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Tierkommunikation: Die Psycho-Tricks der Gurus
Interview: Ein Fall für den Psychiater
Colin Goldner ist klinischer Psychologe, Kenner und Kritiker der alternativen Heilszene.
CAVALLO: Gibt es seriöse alternative Heilmethoden?
Goldner: Nein, für kein einziges alternatives tiermedizinisches Verfahren liegt ein stichhaltiger Wirkbeleg vor, auch nicht für Akupunktur und Homöopathie. Ginge ihre Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus, wären sie schon längst Teil der wissenschaftlichen Medizin.
Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund dann Tiertelepathie?
Telepathische Tierkommunikation halte ich für zynische Geschäftemacherei mit den Nöten besorgter Pferdehalter. Wird sie zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken eingesetzt, reicht das schon fast an den Rand des Kriminellen. Völlig indiskutabel ist telepathische Kommunikation mit toten Tieren, die aus dem Jenseits Rat und Lebenshilfe geben oder mitteilen, wann und wie sie wiedergeboren werden.
Also ist alles Scharlatanerie?
Der Unterschied ist: Die einen glauben tatsächlich an ihre vermeintlichen Fähigkeiten; die anderen wissen, dass es solche gar nicht gibt und sie ihren Kunden nur Humbug verkaufen. Von außen kann man kaum erkennen, ob es sich bei der einzelnen Anbieterin eher um einen Fall für den Psychiater oder für den Staatsanwalt handelt.
Wieso gibt es dann trotzdem mitunter recht gute Ergebnisse?
Das liegt zum einen in der gläubigen Erwartungshaltung der Kundschaft. Der fällt es wie bei Hellsehern oder Astrologen nicht auf, dass die Antworten so vage und vieldeutig sind, dass sie immer irgendwie zutreffen. Die etwas konkreteren Angaben sind ganz banal, hergeleitet aus dem äußeren Erscheinungsbild des Tiers – Foto genügt – sowie den zur Verfügung gestellten Daten. Der Rest wird phantasiert.
Ist denn alles nur Einbildung?
Die ständig angeführten „Erfolge“ der alternativen Tierheilverfahren beruhen in der Regel darauf, dass unterschiedlichste Beeinträchtigungen der Gesundheit nach einer Zeit von selbst wieder verschwinden. Alternative Heiler und ihre Kunden führen natürliche oder spontane Heilungsverläufe oder zyklische Besserungen dann auf die „Behandlung“ zurück.
Dann schadet sie wenigstens nicht.
Viele Methoden sind keineswegs so sanft, wie immer behauptet wird. Und wenn der Tierhalter lieber auf die Diagnose einer Tiertelepathin vertraut als auf die eines Tierarztes, kann es fürs Pferd sogar richtig gefährlich werden.
Info:
Colin Goldner schrieb das kritische Standardwerk „Vorsicht Tierheilpraktiker!“.
Das Buch ist im Alibri Verlag erschienen und kostet 29 Euro (ISBN 9783865690043).



