Interieur: Was Pferdeaugen über den Charakter verraten

Augen spiegeln Gemütszustand

Pferdeaugen sind faszinierend und laden immer wieder zu Spekulationen ein. Was verraten sie über den Gemütszustand des Pferds - und was nicht? CAVALLO hat Experten dazu befragt.

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CAVALLO Pferdeaugen Foto: Equinefineart/Kraus
CAVALLO Pferdeaugen Foto: Kuserau_privat
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Pferdeaugen verraten hinsichtlich ihres Gemütszustands deutlich weniger als Menschenaugen. Beim Menschen signalisieren die Augen mehr als sechs verschiedene Gemütszustände. Bei Pferden lässt sich das auf nur wenige Empfindungen reduzieren. „Ist das Auge glänzend, der Blick aufmerksam, nach außen gerichtet, und auf einen bestimmten Punkt fixiert, geht es dem Pferd normalerweise gut“, sagt Dr. Pollmann. Es ist an seiner Außenwelt interessiert und reagiert neugierig. Wirken die Augen dagegen ausdruckslos, stumpf und nach innen gekehrt, ist das Pferd vielleicht krank oder hat gerade Schmerzen. Allerdings haben dösende Pferde auch einen ausdruckslosen, nach innen gekehrten Augenausdruck, ohne dass es ihnen schlecht geht. Sie wirken dann einfach abwesend, und ihre Augenlider stehen meistens auf Halbmast. Der Unterschied: Spricht man dösende Pferde an, reagieren sie neugierig und wenden den Blick sofort aufmerksam nach außen.

Völlig ausdruckslos dagegen ist der Blick vieler Rollkurpferde. „Auch ihre Augen wirken nach innen gekehrt. Außerdem zeigen sie Falten über den Augen, weil sie krampfhaft versuchen, nach vorne zu schauen: Das zeigt deren Resignation“, sagt Dr. Pollmann. Solche Augenfalten beobachtet Tellington-Trainerin Anke Recktenwald aus Marpingen im Saarland generell bei gerittenen Pferden, die Sorgen oder Schmerzen haben. „Das kann an psychischer Überforderung liegen, an falschem Training, Schmerzen oder unpassendem Sattelzeug“, sagt sie. Diese Pferde haben laut Recktenwald Spannung im Blick.

Erregte Pferde reißen die Augen weit auf. Dann blitzt auch das Weiß der Lederhaut (Sklera) hervor. Dieser Zustand hat zu dem Mythos geführt, man solle die Finger von Pferden lassen, bei denen das Weiß im Auge zu sehen sei. Sie wären unberechenbar. Vielmehr reißen Pferde meistens aus Angst die Augen soweit auf und können dadurch unberechenbar werden. Allerdings gibt es auch Pferde, deren Weiß im Auge genetisch bedingt ist. Nämlich wenn die Iris weiß schimmert. Diese so genannten Menschenaugen kommen oft bei Schecken, Tigern oder Pferden mit großen Abzeichen vor.

Recktenwalds Lehrerin Linda Tellington-Jones befasste sich schon vor Jahren in ihrem Buch „Die Persönlichkeit Ihres Pferdes“ intensiv mit Augenformen. Ihre Erkenntnisse: Grosse, harte und runde Augen hätten oft Spitzenpferde, zum Beispiel Rennpferde, die stolz und unabhängig sind. Pferde mit kleinen Augen dagegen seien oft starrsinnig, lernen langsam und werden gerne widerspenstig. Pferde, die mandelförmige Augen haben, seien sehr willig und würden gerne mitarbeiten. Solche Pferde bezeichnet Tellington-Jones als introvertiert und etwas zurückhaltend. Überdurchschnittlich intelligent seien Pferde, die eine dreieckige Augenform hätten.

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Apportieren Foto: Lisa Rädlein
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27.10.2011
Autor: Cathrin Flößer
© CAVALLO
Ausgabe 11/2011