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Tierkommunikation: Die Psycho-Tricks der Gurus
Interview: Die Nieten vergessen wir
Wolfgang Hund ist Lehrerausbilder und Experte für okkulte Tricktechniken.
CAVALLO: Sind Methoden wie Tiertelepathie nur Spinnerei?
Hund: Ich würde die beiden Sachen trennen. Bei der Tierkommunikation kann es ja tatsächlich sehr sensible Menschen geben, die unbewusst kleinste körpersprachliche Regungen des Pferds lesen und interpretieren. Das machen wir übrigens im Alltag alle ständig mit unserem Gegenüber.
Und die Tiertelepathie?
Geht ja davon aus, die Gedanken eines Tiers lesen zu können. Das setzt aber voraus, dass es überhaupt denken kann. Denken beginnt aber mit der Eigenwahrnehmung. Weiß ein Pferd, dass es ein Pferd ist, ein Individuum? Bisher können sich nur bestimmte Affenarten, Delfine, Elefanten selbst im Spiegel erkennen – und natürlich Menschen. Insofern ist die gedankliche Kommunikation mit Tieren totaler Nonsens.
Manchen Tiertelepathen genügt ein Foto vom Pferd und ein Telefonat, um erstaunlich Ergebnisse zu erzielen. Wie machen die das?
Ähnlich wie Wahrsager, Hellseher und andere Medien, die Deutungstechniken verwenden. Der Fachbegriff dafür ist „Cold Reading“. Sie arbeiten beispielsweise mit Wahrscheinlichkeiten. In 90 Prozent der Fälle möchten die Leute beim Hellseher etwas über ihr Liebesleben wissen. Danach kommen die Themen Gesundheit, Geld und Beruf. Ein Hellseher spricht diese Bereiche an, und geht dann auf die Reaktionen des Gegenübers ein.
Das geht per Internet aber nicht.
Stimmt, da hat er tatsächlich nur ein Bild vom Pferd und vermutlich einige Basisinformationen. Aber auch daraus lassen sich Präferenzen ableiten. Dass ein 20-jähriges Springpferd Sehnenprobleme hat, ist ja nicht unwahrscheinlich.
Und per Telefon?
Das ist etwas einfacher. Gute Wahrsager leiten aus den Sprechpausen, dem Räuspern und der Tonmodulation ihres Gesprächspartners vieles ab. Die große Kunst besteht dann darin, einen Satz zu beginnen und ihn aufgrund der Reaktion des Kunden so zu beenden, dass es passt. Außerdem werden die Kunden gerne miteinbezogen. „Ich brauche Ihre Mithilfe, damit ich etwas sehe“, heißt es dann. Da macht man mit, schließlich hat man ja bezahlt.
Wieso wissen solche Leute trotzdem Dinge, die sie nicht wissen können?
Da beschummeln wir uns selbst. Wir merken uns nur den unwahrscheinlichen Treffer. Ich nenne das immer den Bild-Zeitungseffekt. Dass die anderen 99 Vorhersagen Nieten waren, vergessen wir hingegen sofort.
Kontakt
Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) e. V.
Arheilger Weg 11
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