100 Krankheiten - Das große CAVALLO Symptom-Lexikon

Belastungsbedingtes Lungenbluten - Bindehautentzündung - Blockade des Kreuzdarmbeingelenks - Borreliose - Bornasche Krankheit

Im CAVALLO Symptom-Lexikon finden Sie die Symptome der 100 wichtigsten Pferdekrankheiten. Hier: Belastungsbedingtes Lungenbluten - Bindehautentzündung - Blockade des Kreuzdarmbeingelenks - Borreliose - Bornasche Krankheit


Die Lunge ist ein gewaltiges Organ, das fast die halbe Pferdelänge einnimmt. Erschütterungen und hoher Blutdruck können die kleinen Kapillaren nahe des Rückens platzen lassen.
Foto: CAVALLO

Belastungsbedingtes Lungenbluten

In leichteren Fällen hustet das Pferd nach starker Anstrengung, schluckt, obwohl es weder gefressen noch gesoffen hat, oder benötigt längere Beruhigungszeiten. „Auch in Ruhe ist die Atemfrequenz leicht erhöht, etwa 14 statt 8 Atemzüge oder 18 statt 14“, sagt Lungenspezialistin Dr. Heike Kühn, Tierärztin an der Pferdeklinik München-Riem/Bayern.

In schweren Fällen wird das Pferd im Rennen plötzlich langsamer oder bleibt stehen. „Dann blutet es auch aus der Nase“, sagt Dr. Heike Kühn. Insgesamt ist Nasenbluten (Epistaxis) aber sehr selten. Manchmal äußert sich die Krankheit nur in einer scheinbar unerklärlichen Leistungsschwäche. Auch Fälle ohne sichtbare Symptome sind möglich.

Knallrot, glasig und dick: Die Bindehaut ist stark entzündet.
Foto: Gerhards

Bindehautentzündung

Bindehaut (Konjunktiva) wird die Schleimhaut genannt, welche die Innenseiten der Augenlider auskleidet und einen Teil des Augapfels überzieht. Ist sie entzündet (Konjunktivitis), schwillt auf einer oder beiden Kopfseiten das Lid.

Weil die Bindehaut stärker durchblutet wird als normal, ist sie nicht blassrosa, glatt und glänzend wie bei gesunden Pferden, sondern rot. Sie sieht glasig aus und kann vorquellen.

Auge und Umgebung werden wärmer, schmerzen und sind sehr lichtempfindlich, weshalb die Pferde das Auge oft zusammenkneifen. Manche Tiere scheuern sich, weil das Auge juckt.

Entzündete Augen tränen stark, wobei die Flüssigkeit wässrig-klar bis schleimig ist. Gelbe Flöckchen darin signalisieren Eiter. Im Extremfall sind sogar die Lidränder mit Eiter verklebt. Solche Pferde haben manchmal Fieber (normal: 37,3 bis 38, 5 Grad Celsius) und fressen nicht mehr richtig.

Kreuzbein (blau) und Darmbein (gelb) sind mit Bändern (rot) verspannt. Starke Verschiebung der Knochen lässt Bandfasern reißen; das Gelenk stakst höher heraus.
Foto: Wolschendorf

Blockade des Kreuzdarmbeingelenks

Das Pferd hat Schmerzen beim Aufstehen und Hinlegen, wälzt sich wenig oder nicht mehr und bewegt sich lustlos. Häufig verstärken sich die Symptome beim Reiten: „Meist merkt man, dass im Bewegungsablauf etwas nicht stimmt, etwa wenn das Pferd auf einem Hinterbein weniger Last aufnimmt als auf dem anderen“, sagt Pferdephysiotherapeutin Christel Auer aus dem baden-württembergischen Singen.

Der Gang ist steif, kurz und schwunglos. „Häufig wehren sie sich bei Seitengängen“, beobachtet Dr. Anton Fürst von der Pferdeklinik der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich.

Weil sie die Gelenke der Hinterbeine nicht genügend beugen, schleifen manche Pferde mit den Zehen über den Boden. Andere lahmen mal auf dem einen, mal auf dem anderen Hinterbein.

Die Kruppenmuskulatur kann ungleich ausgeprägt sein, oder die Hüfthöcker (Tuber sacrale) ragen unterschiedlich hervor (engl. hunter’s bump). „Der ungleich hohe Stand der Tuber sacrale ist aber kein Kriterium für eine Blockade oder Schädigung des Kreuzdarmbeingelenks, wenn sich der Sichtbefund nicht plötzlich verändert hat“, betont Pferdeosteopath Kalle Rehm aus Heudorf/Baden-Württemberg: „Es gibt nicht wenige Pferde, die diesen Unterschied haben, aber bezüglich Beweglichkeit und Stabilität beider ISG völlig normal sind.“

Satt gefressen: Eine mit Blut vollgesogene Zecke erreicht die drei- bis vierfache Größe.
Foto: Prof. Gerhards, Chirurgische Tierklinik der Uni München

Borreliose

Welche Symptome eine Borreliose bei Pferden genau hervorruft, ist wissenschaftlich noch kaum erforscht. Trotzdem bringen Pferdehalter und Tierärzte zahlreiche, sehr unterschiedliche Beschwerden mit der Infektion durch Borrelien in Zusammenhang. Dazu zählen Hufrehe, Augenentzündungen oder Rückenschmerzen.

Typisch für Borreliose ist die so genannte intermittierende Lahmheit, die immer wieder von Phasen unterbrochen wird, in denen das Pferd klar geht. Jeder neue Lahmheitsschub kann an anderer Stelle auftreten; die Lahmheit wandert häufig von einem Bein zum anderen oder von Gelenk zu Gelenk.

Parallel zu dieser wandernden Lahmheit sind häufig die Gelenke arthritisch entzündet und geschwollen. Manchmal lassen Ödeme (Wasseransammlungen unter der Haut) die Beine auch komplett anschwellen. In leichteren Fällen und im Anfangsstadium einer Borreliose geht das Pferd nicht immer lahm, aber in der Regel steif und widerstrebend.

Borreliose-Patienten haben außerdem häufig große Hautprobleme. Ihre Besitzer berichten von starken Problemen beim Fellwechsel; einige Pferde zucken sogar bei der leichtesten Berührung zusammen, weil die Schmerzempfindlichkeit der Haut zunimmt.

Veterinäre vermuten, dass eine fortgeschrittene Borreliose das zentrale Nervensystem (ZNS), also Gehirn und Rückenmark, angreift. Manche Tiere halten dann den Kopf merkwürdig schief. Außerdem zählen Gehirnentzündungen, schmerzhafte Schling- und Schluckbeschwerden, Schweiflähmungen sowie Ataxien zu den möglichen Folgen einer ZNS-Erkrankung. Bei einer Ataxie kann das Pferd seine Bewegungen nur noch mit Mühe koordinieren und schwankt deshalb beim Gehen. Auch Muskelschäden wurden vereinzelt mit Borreliose in Verbindung gebracht.

Der Leistungsabfall, der für diese Krankheit typisch ist, rührt allerdings seltener von schlaffen Muskeln als vielmehr vom schwachen Fieber, das eine Borreliose oft begleitet. Schläfrigkeit, Depressionen und andere Verhaltensänderungen zählen ebenfalls zu den allgemeinen Symptomen, die möglicherweise eine Borrelien-Infektion signalisieren.

Im fortgeschrittenen oder chronischen Stadium verderben die Borrelien vielen Pferden den Appetit. Andere fressen zwar wie gewohnt, magern aber trotzdem ab.

Weil die Symptome so vielfältig sind, ist die Borreliose schwer zu diagnostizieren. Hinter Ödemen, Lahmheiten oder Hautveränderungen können sich zahlreiche andere Krankheiten verbergen; die Gefahr einer Verwechslung ist deshalb groß. Diffuse Beschwerden wie Fieber, Appetitlosigkeit oder Lethargie liefern erst recht keine schlüssigen Hinweise.

Deshalb sollte der Tierarzt zunächst andere Ursachen aus-schließen. Dazu kann er in einigen bayerischen, baden-württembergischen oder niedersächsischen Labors das Blut des Pferds auf Antikörper gegen Borrelien testen lassen, die eine Infektion anzeigen.

Hieb- und stichfest sind allerdings auch diese Tests nicht. „Es gibt sehr viele Pferde, die zwar hohe Antikörper-Werte haben, aber keinerlei Symptome zeigen“, sagt der Tierarzt und Borreliose-Experte Dr. Peter Kopp vom VetMed-Labor in Ludwigsburg bei Stuttgart. „Umgekehrt leiden manche Tiere unter Symptomen, obwohl ihre Werte völlig in Ordnung sind.“ Der Nachweis ist nur dann erbracht, wenn es gelingt, den lebenden Erreger zu isolieren, was bei Borrelien schwierig ist.

Bornakranke Pferde laufen Kreise in der Box, schwanken beim Gehen und vergessen manchmal zu kauen (Pfeifenrauchen).
Foto: Gerhards

Bornasche Krankheit

Die Bornasche Krankheit (Borna Disease, BD) beginnt mit unspezifischen Symptomen wie erhöhte Temperatur (normal sind 37,2 bis 38,3 Grad Celsius), Schläfrigkeit und leichten Koliken, für die es offenbar keine Erklärung gibt. Das Pferd hat wenig Appetit und vergisst manchmal zu kauen, so dass Heuhalme aus dem Maul hängen (Pfeifenrauchen).

Außerdem kann ein krankes Pferd Probleme beim Wasserlassen haben. Auf Berührungen reagiert es anfangs überempfindlich, vor allem am Kopf; später ist es völlig empfindungslos.

Im fortgeschrittenen Stadium steht es mit schiefem, tiefem Kopf in Sägebock-Haltung, das heißt, die Beine sind nach vorne und hinten gespreizt. Das Pferd hat Mühe mit dem Gleichgewicht, geht steif, schwankend sowie unkoordiniert. Es läuft in der Box im Kreis (Manegebewegung) und drückt bisweilen den Kopf gegen die Wand. Schwerkranke Pferde können außerdem Sehstörungen bis hin zur Blindheit entwickeln.

Typisch sind außerdem Verhaltensänderungen und depressive Zustände, die sich mitunter in Apathie äußern.

Mit fortschreitender Krankheit verhält sich das Pferd immer auffälliger. Im Endstadium bricht es wiederholt zusammen und kann schließlich nicht mehr aufstehen (Festliegen).

Weiterführende Informationen zu Ursachen, Risikopatienten, Verlauf, Folgeerscheinungen, Behandlung und Prävention dieser Krankheiten finden Sie im großen CAVALLO-Medizin-Kompendium.

Autor: Redaktion CAVALLO

© CAVALLO

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