament vom Tierarzt“, sagt Kienzle. Im akuten Fall sollten Sie das Antibiotikum geben, das der Doc verschreibt. Nicht nur, weil die Wirkung der Arznei in aufwändigen Tests bestätigt wurde und die Risiken bekannt sind, sondern auch, weil bei der Fütterung hoher Knoblauch-Mengen starke Nebenwirkungen auftreten können, beispielsweise Blutarmut.

2. Omega 3 für Ekzemer?

„Pferden mit Sommerekzem kann ein Schuss Fischöl helfen“, sagt Ellen Kienzle. Dabei sollten Reiter aber darauf achten, dass die Tiere ausreichend mit Vitamin E versorgt sind.

3. Probiotika für die Verdauung?

„Ist das Pferd gesund, braucht es keine Probiotika“, meint die Fütterungsexpertin. Nach Koliken oder bei Verdauungsstörungen kann Bierhefe die Darmfunktion unterstützen. Milchsäurebildende Bakterien sind hingegen nicht als Zusatzstoff zugelassen. „Werden sie gefüttert, kann die Verdauung durcheinandergeraten, und im schlimmsten Fall bekommt das Pferd eine Kolik oder Hufrehe“, warnt Kienzle.

4. Vitamin E gegen Verspannungen?

Ist das Pferd klemmig, sollen Vitamin E und Selen den Muskelstoffwechsel in Gang bringen und dadurch die Rittigkeit verbessern. Ellen Kienzle unter-suchte den Mythos an 90 Warmblütern, die laut ihrer Reiter Probleme mit der Muskulatur hatten, obwohl ihnen keine Vitamine und Spurenelemente fehlten. Ein Drittel der Pferde bekam täglich eine Dosis Vitamin E, dem zweiten Drittel wurde Selen verabreicht, ein Drittel erhielt lediglich ein Placebo. Die Reiter wussten nicht, welches Tier über die 120 Testtage welches Präparat bekam. Danach wurden sie gefragt, ob sich die Pferde nun besser reiten ließen. Überraschenderweise waren die Tiere aus der Placebo-Gruppe viel rittiger. Auch die Rückenmuskulatur war lockerer.

Fotostrecke: Lösungsarbeit: So reiten Sie Ihr Pferd locker

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CAVALLO Biomechanik Foto: Schönewald
CAVALLO Biomechanik Foto: Schönewald
CAVALLO Biomechanik Foto: Schönewald

5. Muscheln bei Arthrose?

Zusatzfutter für Pferde verkauft sich wie geschmiert, wenn es angeblich Gelenke schützt oder Arthrose stoppt. Sicher ist: Keines dieser Pülverchen kann Arthrose wirklich heilen und einen kaputten Knorpel reparieren. Manche lindern jedoch tatsächlich die Symptome. „Grünlippmuschelextrakt wirkt entzündungshemmend und hilft manchen Tieren“, sagt Kienzle. Das gelte auch für die Fütterung von Gelatine oder Teufelskralle. „Wichtig dabei: Bewegen Sie das Pferd entsprechend seiner Krankheit und heizen nicht mit ihm durchs Gelände.“

Autor: Christiane Wehnert
© CAVALLO
Ausgabe 03/2011